Daniel Prude wurde im US-Bundesstaat New York von mehreren Polizisten festgenommen. Nun zeigen Videos: Ihm wurde eine Spuckhaube übergezogen, bevor er erstickte. Die Gerichtsmedizin sieht ein Tötungsdelikt.

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In den USA ist das Video eines Polizeieinsatzes veröffentlicht worden, bei dem ein Mann festgenommen wurde, der später starb. Die Bilder zeigen, wie ein Polizist Daniel Prude eine Spuckhaube anlegt. Kurze Zeit später bewegt sich Prude nicht mehr. Die Obduktion ergab Ersticken als Todesursache, wie unter anderem die "New York Times" berichtet.

Zu dem Einsatz war es bereits im März gekommen. Doch erst jetzt bekommt der Fall eine größere Aufmerksamkeit: Die Hinterbliebenen haben ein Video des Geschehens veröffentlicht. Die Bilder stammen aus der Bodycam der Polizisten.

Am 23. März wählte Prudes Bruder Joe in der Stadt Rochester den Notruf, da Daniel Prude das Haus verlassen und psychische Probleme habe. Prude soll lediglich mit einer Unterhose bekleidet nach draußen gegangen sein; als er auf die Polizei traf, war er laut "NY Times" nackt.

Das Video zeigt, wie Prude sich auf den Boden legt und Handschellen anlegen lässt. Nach drei Minuten zieht ihm einer der Polizisten eine Spuckhaube über. Der Einsatz fand statt, nachdem die Corona-Pandemie New York erreicht hatte.

Einer der beteiligten Polizisten gab später zu Protokoll, Prude habe permanent versucht, die Polizisten anzuspucken, man habe die Haube aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus eingesetzt.

Die Haube scheint Prude aggressiv zu machen, wie die Videos zeigen. Er schreit: "Gib mir die Waffe" und versucht, die Polizisten anzuspucken. Kurz darauf ruft er, man solle ihm das verdammte Ding vom Kopf nehmen.

Prude wird zu Boden gebracht. Ein Polizist drückt Prudes Kopf mit beiden Händen nach unten, ein zweiter drückt sein Knie auf den Rücken des Festgenommenen. Nach zwei Minuten hört Prude auf, sich zu bewegen. Einer der Polizisten fragt, ob er sich übergeben habe.

Hauben sind umstritten

Die Gerichtsmedizin geht von einem Tötungsdelikt aus. Prude starb demnach an "Erstickungs-Komplikationen" in einem Zustand "körperlicher Fixierung". Sein wahnhafter Zustand und der Konsum der Droge PCP hätten ebenfalls zu seinem Tod beigetragen. Am 30. März wurde Prude für tot erklärt, nachdem man alle lebenserhaltenden Maßnahmen beendet hatte.

Bei einer Pressekonferenz sagt der Bruder des Toten, Prude sei nackt und wehrlos gewesen. "Wie viele weitere Brüder müssen sterben, bis die Gesellschaft versteht, dass das aufhören muss?" In den USA gibt es seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis Ende Mai in vielen Städten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Generalstaatsanwältin Letitia James übernahm im April die Ermittlungen in dem Fall. Nach New Yorker Recht werden Todesfälle von unbewaffneten Personen in Polizeigewahrsam oft dem Büro des Generalstaatsanwalts übergeben, anstatt von örtlichen Beamten bearbeitet zu werden. Die betreffenden Polizisten sind weiter im Dienst.

Der Einsatz von Spuckhauben ist umstritten. Sie wurden laut "New York Times" in mehreren Fällen eingesetzt, bei denen Menschen in Polizeigewahrsam gestorben waren.  © DER SPIEGEL

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