Diese Aussage von Jens Spahn lässt aufhorchen: Der Gesundheitsminister sieht gute Chancen, dass Krebs in wenigen Jahren besiegt sein könnte. Bis dahin setzt Spahn auf zwei Eckpfeiler der Krebsprävention.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält Krebs in absehbarer Zeit für besiegbar. "Es gibt gute Chancen, dass wir in 10 bis 20 Jahren den Krebs besiegt haben", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post".

Der medizinische Fortschritt sei immens, die Forschung vielversprechend. "Und wir wissen deutlich mehr. Es gibt Fortschritte bei der Krebserkennung, bei der Prävention."

Spahn setzt auf Aufklärung

Daher will der Gesundheitsminister die Ursachen der Erkrankung mehr in den Fokus rücken. Ein Fünftel der Krebserkrankungen ließen sich aufs Rauchen zurückführen. Eine weitere Ursache seien schlechte Ess- und Lebensgewohnheiten.

Dem Deutschen Krebsforschungszentrum zufolge gehen insgesamt 37 Prozent aller Krebsneuerkrankungen auf vermeidbare Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht zurück. Durch gezielte Aufklärung will Spahn dieses Problem in den Griff bekommen.

Fördergelder in Höhe von 62 Millionen Euro

Hoffnungen setzt der Gesundheitsminister auch in die Früherkennung, um gegen Tumore schon im Entstehungsstadium vorzugehen. Das Darmkrebs-Screening werde zum Beispiel ausgeweitet, so Spahn.

"Ein früh erkannter Tumor kann sehr häufig geheilt werden", sagte Michael Baumann, Vorstandschef des Deutschen Krebsforschungszentrums, bei der Vorstellung des Programms "Nationale Dekade gegen Krebs" am Dienstag in Berlin.

Spahn kündigte dort gemeinsam mit Bildungs- und Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) eine Bündelung der Forschung und Fördergelder in Höhe von 62 Millionen Euro an.

Zweifeln an Spahns Prognose

Der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), Johannes Bruns, reagierte zurückhaltend auf Sphans Aussage. Es werde sich sicher viel tun in den nächsten 10 bis 20 Jahren, gänzlich besiegt werde Krebs aber wohl nicht sein.

"Das ist eine sehr heroische Aussage, da muss man vorsichtig sein." Bei zwei Säulen der Krebsbehandlung - Chirurgie und Bestrahlung - tue sich derzeit nicht so viel, anders sehe das im Bereich der Chemotherapien aus. Arzneimittelhersteller und Start Ups investierten derzeit viel Geld in mögliche Mittel gegen Krebs.

Der Medizinische Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), Bernhard Wörmann, sagte, es gebe vielversprechende neue Therapieansätze bei sehr unterschiedlichen Krebsarten, wahrscheinlicher als ein "Besiegen" von Krebs sei aber ein "Beherrschen".

Empört über die Prognose des Gesundheitsminister zeigte sich hingegen die Deutsche Stiftung Patientenschutz.

"Es ist unverantwortlich, angesichts dieser Entwicklung und dem Leiden so vieler Menschen zu behaupten, es gebe gute Chancen, den Krebs in 10 bis 20 Jahren besiegt zu haben", erklärte Vorstand Eugen Brysch. "Ein Gesundheitsminister sollte nicht für eine Schlagzeile das Vertrauen der Patienten verspielen."

Krebs ist zweithäufigste Todesursache

Zu den häufigsten Krebserkrankungen zählen bei Frauen Brust- und Darmkrebs, bei Männern Prostata- und Lungenkrebs.

Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. 2015 waren Krebserkrankungen nach Angaben des Statistischen Bundesamts die Ursache für fast ein Viertel aller Todesfälle hierzulande. (am/dpa)

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