Das Jahr 2017 bot viel Stoff für Aufreger im Netz. Viele Promis nutzten die Reichweite des World Wide Web, um ihre Meinung über Themen zu sagen, die nicht totgeschwiegen werden sollten.

#metoo

Es ist wohl DER Promi-Skandal des Jahres: Der Filmmogul Harvey Weinstein soll zahlreiche Frauen sexuell belästigt und unterdrückt haben. Nach dem sich immer mehr Frauen zu Wort meldeten und offenbarten, ebenfalls zu seinen Opfern zu gehören, nahm das Thema ungeahnte Ausmaße an. Viele Frauen und auch Männer äußerten sich, schon sexuell missbraucht worden zu sein. Auch weitere Hollywoodstars wurden von Künstlerinnen an den Pranger gestellt. Doch der Weinstein-Skandal reicht über Hollywood hinaus – sexuelle Belästigung gibt es überall. Das wollte Schauspielerin Alyssa Milano deutlich machen und startete eine Twitter-Kampagne: Wer schon einmal mit sexueller Belästigung in Kontakt gekommen ist, soll den Hashtag #metoo (deutsch: ich auch) twittern. Die Idee hatte sie von der Aktivistin Tarana Burke, die den Hashtag bereits 2006 ins Leben gerufen hatte.

Nach Las Vegas: Jimmy Kimmels emotionale Wutrede

US-Moderator Jimmy Kimmel hat in seiner Late-Night-Show an die Waffenlobby und die US-Politik appelliert. © Dep News

"Wenn alle Frauen, die schon sexuell belästigt oder missbraucht wurden ‚me too‘ als Status schreiben, können wir den Menschen vielleicht ansatzweise die Ausmaße dieses Problems aufzeigen", erklärte die Schauspielerin.

Und ihr Hashtag schlug Wellen: Mehrere Millionen Frauen haben den Hashtag verwendet, darunter auch zahlreiche Promis wie Lady Gaga, Reese Witherspoon oder Patricia Arquette, die Posts veröffentlichten mit #metoo – sechs kleinen Zeichen, die der Welt die Augen öffnen sollten.

Jimmy Kimmels emotionale Wutrede

Im Herbst 2017 versetzte das Massaker auf einem Musikfestival in Las Vegas die Welt in Angst und Schrecken. Während nun immer mehr Amerikaner strengere Waffengesetze für die USA fordern, hält US-Präsident Donald Trump diese Debatte für "verfrüht". Der Entertainer und US-Moderator Jimmy Kimmel nutzte seine Reichweite und Beliebtheit, um vielen besorgten Bürgern aus der Seele zu sprechen.

In seiner Late-Night-Show "Jimmy Kimmel Live" trat er mit tränengefüllten Augen vor die Kameras und sprach über den schrecklichen Vorfall: "All diese zerstörten Familien, die nun für immer mit diesem Schmerz leben müssen. Nur weil eine Person mit einer gewalttätigen, wahnsinnigen Stimme im Kopf automatische Waffen kaufen konnte und diese dazu verwendet hat, um auf Menschen zu schießen." Nach dem Massaker habe er oft gelesen, wie furchtbar das sei, man aber nichts dagegen machen könne. Das sieht der Moderator anders: "Natürlich können wir etwas dagegen tun. Wir können vieles dagegen tun. Aber das tun wir nicht. Interessant, denn wenn uns jemand mit einem Bart angreift, dann überwachen wir Telefone, wir erlassen Reisesperren und ergreifen alle möglichen Vorkehrungen, damit das nicht wieder passiert. Aber wenn ein Amerikaner eine Waffe kauft und andere Amerikaner umbringt, dann können wir nichts dagegen tun. Das liegt wohl an unserem zweiten Verfassungszusatz. Unsere Vorväter wollten offenbar, dass wir alle eine AK47 besitzen. […] Diese Waffen nutzt man nicht zur Selbstverteidigung, diese Waffen sind dafür gemacht, so viele Menschen wie möglich in möglichst kurzer Zeit zu killen."

Später kritisierte Kimmel die Politiker und die National Rifle Association (NRA), Amerikas größte Interessensgruppe für Schusswaffen, die sich gegen strengere Waffengesetze stellt.

Ein mutiges Statement gegen die lockeren Waffengesetze der USA, mit dem er sicher einigen Amerikanern aus der Seele spricht.

Wenn ein Satire-Text eine Hetzkampagne auslöst

Nicht jeder erkennt Satire. Das musste nun auch Autorin Stefanie Sargnagel einsehen. Die Österreicherin hatte für die Zeitung "Der Standard" ein überspitzt satirisches Reisetagebuch über einen Trip nach Marokko verfasst – den sie dafür finanziell bezuschusst bekam. Doch obwohl man gleich erkennt, dass ihre Erzählungen kaum Realität sein können, nahm sie die "Kronen-Zeitung" beim Wort – und eröffnete eine Hetzkampagne.

Um welche Passage handelt es sich? Ein Beispiel: "Lydia ist die einzige Vegetarierin der Gruppe, aber im Unterschied zu den anderen VegetarierInnen, die ich kenne, ist sie es nicht, weil sie Tiere liebt, sondern weil sie Tiere zutiefst hasst. Heute hat sie eine Babykatze zur Seite getreten mit der Behauptung, sie habe Tollwut, danach biss sie selbstzufrieden in einen vegetarische Crêpe." Außerdem spricht sie von Nafris, Haschisch und Kamelen, spielt mit den Klischees des Landes.

Die "Kronen-Zeitung" verstand den Text wörtlich und veröffentlichte pünktlich zum Weltfrauentag einen hetzerischen Kommentar über Sargnagel mit der Überschrift "Saufen und Kiffen auf Kosten der Steuerzahler", in der sich der Chefredakteur der Zeitung ausließ: "Mit 1.500 Euro durften wir Steuerzahler also das zehntägige Besäufnis, das Haschen, das Katzentreten sowie eine Muezzin-Schmuserei dieser Literatur-Ausflüglerinnen subventionieren."

Und der Artikel stieß besonders bei FPÖ-Anhängern auf Zuspruch, viele Leser riefen zu Gewalt gegen Sargnagel auf. Doch die ließ sich von den Hatern nicht beirren und drehte die Satire weiter, als sie einen Status mit neuen ironischen Geschichten aus Marokko veröffentlichte:

Ob das der Grund war, warum ihr Facebook-Profil kurz danach für einige Stunden offline war, bleibt unklar. Einschüchtern lässt sich die Autorin jedenfalls nicht.

Dunja Hayali auf Augenhöhe mit den Hatern

Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali will verstanden werden – und darum ließ sie sich im Sommer 2017 kurzerhand auf das Sprach-Niveau eines Haters herunter. Die im Ruhrgebiet Geborene (mit irakischer Abstammung) wird immer wieder mit rassistischen Kommentaren konfrontiert, die sie nicht auf sich sitzen lassen will. Aber von vorne:

Ein Nutzer hatte die Moderatorin via Facebook als Nutte beschimpft, er unterstellte ihr Hass auf Türken und fragte „ob das eigentlich Demokratie ist, wenn du (Hayali; Anm. d. Red.) einfach leute blockierst und ihre kommentare löscht."

Hayali wählte als Antwort ihre Version von „Klartext“: Sie nannte den Nutzer einen „endgeilen Ficker“ und fragte ihn, „warum er so ein hass auf deutsche“ habe. Außerdem kopierte sie seinen Stil weiter: "ist Das eigentlich Demokratie wenn du einfach leute anscheißt im netz und ihre timeline vollkotzt?"

13.000 Nutzer reagierten auf den Kommentar, die Mehrheit positiv. Eines ist sicher – ob gelungen oder nicht – mit ihrer unerwarteten Reaktion hat sie einmal mehr der Öffentlichkeit gezeigt, dass rassistische Kommentare im Netz keine Seltenheit sind.

Der Post ist übrigens mittlerweile aus dem Netz verschwunden …

Attila Hildmann holt gegen Vegan-Hater aus

Kaum ein "Schlag den Star"-Match spaltete so sehr die Fangemeinde wie eine Folge im April 2017. Die Konkurrenten: Attila Hildmann, Deutschlands wohl bekanntester und fittester Veganer und Comedian Luke Mockridge. Zum Schluss konnte der Sportler aus Berlin die Show für sich entscheiden und gewann 100.000 Euro. Doch sein Sieg gefiel nicht jedem.

Denn schon während der Show hatte sich Hildmann immer wieder arrogant und "obercool" dargestellt – Eigenschaften, die besonders den Sympathisanten von Strahlemann Luke Mockridge nicht gefallen dürften – der Shitstorm nahm seinen Lauf, Veganer-Witze inklusive…

Doch Hildmann zeigt sich auch nach dem Spiel schlagfertig und holt via Facebook aus:

Ob die Hater also wirklich seine Art unsympathisch fanden oder doch insgeheim erstaunt waren, wie fit ein Veganer sein kann, auch ohne Tierprodukte? Eines ist sicher – gewinnen will gelernt sein.  © spot on news