Am Montag wurden 4.135 Neuinfektionen gemeldet. Aktuell benötigen 336 Patienten eine intensivmedizinische Betreuung. Das Gesundheitssystem könnte an seine Grenzen stoßen. Infektiologe Kollaritsch appelliert an die Bevölkerung.

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In den heimischen Spitälern wird es angesichts sich weiters rasant ausbreitender Infektionen mit dem Coronavirus eng. Seit vergangenem Montag ist ein Anstieg um 62 Prozent bei den COVID-19-Patienten in den Spitälern zu verzeichnen.

Auf den Intensivstationen machte das Plus sogar 78 Prozent aus, teilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) mit. Neu gemeldet wurden am Montag 4.135 Infektionen. 336 Patienten bedürfen derzeit intensivmedizinischer Betreuung.

Gesundheitssystem könnte an Kapazitätsgrenzen stoßen

Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte es im intensivmedizinischen Bereich kritisch werden, warnte Anschober mit Nachdruck. Sollte das nicht gelingen, "steuern wir auf eine erhebliche Krisensituation zu", meinte er. Man müsse "alles tun, um die Trendwende ab Mitte November zu erreichen". Er gehe davon aus, "dass die Zahlen (was die Neuinfektionen betrifft, Anm.) in dieser Woche deutlich steigen werden."

Ohne wirksame Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ist das heimische Gesundheitssystem in Gefahr. Davor warnte auch Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GesmbH.

Sollten die Neuinfektionen und die effektive Reproduktionszahl nicht gedrückt und das Infektionsgeschehen nicht eingebremst werden, "wird unser Gesundheitssystem relativ rasch an seine Kapazitätsgrenzen stoßen", sagte Ostermann.

Sozialkontakte müssen weiter drastisch eingeschränkt werden

Der Infektiologe Herwig Kollaritsch, der auch der Corona-Taskforce von Anschober angehört, appellierte an die Bevölkerung, die Sozialkontakte "drastisch einzuschränken".

In der nunmehrigen epidemiologischen Lage gehe es darum, die effektive Reproduktionszahl - sie liegt aktuell bei 1,4, das heißt ein Infizierter steckt unter den aktuellen Bedingungen im Durchschnitt 1,4 Personen an - deutlich zu senken.

Von einem Impfstoff könne man sich keine Wunderdinge erwarten, dämpfte Kollaritsch die Hoffnung, ein solcher könnte die Pandemie zügig beenden. Nur mit einem transmissionsblockierenden Impfstoff, mit dem die Bevölkerung breit durchgeimpft wird, sei Herdenimmunität zu erreichen.

Kollaritsch rechnet mit Impfstoff im ersten Quartal 2021

Er rechnet damit, dass es im ersten Quartal 2021 einen oder mehrere Impfstoffe mit unterschiedlichen Baustrukturen und Eigenschaften geben wird, die gezielt eingesetzt werden können. Nicht für jedermann sei damit Impfschutz zu erzielen. "Wir sind schon glücklich, wenn wir damit 70 Prozent der Bevölkerung erreichen", meinte Kollaritsch.

Wichtig sei es daher, "auf Monate, vielleicht viele Monate" die Schutzmaßnahmen - das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, das Beachten des Mindestabstands zum Nächsten und das Reduzieren von Sozialkontakten - beizubehalten. Das sei so lange ein Muss, "bis wir sagen können: Brand aus", betonte der Infektiologe.  © APA

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