Schon jetzt hat Mexiko die viertmeisten Todesfälle in der Corona-Pandemie zu verzeichnen. Obwohl die Neuinfektionen weiterhin rasant ansteigen, lockert das Land die ohnehin schon nicht allzu strengen Anti-Corona-Maßnahmen. Und Mexikos Präsident Lopez stellt öffentlich die Wirksamkeit von Masken infrage.

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Das deutsche Auswärtige Amt warnt mit eindringlichen Worten vor einer Reise nach Mexiko. Die Infektionslage sei im gesamten Land weiterhin kritisch, heißt es auf der Webseite. "Die Entwicklung der Gesundheitslage ist nur schwer vorherzusagen, die Zahl der Infizierten und Todesopfer durch COVID-19 steigt weiterhin stetig an."

Die mexikanischen Gesundheitseinrichtungen seien durch COVID-19 stark in Anspruch genommen, "sodass auch für eine adäquate Notfallbehandlung mit Einschränkungen gerechnet werden muss".

Der Tenor: Wenn Sie nicht nach Mexiko müssen, bleiben Sie am besten weg. Das Nachbarland der USA könnte in eine große Katastrophe steuern.

Mexiko verzeichnet viertmeiste Todesfälle weltweit

Mexiko liegt laut Johns Hopkins University inzwischen auf Platz sechs, wenn es um die bestätigten Corona-Fälle der einzelnen Länder geht. Das Gesundheitsministerium verzeichnete nach Zahlen vom Freitag (Ortszeit) 7.573 neue Infektionen mit dem Coronavirus innerhalb von 24 Stunden.

Die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 378.285, womit Mexiko Peru überholte - das südamerikanische Land liegt nach offiziellen Zahlen vom Freitag bei 375.961 Infizierten. Zudem hat Mexiko mit 42.645 Toten weltweit die viertmeisten Todesfälle registriert - nur in den USA, Brasilien und Großbritannien waren es bisher mehr.

Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen, da Mexiko im Vergleich zu anderen Ländern kaum auf das Coronavirus testet. Nach Zahlen von Forschern der englischen Oxford-Universität wird im Vergleich beispielsweise in Deutschland zehnmal häufiger getestet. Während hierzulande im Schnitt täglich etwa neun Menschen pro 10.000 Einwohner getestet wurden, waren es in Mexiko gerade mal 0,9, also statistisch nicht mal eine Person. In den USA waren es sogar 23 Menschen pro 10.000 Einwohner (Zahlen für den 19. Juli 2020)*.

Obwohl - oder weil - Mexiko so wenig testet, steigen die Zahlen weiter rasant und die Parallelen zu den Ländern, in denen das Virus ähnlich verheerend wütet, sind eklatant.

López Obrador nimmt Corona nicht ernst

Wie Jair Bolsonaro in Brasilien scheint auch Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador die Lungenkrankheit COVID-19 nicht besonders ernst zu nehmen. Immer wieder behauptet er, sein Land habe das Coronavirus bereits gebändigt.

Tests hält er kaum für nötig. Erst vor wenigen Wochen ließ er selbst sich zum ersten Mal testen - für einen Staatsbesuch in Washington. Wie US-Präsident Donald Trump lange Zeit sieht man auch ihn eigentlich nie mit Mundschutz. In seiner täglichen Pressekonferenz darauf angesprochen, sagte López Obrador am Freitag, die Nützlichkeit von Masken sei nicht wissenschaftlich erwiesen.

Sein erklärtes Ziel ist derzeit vor allem das Hochfahren der arg geschwächten Wirtschaft. Schon Anfang Juli tat López Obrador einfach so, als hätte sein Land die Pandemie längst hinter sich gelassen.

Ein Ampelsystem soll beim Eindämmen von entstehenden Infektionsherden helfen. Die Zeichen stehen jedoch in vielen Städten und Regionen auf einer Öffnung. Wie "spiegel.de" schreibt, füllen sich beispielsweise in Mexiko-Stadt die Straßen wieder.

Präsident will keine Konjunkturpakete

"Die neue Normalität ist für unsere Volkswirtschaft und das Wohlergehen unserer Bevölkerung wichtig", betont der Präsident und weigert sich, zeitgleich Konjunkturpakete zu schnüren oder Steuererleichterungen durchzusetzen, wie es viele andere Länder längst getan haben

Die Überzeugung des Präsidenten laut "handelsblatt.de": Derartige Pakete kämen vor allem den großen Firmen zugute, die diese Erleichterungen gar nicht nötig hätten.

"Wenn die Regierung dem privaten Sektor nicht hilft, wird das Bruttoinlandsprodukt sicher um zehn Prozent fallen", warnt Carlos Urzúa, der erste Finanzminister unter López Obrador im "Handelsblatt". "Der Präsident hat nicht die leiseste Idee von dem Sturm, der Mexiko droht."

Und dieser Sturm droht nicht nur der mexikanischen Wirtschaft, sondern auch dem Gesundheitssystem - das legen zumindest die Neuinfektionen nahe.

*In einer früheren Version dieses Artikels wurde berichtet, dass in Deutschland täglich 88,55 Tests pro 1.000 Einwohner durchgeführt würden. Dabei ist das Komma um zwei Stellen nach rechts verrutscht. Richtig sind 0,85 Tests pro 1.000 Einwohner.

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • "handelsblatt.de": COVID-19 und ein erratischer Präsident reißen die mexikanische Wirtschaft tief in die Krise
  • Auswärtiges Amt: Mexiko: Reise- und Sicherheitshinweise
  • "spiegel.de": "Diese Stadt ist einfach ein Monster"

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