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Spätestens seit der Netflix-Serie "Inventing Anna" ist die deutsche Hochstaplerin Anna Sorokin weltbekannt. Nach SPIEGEL-Informationen wird sie kommende Woche aus den USA in ihre Heimat abgeschoben.

Die weltweit bekannte Hochstaplerin Anna Sorokin wird kommende Woche nach Deutschland abgeschoben. Nach SPIEGEL-Informationen plant die US-Einwanderungsbehörde ICE, die 31-jährige Deutsche mit einem Linienflug von New York nach Deutschland zu bringen. Bei der Reise in ihre alte Heimat soll die in den USA wegen Betrug verurteilte Sorokin bis zur Landung von US-Beamten begleitet werden.

Sorokin hatte bis zuletzt versucht, eine Abschiebung durch ein Asyl-Gesuch in den USA zu verhindern. Da sie letztlich vor Gericht scheiterte, wollen die US-Behörden die in Russland geborene Deutsche nun in ihre Heimat abschieben. In Deutschland kann die Hochstaplerin, die durch die erfolgreiche Netflix-Serie "Inventing Anna" weltberühmt wurde, vermutlich ein unbeschwertes Leben führen, da sie in den USA wegen Betrugs eine mehrjährige Haftstrafe abgesessen hat und in Deutschland keine Vorwürfe gegen sie vorliegen.

Die geradezu bizarre Geschichte von Sorokin wird in der Netflix-Serie "Inventing Anna" detailliert nachgezeichnet: Geboren wurde Sorokin im Januar 1991 als Tochter eines russischen Lastwagenfahrers in Domodedowo nahe Moskau. 2007 dann zog die Familie mit der damals 16 Jahre alten Sorokin nach Deutschland. Anna Sorokin absolvierte in den Jahren darauf ihr Abitur und ging danach für verschiedene kleine Jobs nach London und Paris.

Aus Anna Sorokin wurde die Millionen-Erbin Anna Delvey

2016 kam Sorokin nach New York City und arbeitete zunächst bei einem Fashion-Magazin. In der US-Metropole begann auch der große Schwindel. Sorokin begann, sich als Anna Delvey auszugeben, und erzählte, sie sei Erbin eines reichen deutschen Kunstsammlers. Mit der ausgedachten Geschichte fand Sorokin in kürzester Zeit ihren Weg in die Kreise der Reichen und Schönen. In der High Society New Yorks fragte sich offenbar niemand, ob ihre Geschichte stimmte oder nicht.

Durch geschicktes Lügen und ihr selbstbewusstes Auftreten gelang es Sorokin zwischen November 2016 und August 2017, von verschiedenen Banken Kredite in Höhe von zehntausenden US-Dollar zu erhalten. Den Banken gaukelte sie vor, einen Privatclub für schwerreiche New Yorker eröffnen zu wollen. Für die Akquise reiste sie umsonst in Privatflugzeugen und nächtigte monatelang in Luxushotels im New Yorker Stadtteil Manhattan, ohne die Rechnungen zu begleichen.

Sorokin war für ihre Betrügereien bereits im Jahr 2019 zu einer Freiheitsstrafe von vier bis zwölf Jahren verurteilt worden. Sie kam allerdings bereits im Februar 2021 auf Bewährung frei, da sie sich ihre fast zweijährige Untersuchungshaft anrechnen lassen konnte. Wenige Wochen später nahmen Agenten der Einwanderungsbehörde ICE sie fest, weil sie ihr Aufenthaltsrecht in New York verwirkt hatte.

Anna Sorokin hatte versucht, Abschiebung zu verhindern

Mit einem Asyl-Ersuchen in den USA versuchte Sorokin, die Abschiebung nach Deutschland zu verhindern. Nun aber wird sich Sorokin an ein Leben in Deutschland gewöhnen müssen. Vor ihrer Zeit in den USA hatte sie mit ihren Eltern in Eschweiler gewohnt.

Laut Medienberichten erhielt Sorokin für die Netflix-Verfilmung rund 320.000 Dollar, gab das meiste Geld aber für Anwaltskosten, Strafen und Rückerstattungen an ihre Opfer aus.

Langweilig wird Sorokin vermutlich nicht. Sie arbeitet nach eigenen Angaben schon an mehreren Projekten: einem Dokumentarfilm, einem Buch und einem Podcast.  © DER SPIEGEL

Trailer zu "Inventing Anna": Diese Betrügerin hielt die ganze New Yorker Upperclass zum Narren

Dieser Betrugsfall ist eigentlich zu verrückt, um wahr zu sein: Anna Delvey führte die gesamte New Yorker Upperclass als vermeintliche Milliardärstochter hinters Licht und ergaunerte Millionen. Nun setzt Erfolgsgarantin Shonda Rhimes ("Bridgerton") den Stoff für Netflix als Serie um. © ProSiebenSat.1