Für die meisten Jugendlichen ist die Berufsausbildung noch immer der Königsweg ins Berufsleben. Denn ein solider Berufsabschluss eröffnet viele Perspektiven für die Zukunft. Die Chancen auf einen Arbeitsplatz steigen ebenso wie die Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf und die Arbeitsstelle ist sicherer. Zudem werden händeringend gut ausgebildete Fachkräfte gesucht. Die Verdienstmöglichkeiten sind gut und ermöglichen ein auskömmliches Leben. Wer keinen Berufsabschluss vorweisen kann, und das sind immerhin rund fünf Millionen Menschen in Deutschland, hat es meist schwer, einen Arbeitsplatz zu finden.

Rund zwei Drittel aller Jugendlichen eines Jahrgangs absolvieren eine Berufsausbildung im Dualen System. Der Rest entscheidet sich für die Berufsfachschule, ein Duales Studium oder für ein normales Studium an einer Hochschule. Hinzu kommen noch die Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und das sogenannte Übergangssystem nutzen, in dem man zum Beispiel die Schule für ein Berufsvorbereitungsjahr oder Berufseinstiegsjahr besucht. Berücksichtigen muss man zudem, dass ein Teil der Abiturienten erst eine Lehre abschließt, bevor es zum Studium an eine Hochschule weitergeht. Wir geben einen Überblick über die Möglichkeiten der Berufsausbildung.

Duale Ausbildung

Bei einer betrieblichen oder dualen Ausbildung wechseln sich die praktische Ausbildung im Betrieb und die schulische Bildung an einer Berufsschule ab. "Dual" nennt man die Kombination aus Theorie und Praxis, das ist eine Besonderheit des deutschen Bildungssystems, die laut Arbeitsagentur international anerkannt ist. Eine berufliche Ausbildung ist bei uns immer dual aufgebaut.

Es ist zwar keine Voraussetzung, um einen der 345 Ausbildungsberuf im Rahmen des Dualen Systems zu ergreifen, doch ein Schulabschluss erleichtert die Suche nach einer Lehrstelle ungemein. Man kann sich vorstellen, wie schlecht die Chancen sind, sich gegen Konkurrenten mit Haupt- oder Realschulabschluss oder gar mit Abitur durchzusetzen, wenn man gar nichts vorzuweisen hat. Bei beliebten Berufen ist die Zahl der Bewerber so groß, dass die Betriebe auf die Art des Schulabschlusses achten – oft werden Abiturienten anderen Schulabgängern vorgezogen – und auch die Noten berücksichtigen.

Wer sich um eine Lehrstelle bewirbt, sollte wissen, dass die meisten Ausbildungen am 1. August oder 1. September beginnen. Die Bewerbung sollte also rechtzeitig verschickt werden. Manche Firmen beginnen mit der Auswahl der Bewerber bereits am Anfang des Jahres. Banken und größere Unternehmen schreiben freie Lehrstellen sogar schon ein Jahr vor Ausbildungsbeginn aus. Deshalb sollte man sich schon im vorletzten Schuljahr damit beschäftigen, welchen Beruf man ergreifen möchte.

In der Regel dauert die Berufsausbildung, je nach gewähltem Ausbildungsberuf, zwischen zwei und dreieinhalb Jahren. Ausbildungsberufe gibt es im Handwerk, in Industrie und Handel, im Dienstleistungssektor, der Schifffahrt, der Landwirtschaft, im Öffentlichen Dienst und bei Freiberuflern wie Ärzten, Apothekern, Rechtsanwälten oder Steuerberatern.

Die Grundlage der dualen Ausbildung bildet der praktische Teil im Betrieb. Er ist nach der Handwerksordnung oder dem Berufsbildungsgesetz geregelt. Typischerweise arbeitet der Auszubildende (Azubi) dort an drei bis vier Tagen pro Woche und erlernt die praktischen und handwerklichen Fähigkeiten, die er zur Ausübung des Berufs benötigt.

Zusätzlich zur Arbeit im Ausbildungsbetrieb besucht der Azubi die Berufsschule für acht bis zwölf Unterrichtsstunden pro Woche. Die Lehrpläne sind nicht einheitlich geregelt, sie unterscheiden sich je nach Bundesland und Ausbildungsbetrieb. Sie enthalten aber immer einen allgemeinen Teil, der für alle Berufe gleich ist und Fächer wie Deutsch, Religion, Politik und Sport enthält. Im theoretischen Teil sind die Inhalte speziell auf den Beruf zugeschnitten, den man erlernt.

Wer eine Lehrstelle gefunden hat, erhält eine monatliche Ausbildungsvergütung, deren Höhe in der Regel vom Tarifvertrag abhängt. Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung liegt derzeit bei 730 Euro im Monat, wobei sie am Anfang der Lehre niedriger und am Ende höher ist.

In der Berufsausbildung müssen zwei große Prüfungen bestanden werden. In der Zwischenprüfung muss der Azubi zeigen, dass er das gewünschte Niveau erreicht hat. Die Abschlussprüfung beziehungsweise die Gesellenprüfung im Handwerk wird vor der Industrie- und Handelskammer beziehungsweise der Handwerkskammer abgelegt. Wird sie bestanden, ist die Ausbildung beendet.

Schulische Ausbildung

Der dualen Ausbildung ebenbürtig ist die schulische Ausbildung in staatlichen oder privaten Berufsfachschulen oder Berufsschulen. Nach Angaben der Arbeitsagentur entscheidet sich jeder fünfte Jugendliche mit Haupt- oder Realschulabschluss für einen schulischen Ausbildungsberuf. In der Regel sind dies Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Wirtschaft, in den Bereichen Gestaltung, Musik, Fremdsprachen, Technik und IT.

Voraussetzung für eine schulische Ausbildung ist häufig ein mittlerer Schulabschluss, zum Beispiel ein Realschulabschluss oder die Mittlere Reife. Meist ist ein Mindestalter nötig. Teilweise ist ein Vorpraktikum zu absolvieren.

Die schulische Ausbildung dauert ein bis drei Jahre und findet in Vollzeit statt. Die Lehrpläne unterscheiden sich je nach Bundesland und Schule. Wichtig ist deshalb, sich vorab zu informieren, ob die angestrebte Schule einen staatlichen oder staatliche anerkannten Abschluss bietet. Zumindest sollte das Abschlusszeugnis in ganz Deutschland anerkannt sein und nicht nur in einem Bundesland.

Bei einigen schulischen Ausbildungen erhalten die Azubis eine Ausbildungsvergütung, etwa beim Beruf des Krankenpflegers. Häufiger erhalten die Azubis jedoch gar nichts und müssen teilweise sogar noch etwas zahlen. Gerade private Schulen erheben häufig Schulgeld. Allerdings kann man Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) beantragen.

Ausbildung am Gymnasium

Wer das Glück hat, in der Nähe von einem Gymnasium mit beruflicher Ausbildung zu leben, kann seinen anerkannten Berufsabschluss neben dem Abitur erwerben. Ein Beispiel dafür ist das staatliche Landschulheim Marquartstein, das in seiner Schule eine Schreiner-Lehre anbietet. Ab der 8. Klasse werden die Schreiner-Lehrlinge in Theorie und Praxis des Handwerks unterrichtet. An zwei Nachmittagen in der Woche erhalten sie in der schuleigenen Schreinerei praktischen Unterricht. In Ferienkursen müssen Blockpraktika in anderen Unternehmen zu bestimmten Ausbildungsthemen absolviert werden. In der Oberstufe fertigen die Azubis auch ein Gesellenstück an und legen eine Prüfung vor der Handwerkskammer ab.

Duales Studium

Das duale Studium ist eine gute Alternative zur beruflichen Ausbildung und zum Studium. Immer mehr Jugendliche entscheiden sich dafür. Das duale Studium verbindet Theorie und Praxis. Dabei ist eine Ausbildung mit einem Bachelor- oder Diplom-Studiengang an einer Berufsakademie, einer Fachhochschule, einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie oder einer Universität kombiniert. Inzwischen gibt es über 900 duale Studiengänge.

Voraussetzung für ein duales Studium ist neben dem Abitur oder der Fachhochschulreife ein Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen. Da die Plätze sehr begehrt sind, sollte man sich mindestens ein Jahr im Voraus bei einem Betrieb bewerben. In der Regel erhält der Auszubildende ein Ausbildungsvergütung. Die Belastung während der drei- bis fünfjährigen Ausbildung ist extrem hoch, da sehr viele Studien-Inhalte während der Praxis-Zeiten selbst erarbeitet beziehungsweise nachgeholt werden müssen.

Es gibt vier unterschiedliche Formen des dualen Studiums. Beim ausbildungsintegrierten dualen Studium absolviert der Azubi im Betrieb eine duale Ausbildung, die er mit einem formalen Berufsabschluss beendet. Gleichzeitig ermöglich ihm das Unternehmen das Studium. Bei praxisintegrierten Studiengängen erwirbt man keinen Berufsabschluss. Der praktische Teil der Ausbildung findet meist während der Semesterferien im Ausbildungsbetrieb statt. Berufsintegrierende duale Studiengänge sind eine Form der beruflichen Weiterbildung. Sie richten sich an Interessenten mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung. Berufsbegleitende duale Studiengänge ähneln einem Fernstudium neben der vollen Berufstätigkeit.