"Eine schreckliche Tragödie": US-Präsident Barack Obama zeigt sich von dem Flugzeugabsturz von Flug MH17 in der Ukraine geschockt. Weltweit löste das Unglück tiefe Bestürzung aus. Offenbar soll die Maschine von prorussischen Rebellen abgeschossen worden sein. 298 Menschen befanden sich an Bord des Flugzeugs, darunter vier Deutsche und 80 Kinder. Die ersten Reaktionen im Überblick.

"Es sieht aus, als gebe es eine schreckliche Tragödie an der ukrainischen Grenze", sagte US-Präsident Barack Obama bei einer Rede am Donnerstag. Kurz zuvor war in der Krisenregion der Ukraine eine Boeing 777 der Malaysia Airlines mit knapp 300 Menschen an Bord abgestürzt. Die Staatsregierung in Kiew und prorussische Rebellen werfen sich gegenseitig vor, die Maschine gezielt abgeschossen zu haben. Obama sagte "jegliche Unterstützung" zu, um den Fall schnellstmöglich aufzuklären.

Unter den Opfern befinden sich offenbar auch vier Deutsche. Auf ihrer Geburtstagsfeier sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel von "beunruhigenden Nachrichten aus der Ukraine." Geschockt äußerte sich auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Interview mit "Spiegel online": "Ich bin entsetzt über die Nachrichten aus dem Osten der Ukraine. Dass Hunderte völlig Unbeteiligte auf diese furchtbare Weise ums Leben kommen, versagt einem die Sprache." Die Bundesregierung erwarte schnellstens eine Aufklärung des Vorfalls, eine "unabhängige, internationale Untersuchung" müsse sofort anlaufen, so Steinmeier weiter.

Nach bisherigen Informationen waren unter den Passagieren auch 154 Niederländer. Die niederländische Königsfamilie drückte den Angehörigen ihr Mitgefühl aus: "Wir fühlen sehr mit Angehörigen, Freunden, Kollegen und Bekannten der Opfer und mit all denjenigen, die noch im Ungewissen sind, ob ihre Nächsten an Bord der Maschine waren", sagte König Willem-Alexander.

War es ein Terroranschlag?

Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew, vermutet einen terroristischen Akt. "Das ist eine Tragödie dramatischen Ausmaßes, die die ganze Welt betrifft", sagte er der "Bild-Zeitung". Die Nationen müssten jetzt einsehen, "dass es sich hier um einen Krieg handelt und Russland mit hochmodernen Waffen und ausgebildeten Kämpfern in den Krieg eingreift." Russlands Präsident Wladimir Putin müsse zur Verantwortung gezogen werden, sagte Klitschko weiter.

Von einem Terrorakt sprach auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko. Er sieht die Verantwortung für das Unglück bei den prorussischen Separatisten. "Es war kein Unfall, keine Katastrophe, sondern ein terroristischer Akt." Die Rebellen werfen hingegen den ukrainischen Streitkräften vor, das Flugzeug abgeschossen zu haben.

Eine Pressesprecherin der Republik Lugansk, Oksana Tschigina, beteuert, weder die Donezk-Republik noch die Lugansk-Republik besäßen Buk-Raketen, mit denen die Boeing 777 abgeschossen worden sein soll. "Wenn wir sie hätten, wäre kein einziges ukrainisches Flugzeug durchgeflogen", zitiert der "Berliner Kurier" die Sprecherin unter Berufung auf die russische Zeitung "Novaja Gazeta"

Droht eine Eskalation der Lage?

Wladimir Putin selbst sieht laut "Welt" keinen Zweifel, "dass das Land, auf dessen Staatsgebiet diese schreckliche Tragödie geschehen ist, die Verantwortung trägt. Diese Tragödie hätte es nie gegeben, wenn es Frieden in diesem Land gäbe und die Militäreinsätze im Südosten der Ukraine nicht wieder aufgenommen worden wären."

Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich in einer Pressemitteilung der Bundesregierung folgendermaßen zu dem möglichen Terrorakt: "Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so stellt sie eine weitere, tragische Eskalation des Konfliktes im Osten der Ukraine dar."

(lep/frei)