Johann Weber war über 30 Jahre lang Bischof der Diözese Graz-Seckau. In der Nacht auf Samstag ist er im Alter von 93 Jahren gestorben. Weber führte die Kirche während seiner Amtszeit durch eine schwere Krise.

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Er war zu seiner Zeit als Bischof einer der beliebtesten Kirchenmänner Österreichs: Der steirische Diözesanbischof Johann Weber ist in der Nacht auf den 23. Mai in Graz gestorben. In seine Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz fielen u.a. die Aufräumarbeiten nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Kardinal Hans Hermann Groer. In der Steiermark wirkte er noch lange als einfacher Pfarrer.

Weber wurde am 26. April 1927 in Graz-St. Veit als eines von sechs Kindern eines Gendarmerie-Inspektors geboren. Die Aktivitäten der Nazis und den Einmarsch der Deutschen in Österreich bekam er in jungen Jahren zu spüren. 1937/38 war er ins Bischöfliche Knabenseminar eingetreten, das die Nazis nach dem "Anschluss" wie viele solcher katholischer Einrichtungen umgehend schlossen.

Danach besuchte er das Akademische Gymnasium, 1943 wurde er im Alter von 16 Jahren als Luftwaffenhelfer eingesetzt, dann zur Wehrmacht eingezogen. 1945 absolvierte er die Matura und begann an der Grazer Karl-Franzens-Universität ein Studium, zuerst zwei Semester Germanistik und Geschichte, dann vier Jahre Theologie. Am 2. Juli 1950 wurde Weber zum Priester geweiht.

Bischof der Diözese Graz-Seckau

Als junger Kaplan hatte er für die katholische Kirche schwierige, weil "rote" Gebiete zu betreuen - die obersteirische Stahlstadt Kapfenberg und den weststeirischen Braunkohlen- und Eisenbahnerort Köflach. Von 1962 bis 1969 war Weber Stadtpfarrer in Graz-St. Andrä - dort agierte übrigens auch der jetzige Diözesanbischof von Innsbruck, Hermann Glettler, von 1997 bis 2017 als Seelenhirte und Künstler-Pfarrer.

Am 10. Juni 1969 ernannte Papst Paul VI. Weber - nach dem überraschenden Rücktritt von Alois Schoiswohl zu Silvester 1968 - zum 56. Bischof der Diözese Graz-Seckau. Die Weihe erfolgte am 28. September 1969 im Grazer Dom.

Weber hatte früh die Notwendigkeit erkannt - im Gefolge der 1968er und des Wandels der Gesellschaft in der Ära Bruno Kreisky - die Kirche zu öffnen, ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils, das der Wiener Erzbischof Franz König mitgeprägt hatte. Weber hatte sich immer wieder für eine stärkere Einbindung von Frauen in Kirchenfunktionen ausgesprochen und sich u. a. eine Frau als Kanzlerin - also eine Büroleiterin - im Bistum als dritthöchstes Amt nach Bischof und Generalvikar gewünscht. Mit Priestern müssen nur die Funktion des Bischofs, des Generalvikars und des Gerichtsvikars besetzt werden.

Amtszeit mit schwerer Krise in der österreichischen Kirche

In seiner Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz musste sich Weber mit einer der schwersten Krisen der österreichischen Kirche nach dem Krieg auseinandersetzen: den Anfang 1995 aufgekommenen Vorwürfen gegen den früheren Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen. Dieser war wie auch der dogmatische St. Pöltener Bischof Kurt Krenn von fortschrittlichen Kreisen in Kirche und bei Laien als deutlicher Rückschritt vom Konzil empfunden worden.

Im April 1995 übernahm Weber von Groer den Vorsitz der Bischofskonferenz. In einer gemeinsamen Erklärung der Bischöfe Weber, Christoph Schönborn, Georg Eder und Egon Kapellari wurde Ende Februar 1998 bekanntgegeben, dass sie zur "moralischen Gewissheit" gelangt seien, dass die Vorwürfe gegen Groer "im Wesentlichen" zuträfen.

In Webers Amtszeit fielen aber auch das Kirchenvolksbegehren und als dessen Folge der Beginn des "Dialogs für Österreich". Weber stellte 1970 erstmals einen Laientheologen als Pastoralassistenten an, richtete im selben Jahr einen Diözesanrat ein.

1971 wurden erstmals Ordensfrauen in einer Pfarre ohne Priester am Ort erlaubt. 1974 folgte die Telefonseelsorge, 1977 die Errichtung der Wohngemeinschaft "Mütter im Karenzjahr". 1981 kam der große Steirische Katholikentag. Am 13. September 1983 besuchte Papst Johannes Paul II. Mariazell.

Johann Webers Rückzug aus dem Amt

Am 6. April 1995 wurde Weber in Wien als Nachfolger Groers zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt. Im 73. Lebensjahr, ein Jahr vor dem offiziellen Termin, bat er den Vatikan, sich zurückziehen zu dürfen. Ein Grund dürfte seine Gesundheit gewesen sein, kurz zuvor hatte er in einem Zeitungsinterview gemeint, er spüre "die Grenzen seiner Schaffenskraft". Ein anderer war wohl, dass Weber in vielen seiner Bemühungen, etwa in der Causa Groer, von Rom nicht wirklich unterstützt worden war.

Der Kirche blieb Weber, der über 50 Jahre lang Bischof und über 69 Jahre Priester gewesen war, noch lange über seinen Rücktritt hinaus erhalten. Abwechselnd mit Pfarrer Hans Schrei hielt er bis zuletzt im Grazer Pfarrverband St. Leonhard-Kroisbach-Ragnitz Gottesdienste.

Am 9. Jänner 2017 feierte Weber zusammen mit Altbischof Egon Kapellari und dem aktuellen Oberhirten von Graz-Seckau, Wilhelm Krautwaschl, den Gottesdienst zur Beerdigung eines seiner politischen Weggefährten, des verstorbenen Alt-LH Josef Krainer jun. - in jener Pfarre St. Veit im Norden von Graz, wo er geboren worden war. Im Herbst 2019 hatte Weber sein Goldenes Priesterjubiläum gefeiert. In der Nacht auf Samstag, 23. Mai, ist er im 94. Lebensjahr in Graz gestorben.

Die Diözese Graz-Seckau und die österreichische Kirche trauerten am Samstag um Weber. Der beliebte "Volksbischof" hatte zuletzt in einem Alten- und Pflegeheim in Graz gelebt. Seit Mittwoch befand er sich in intensivmedizinischer Betreuung. Informationen zu Begräbnis und Requiem will die Diözese Graz-Seckau in Kürze bekanntgeben.

Weber hatte nach seiner Emeritierung als Seelsorger im Pfarrverband Graz-St.Leonhard, Graz-Ragnitz und Graz-Kroisbach gearbeitet. Gewohnt hatte er im Alten- und Pflegeheim der Dienerinnen Christi in Graz-Andritz, jenem Bezirk, in dem er auch geboren worden war.

Krautwaschl: "Das Rückgrat unserer Diözese"

Der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl sagte laut Kathpress in einer ersten Reaktion: "Das hat mich schwer getroffen, auch wenn wir uns ob seines hohen Alters und seines eigenen, offenen Umganges mit dem Tod seelisch vorbereiten konnten. Seine Herzlichkeit, seine Offenheit und sein tiefer Glaube waren über Jahrzehnte das Rückgrat unserer Diözese. Er hat Generationen von Menschen und unsere Steiermark geprägt. Ich bin dankbar für dieses Gottesgeschenk an geistlichem Leben", so Krautwaschl.

Kardinal Christoph Schönborn sagte, "es war ein Glück für die Kirche in Österreich, dass Bischof Weber ab 1995 an ihrer Spitze stand". Weber habe in der schweren Zeit nach der Causa Groer und dem Kirchenvolksbegehren die Kirche sehr gut geleitet, so Schönborn laut Kathpress.

In den kirchlich schwierigen 1990er-Jahren habe sich Weber immer als "ein weiser, kluger, ausgleichender und zugleich engagierter und mutiger Bischof bewiesen". Sein ganzes Geschick habe Bischof Weber dann im Rahmen des von ihm initiierten "Dialogs für Österreich" beweisen können, so der Kardinal.

Schützenhöfer: "Das geistliche Herz einer aufblühenden Steiermark"

Auch ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer zeigte sich betroffen vom Tod des Altbischofs: "Bischof Johann hat in den Herzen der Steirerinnen und Steirer einen ganz besonderen Platz. Er war über Jahrzehnte das geistliche Herz einer aufblühenden Steiermark. Sein aufbrechender, offener Geist, verpflichtet dem Zweiten Vatikanischen Konzil, prägte als Bischof der kleinen Leut' Generationen von Steirerinnen und Steirern.

Seine Fähigkeit, auf die Menschen zuzugehen, und sein Gespür für die Leute werden unvergessen bleiben. Er war ein Bischof, der mit offenem Herzen auf die Menschen zuging, um mit ihnen gemeinsam den Weg des Glaubens zu gehen", sagte der Landeshauptmann.

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) würdigte Weber als "selbstbewussten Religionsverbinder, der in Demut seine Glaubensbotschaft mit allen in der Bevölkerung teilte". Der steirische Caritas-Direktor Herbert Beiglböck unterstrich die karitative Dimension des Wirkens Webers:

Mit dem Wahlspruch "den Armen die frohe Botschaft zu bringen" habe sich Bischof Weber von Anfang das Handeln der Caritas zu einer wesentlichen Dimension seines seelsorgerischen Wirkens gemacht. "Persönlich war er mir Weggefährte, ein Wort, das er gerne gebrauchte, der mich entscheidend geprägt und behutsam begleitet hat."

Als "liebenswürdigen Kirchenbotschafter" würdigte die Präsidentin der Katholischen Aktion in der Steiermark, Andrea Ederer, den Verstorbenen. "Im Geiste des II. Vatikanums forderte und förderte er die Mitgestaltung der Laien in Kirche und Welt. Das Prinzip von Joseph Kardinal Cardajn 'Sehen - urteilen - handeln' leitete das Wirken von Bischof Johann", der zeitlebens der Katholischen Aktion verbunden gewesen sei. (dad/apa)  © APA

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