Greta Thunberg: In einem Jahr vom Nobody zur Klimaschutz-Ikone

Am 20. August 2018 hat Greta Thunberg das erste Mal für mehr Klimaschutz gestreikt. In der Zwischenzeit ist aus dem schwedischen Mädchen eine weltbekannte Ikone geworden, aus einer einsamen Aktion die globale Bewegung "Fridays for Future". Ein Rückblick auf ein filmreifes Jahr.

An dem Tag fing für sie das neue Schuljahr an, neunte Klasse, das letzte Jahr vor dem Wechsel aufs Gymnasium. Ihren Namen kannte damals kaum jemand: Greta Thunberg.
"Ich habe mir damals gedacht, dass ich etwas tun muss", erzählt Thunberg rückblickend. Vor dem Parlament seien die Leute einfach so an ihr vorbeigegangen, ohne ihr Beachtung zu schenken. "Das war ein hoffnungsloses und einsames Gefühl. Aber auch ein ziemlich hoffnungsvolles, dass ich etwas mache."
Nach kurzer Zeit entschloss sich die Schülerin, die Aktion immer freitags abzuhalten. Mit regelmäßigen Einträgen auf Twitter, Facebook und Instagram begeisterte sie Schüler in verschiedenen Ländern dafür, ihrem Beispiel zu folgen.
Binnen eines Vierteljahres war Greta Thunberg derart bekannt, dass sie im Dezember bei der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz sprechen durfte. "Unsere Biosphäre wird geopfert, damit reiche Menschen in Ländern wie meinem in Luxus leben können", schimpfte sie vor großem Publikum.
Ende Januar redete sie der internationalen Wirtschaftselite beim Weltwirtschaftsforum in Davon ins Gewissen. "Unser Haus brennt."
Es folgten Auftritte vor dem Umweltausschuss des EU-Parlaments, der französischen Nationalversammlung oder dem britischen Unterhaus.
Außerdem traf die junge Schwedin prominente Persönlichkeiten wie Papst Franziskus, ...
... den Schauspieler und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, UN-Generalsekretär António Guterres und den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama.
Heute ist Greta Thunberg auf der ganzen Welt berühmt und ein Vorbild für viele ihrer Generation.
In rund 100 Ländern gehen jeden Freitag Schüler und Studenten auf die Straße, um von ihren Regierungen einen beherzteren Klimaschutz zu fordern. Selbst nach Afrika, Südamerika und Indien ist die "Fridays for Future"-Welle geschwappt. Hier ein Mädchen in Mumbai.
In Deutschland ist die Bewegung schnell und besonders stark gewachsen. Schon im Dezember gab es in Berlin, Hamburg, München und Köln - dem Wetter zum Trotz - größere Proteste. Seither skandieren in deutschen Städten jeden Freitag Schüler: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut."
An einer "Fridays for Future"-Demonstration in Aachen nahem im Juni Schätzungen der Organisatoren zufolge gar zwischen 30.000 und 40.000 Menschen teil.
Was sie in Deutschland angestoßen hat, sah Greta Thunberg im Juli, als sie zu einer Kundgebung im Berliner Invalidenpark kam.
Mitte August hat sie außerdem den Hambacher Forst besucht, wo Umweltschützer seit Jahren vehement gegen den Braunkohleabbau protestieren.
Für ihr Engagement wurde Greta in Deutschland nicht nur mit zahlreichen Faschingswagen gewürdigt, ...
... , sondern auch mit der"Goldenen Kamera". Im März bekam sie den Sonderpreis für Klimaschutz. "Wir stehen jetzt an einem Scheideweg unserer Geschichte", sagte die 16-Jährige bei der Verleihung in Berlin. Sie rief Prominente auf, ihre Stimme zu erheben, da sie Einfluss auf Milliarden Menschen weltweit hätten.
Doch all die Aufmerksamkeit hat auch Schattenseiten. Immer wieder diskreditieren Menschen die heute 16-Jährige, weil sie das Asberger-Syndrom hat. "Wenn ich 'normal' und sozial wäre, hätte ich mich einer Organisation angeschlossen, oder hätte selbst eine gegründet. Aber weil ich nun mal nicht so gut im sozialisieren bin, habe ich es so gemacht", entgegnete Thunberg einmal.
Manche sehen in ihr außerdem ein naives Mädchen, das sich von PR-Profis vor den Karren spannen lässt, ohne handfeste Ergebnisse zu erzielen.
Ein gefundenes Fressen für ihre Kritiker war die Meldung, Thunbergs Segel-Trip über den Atlantik zum UN-Klimagipfel in New York sei gar nicht so klimafreundlich wie angepriesen. Tatsächlich müssen zwei Segler in die USA fliegen, um das Boot zurückzubringen.
Hartnäckig, wie wir Greta Thunberg kennengelernt haben, werden Kritik und Anfeindungen sie aber nicht von ihrem Engagement abbringen, zumal sie ja auch viel positive Rückmeldung erfährt. Bald könnte ihr sogar eine riesige Ehre zuteil werden: Sie gilt als Favoritin für den Friedensnobelpreis.