• Länder wie Frankreich oder Griechenland verpflichten einige Bürgerinnen und Bürger, etwa Pflegepersonal, zu Corona-Impfungen.
  • Gleichzeitig gibt es Einschränkungen für Ungeimpfte.
  • Könnte es auch in der Schweiz bald eine Impfpflicht geben? Darüber wird nun diskutiert.

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Eine Impfpflicht nach dem Vorbild Frankreichs? Darüber diskutieren Experten in der Schweiz. Die Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf fasst zusammen, dass es sich dabei um "ein schwieriges Thema" handle. Bei Twitter schreibt die Expertin: "Wer sich beruflich um andere Menschen kümmert, der darf keine Gesundheitsgefahr darstellen. Betreuer von Kindern und auch Personal im Gesundheitsbereich sollten geimpft sein." Einschränkungen zum Schutz anderer hätte es auch schon vor COVID-19 gegeben, argumentiert sie, "[w]er eine akute Hepatitis A hat oder Salmonellen-Dauerausscheider ist, darf z.B. nicht in der Gastronomie arbeiten".

So ähnlich sieht das auch der Infektiologe Andreas Widmer. "20min.ch" sagt er: "Die Impfung ist die einzige Möglichkeit, um diese Pandemie erfolgreich zu bekämpfen. Das muss Ungeimpften klar werden." Er plädiert für eine Impfpflicht für Spitalpersonal, das mit besonders vulnerablen Patienten arbeitet, und Personal in Pflegeheimen. "Infiziertes Personal" sei "die häufigste Quelle der Ansteckung und die Todesrate durch Covid ist in dieser Altersgruppe extrem hoch", begründet er.

Dominique de Quervain, Neurowissenschaftler und Ex-Taskforce-Mitglied, pflichtet ihm bei. "Wer ins Spital muss, hat Anrecht auf den bestmöglichen Schutz. Dieser besteht nur, wenn das Gesundheitspersonal geimpft ist", sagt sie "20min.ch".

Schweizer Verband für Pflegekräfte empfiehlt Impfung – ist aber gegen eine Pflicht

Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) empfiehlt zwar eine Impfung, ist jedoch gegen eine Pflicht. Roswitha Koch, Leiterin Bereich Pflegeentwicklung, erklärt: "Wenn es eine Impfpflicht gäbe, müsste diese für die ganze Bevölkerung gelten." Weiter warnt sie: "Würden Ungeimpfte entlassen, drohe ein Versorgungsengpass in der Pflege."

Diese Befürchtung äußert auch der Gesundheitsexperte Erwin Carigiet. Dem Nachrichtenportal sagt er, dass er eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal in der Schweiz bisher für unrealistisch halte. "Viele Pflegende würden zum Beispiel ihren Beruf aufgeben", vermutet er. "Zwingende Impfungen akzeptiert die Gesellschaft erst, wenn die Entwicklung der epidemiologischen Lage den negativen Szenarien der Wissenschaft entspricht oder diese übertrifft."

Frankreich: Ansturm auf Impftermine nach Macrons Rede

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Anfang der Woche eine Impfpflicht für das Pflegepersonal angekündigt. Pflegerinnen und Pfleger müssen sich bis Mitte September impfen lassen, tun sie dies nicht, können sie entlassen werden. Macron kündigte in seiner Rede am Montagabend (12. Juni) Kontrollen an. Zudem soll es in Frankreich Einschränkungen für Menschen geben, die nicht gegen COVID-19 geimpft sind. Sie müssen für viele Aktivitäten dann ab einer Inzidenz von 50 einen Negativ-Test vorlegen, etwa bei Besuchen in Restaurants, Einkaufszentren oder Fernzügen.

Rund 20 Millionen Franzosen verfolgten die Ansprache des Präsidenten. Das Ergebnis: Fast eine Million Bürgerinnen und Bürger meldeten sich noch am selben Abend für eine Impfung an. Ganze 7,5 Mal sei die Impf-Webseite Doctolib während Macrons Rede besucht worden, berichtete der Mitbegründer der Seite, Stanislas Niox-Chateau. Vor allem unter 35-Jährige hätten nach der Ankündigung einen Termin für ihre COVID-19-Impfung beantragt.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

Biontech: Auffrischungs-Impfung wahrscheinlich erforderlich

Auf Basis bisher vorliegenden Daten sei es wahrscheinlich, dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein werde. Das teilten die Impfstoffhersteller Pfizer und Biontech mit.