Durch Terroranschläge und die Flüchtlingskrise scheint sich das Gefühl von Bedrohung in der österreichischen Gesellschaft zu verstärken. Dabei hat sich ein neuer Trend entwickelt: Babysitterinnen, die zugleich Bodyguard sind - die sogenannten "Security-Nannys".

Immer mehr Aufgaben der Exekutive werden durch den Sparkurs der Regierung von privaten Sicherheitsfirmen übernommen: die Bewachung von Parkraum, Gerichtsgebäuden und Spitälern, die Kontrolle auf Flughäfen oder Ordnungsdienst bei Großevents. Diese privaten Unternehmen sind vielfach günstiger und oft auch flexibler.

Doch nicht nur der Staat setzt auf externe Hilfe. Auch Privatpersonen lassen sich von Spezialkräften begleiten. Ein ganz neuer Trend: die "Security-Nannys". Diese werden gebucht, wenn es eine ernstzunehmende Bedrohung für Kinder gibt. Es handelt sich um Personenschützerinnen, die gleichzeitig eine pädagogische Ausbildung haben.

Security-Nannys "mehr als bewaffnete Kindermädchen"

Die Kinder erfahren aber nichts davon, für sie ist die Beschützerin eine ganz normale Nanny", erklärt der Ideengeber Franz Wulz, Gründer und Geschäftsführer der Wiener Firma "Campus Security". Seit 2009 beschützt der Ex-Polizist vor allem die Eliten des Landes.

Dass die "Security-Nannys" von manchen Medien als schießwütiger, weiblicher Bodyguard dargestellt wird, ärgert Wulz: "Die 'Security-Nannys' sind mehr als nur bewaffnete Kindermädchen. Sie sind top ausgebildete Personenschützerinnen, die für die Sicherheit der Familie sorgen."

Franz Wulz ist Gründer und Geschäftsführer der Wiener Sicherheitsfirma Campus Security.

Das Einsatzbereich ist vielfältig. "Typische Situationen sind Gerichtsaufenthalte bei Scheidungsverfahren, wenn die Gefahr besteht, dass das Kind ins Ausland gebracht werden würde. Und dann haben wir Kunden, die unsere Kräfte für die Dauer eines Umzugs, weg von einem gewalttätigen Partner buchen", ergänzt Wulz. Der Preis: ab 90 Euro pro Stunde. Bei entsprechend hoher Gefahrenlage noch mehr.

"Personenschutz ist Kopfarbeit"

Überhaupt möchte er mit dem schlechten Vorurteil gegenüber privaten Sicherheitskräften aufräumen: "Im Personenschutz sind 95 Prozent der Arbeit Kopfarbeit. Man muss die Örtlichkeiten kennen, alle Wege und Routen genau vorbereiten und mögliche Gefahrenquellen schon vorab so gut es geht ausschließen. Unsere Erfolge, was die Gefahrenvermeidung betrifft, liest man natürlich nicht in den Medien." Bei der Auswahl seiner Mitarbeiter ist Wulz wählerisch. Darüber hinaus setzt er auf Ausbildungen, die gemeinsam mit Spezialeinheiten von Polizei und Bundesheer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz abgehalten werden.

Doch wer ist der typische Kunde, der ein privates Sicherheitsunternehmen beauftragt? "Die meisten unserer Kunden sind Personen öffentlichen Interesses und auf besonderen Schutz angewiesen. Sie wollen das aber nicht nach außen hin zeigen. Hier gilt es besonders diskret aufzutreten. Auch große Unternehmen heuern uns zum Schutz ihrer Vorstandsmitglieder an, wenn diese bedroht werden", erzählt Wulz.

Gesteigerte Gewaltbereitschaft durch Soziale Medien

Neben dem Schutz vor physischer Gewalt, ist in den vergangenen Jahren besonders die Online-Bedrohung gestiegen. Laut Sicherheitsexperten Wulz sind virtuelle Bedrohungen, Stalking und Mobbing meist erst der Beginn von ernsthafteren Attacken. "Wir haben mittlerweile auch eigene IT-Sicherheitsexperten auf dem Gebiet der IT-Forensik im Unternehmen. Es ist vor allem durch die sozialen Medien eine gesteigerte

Gewaltbereitschaft zu bemerken."

Mangel an weiblichen Fachkräften

Dass den Security-Firmen die Arbeit ausgehen wird, ist angesichts der aktuellen Sicherheitslage in Europa zu bezweifeln. Alleine seit Anfang dieses Jahres sei der Umsatz seines Unternehmens um 140 Prozent gestiegen.

"Wir haben großen Bedarf an neuen Sicherheitskräften", sagt Wulz, der sich vor allem über weiblichen Nachwuchs freuen würde: "Frauen sind in unserer Branche leider selten. Beim letzten Kurs war unter acht Personen nur eine Teilnehmerin dabei."