Die Entscheidung des Duisburger Landgerichts, keinen Strafprozess zum Loveparade-Unglück zu führen, hat Empörung bei den Nebenklägern ausgelöst. "Das ist ein Justizskandal, nach fünfeinhalb Jahren Ermittlungen zu so einem Ergebnis zu kommen", sagte der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter der Deutschen Presse-Agentur.

Reiter vertritt rund 100 Betroffene, darunter die Angehörigen von vier Todesopfern. Die Verletzten und die Hinterbliebenen der Toten hätten kein Verständnis für die Entscheidung des Gerichts, sagte Reiter. "Sie sind jahrelang mit der Ankündigung vertröstet worden, Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit."

Das Loveparade-Unglück mit 21 Toten bleibt womöglich ohne strafrechtliche Folgen.

Reiter sprach von einer "Bankrotterklärung der Justiz". Das Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still sei sicher zu kritisieren. Die Mängel reichten aber nicht aus, um die Anklage nicht zuzulassen. Das Gericht hatte dem Gutachten schwerwiegende Mängel, bescheinigt. Dadurch ließen sich grundsätzliche Fragen zu den Ursachen des Loveparade-Unglücks nicht beantworten.

Vater von Loveparade-Opfer: "Ich fühle mich retraumatisiert"

Ein Vater, der bei der Katastrophe seine Tochter verlor, hat sich ebenfalls bestürzt über die Entscheidung des Landgerichts gezeigt. "Ich fühle mich retraumatisiert, das wirft mich einfach wieder auf den Stand der Dinge von 2010 zurück", sagte Manfred Reißaus der dpa. "Es hat uns aufgebaut, dass wir gewartet haben als Eltern, dass mal eine Verhandlung stattfindet." Jetzt hätten er und viele andere Betroffene ihr Vertrauen in die Behörden komplett verloren.

Bei der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 war es an einer Engstelle zu einem tödlichen Gedränge gekommen. 21 Menschen starben, mehr als 650 wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. (dpa/tfr)