• Mithilfe künstlicher Intelligenz haben Forscher ein Verfahren entwickelt, das am Klang des Hustens eine Corona-Erkrankung erkennen soll.
  • Laut den Grünen verschläft die Regierung jedoch solche Fortschritte.

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Abgeordnete der Grünen werfen der Bundesregierung vor, sich nicht ausreichend um innovative Ansätze zur Pandemiebekämpfung zu kümmern. Das werde "sträflich vernachlässigt", rügt die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt.

Konkret geht es um eine mögliche App, die dank künstlicher Intelligenz in der Lage sein soll, eine COVID-19-Infektion am Husten der Betroffenen zu erkennen. Entwickelt hat das Verfahren das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Kein Kontakt zu Entwicklern - Algorithmus erkannte 98,5 Prozent der COVID-19-Fälle

"Die Bundesregierung steht zu dieser Idee bisher nicht mit den Autoren oder Entwicklerinnen direkt in Kontakt", antwortete das Gesundheitsministerium auf eine Frage der Grünenexpertin für KI, Anna Christmann. Sie hatte angefragt, ob die Regierung den Einsatz einer möglichen App zur Pandemiebekämpfung prüfe. Laut der Antwort der Bundesregierung handle es sich bei dem MIT-Verfahren sehr wahrscheinlich um ein Medizinprodukt, das einer CE-Kennzeichnung bedürfe.

Zu dem von den MIT-Forschern entwickelten Verfahren gibt es bisher zwar noch keine fertige App, aber vielversprechende Testergebnisse. Der entwickelte Algorithmus konnte in 98,5 Prozent der Fälle Patienten mit COVID-19 anhand einer Tonaufnahme ihres Hustens erkennen. Die Testpersonen waren zuvor positiv auf COVID-19 getestet worden. "Wenn Sie an Corona erkrankt sind, verändert das die Art, wie sie Geräusche erzeugen. Auch wenn sie keine Symptome haben", erklärte Brian Subirana, einer der beteiligten Forscher an einer entsprechenden Studie, gegenüber der BBC.

Die MIT-Forscher hatten bereits im April und Mai mehr als 5000 Hustenaufnahmen von Corona-Infizierten über eine Website gesammelt und Anfang November eine Studie über die Wirksamkeit ihres Verfahrens vorgestellt. Zur weiteren Verbesserung des Verfahrens arbeiten die MIT-Forscher auch mit dem mailändischen Krankenhaus "Luigi Sacco" und dem spanischen "Catalan Health Institut" zusammen, um darüber weitere Daten zu sammeln.

Risiko der Corona-Übertragung durch Kinder geringer als angenommen

Da COVID-19-Erkrankungen bei Kindern meist ohne oder nur mit schwachen Symptomen abläuft, vermuteten Experten lange, dass sich das Coronavirus an Schulen und in Kitas unbemerkt verbreitet. Eine Datenauswertung von Kinderärzten hat diese Annahme nun widerlegt. (Teaserbild: Sean Gallup/Getty Images)

Christmann: Husten-App könnte "wichtige Ergänzung sein"

"Wenn eine künstliche Intelligenz einen Corona-Husten erkennen kann, eröffnet das völlig neue Chancen für Teststrategien", sagte Christmann. Ein solches Verfahren könne die bisherigen Tests nicht ersetzen, aber "eine wichtige Ergänzung sein". Die Bundesregierung "verschlafe" es, alle Mittel zu prüfen, "die uns mildere Einschränkungen im sozialen Leben ermöglichen würden".

Die Grünen fordern daher die Einrichtung einer Technologie-Taskforce, die systematisch nach innovativen Methoden im Kampf gegen COVID-19 Ausschau halten soll.  © DER SPIEGEL