Die nächste Woche wird entscheidend. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte erneut, dass die Kontaktverminderung zwingend und wichtig ist. Zuletzt wurden über acht Tausend Neuinfektionen gemeldet.

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Am Samstag ist die Zahl der Neuinfektionen in Österreich erstmals über 8.000 gestiegen. In den vergangenen 24 Stunden wurden 8.241 neue Corona-Fälle gemeldet.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte, dass die nächste Woche weichenstellend werden wird. Auch erneuerte er seinen Appell, Kontakte drastisch zu verringern. Als besonders auffallend bezeichnete Anschober die "dramatisch hohe Zahl von 2.279 positiven Testungen" in Oberösterreich.

Gesundheitsministerium vor großer Aufgabe

"Es war zu befürchten, dass in dieser Woche vor einer beginnenden Wirksamkeit des Teil-Lockdowns die Neuinfektionen weiter ansteigen werden. Im Lauf der kommenden Woche muss jedoch mit beginnender Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen die Stabilisierung gelingen", betonte Anschober.

Steigen die Infektionszahlen auch kommende Woche weiter an, wird das Gesundheitssystem schrittweise an seine Grenzen stoßen, warnte Anschober.

Deshalb brauche es nun eine Stabilisierung und die Mithilfe der gesamten Bevölkerung. Es müssen die Kontakte zumindest halbiert werden, Abstand eingehalten und Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Außerdem riet Anschober dazu, die Stopp-Corona-App zu installieren. "Gelingt eine Stabilisierung - als erster Schritt zu Trendwende und wieder sinkenden Zahlen - nicht, wird eine notwendige weitere Verschärfung der Maßnahmen immer wahrscheinlicher", sagte der Gesundheitsminister.

Der Gesundheitsminister hatte am Samstag bereits im Ö1-"Morgenjournal" eine weitere Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus angedeutet. Solche stehen demnach im Raum, sollten über 850 Intensivbetten mit COVID-19-Patienten belegt sein.

Aktuell hält man ungefähr bei der Hälfte, der tägliche Zuwachs in diesem Bereich war in jüngster Vergangenheit aber enorm.

Anstieg der Todesfälle

Erstmals seit Beginn der Pandemie wurden mehr als 3.000 COVID-19-Patienten im Spital behandelt. Davon benötigten 432 Menschen intensivmedizinische Versorgung. Die Zahl der Toten stieg am Samstag um 37 auf 1.377 an.

Im Schnitt sind in den vergangenen sieben Tagen täglich 6.042 Neuinfektionen hinzugekommen. Am Samstag gab es laut Zahlen von Innen- und Gesundheitsministerium 57.570 aktiv Infizierte in Österreich.

Insgesamt 29.810 Testergebnisse wurden in den vergangenen 24 Stunden eingemeldet - mit mehr als 8.200 positiven Ergebnissen lag die Positivrate somit bei rund 28 Prozent.

Die meisten Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden wurden mit 2.279 aus Oberösterreich gemeldet, gefolgt von 1.107 in Wien. In Niederösterreich waren es 1.099 und in der Steiermark 1.021. In Tirol kamen 812 Neuinfektionen hinzu, in Salzburg 790.

Hierbei handelt es sich allerdings um interne Erhebungen des Landes, nachdem es massive Probleme bei den Labormeldungen ins EMS gibt. Die Testzahlen konnten aus demselben Grund auch nicht vollständig erhoben werden, hieß es seitens der Behörden.

Kritische Lage in Wien

Als "durchaus kritisch" bezeichnete der Wiener Gesundheitsverbund angesichts kontinuierlich steigender Neuinfektionen mit dem Coronavirus die Lage in den Wiener Krankenhäusern. Laut der Sprecherin des Gesundheitsverbunds, Nina Brenner-Küng, waren im Bereich des Gesundheitsverbunds 531 COVID-19-Patienten in Spitalsbehandlung, davon 115 auf Intensivstationen.

Was die Intensivbetten betrifft, befand man sich damit am Wochenende noch in Stufe vier des sechsstufigen Plans zur Bewältigung der Krisensituation, der Kapazitäten für 150 Patienten mit intensivmedizinischem Betreuungsbedarf vorsieht. 35 Intensivbetten waren noch frei verfügbar. Da in jüngster Vergangenheit im Schnitt täglich zwei bis vier neue Patienten dazugekommen sind, war in diesem Bereich noch Luft nach oben gegeben.

Was die Normalbetten anlangt, musste dagegen auf Stufe fünf geschaltet werden. Die Kapazitäten von ursprünglich 400 vorhandenen Betten werden nun laufend auf 600 erhöht, sofern sich dafür Bedarf abzeichnet.

"Wenn wir mehr Betten brauchen, werden wir mehr Betten schaffen", garantierte Brenner-Küng. Auch dank der Kooperationen mit den Ordens- und Privatspitälern müsse kein Patient befürchten, im Akutfall aus Kapazitätsgründen im Spital nicht versorgt zu werden.

"Blindflug im Corona-Krisenmanagement" soll beendet werden

Der Gesundheitsverbund hofft allerdings, dass die von der Bundesregierung gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wirken und eine Senkung der Infektionszahlen bewirken. Ende der kommenden Woche müsse in dieser Hinsicht eine "Besserung" eintreten, "ansonsten kann es auch in Wien sehr eng werden", sagte Brenner-Küng.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner forderte unterdessen, die Bundesregierung müsse "ihren Blindflug im Corona-Krisenmanagement endlich beenden". Aktuell entscheide es sich, ob das Infektionsgeschehen eingedämmt werden kann oder nicht.

Die Regierung handle aber erst, wenn "Feuer am Dach" sei, meinte die frühere Gesundheitsministerin. Nun sei es Zeit, unabhängige Experten ans Ruder zu lassen. Diese müssten beurteilen, "ob die Maßnahmen der Bundesregierung ausreichen oder nicht".

Wenn nur noch ein Viertel der Corona-Fälle rückverfolgbar ist, "verdeutlicht das den Blindflug der Regierung", meinte die SPÖ-Vorsitzende. Das Monitoring einer unabhängigen Expertenkommission sei "unbedingt erforderlich, um evidenzbasiert Lockerungen und Anpassungen vorzunehmen und um für die Zeit nach dem Lockdown lernen zu können." (apa/mk)  © APA

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