• In Frankreich haben Fahnder einen Tatverdächtigen für einen Doppelmord in Wien verhaftet.
  • Der 49-Jährige flüchtete zunächst in eine arabische Kommune.
  • Aufgegriffen wurde der Mann in einem Heim für Asylbewerber.
  • Er soll seine Lebensgefährtin und deren Tochter umgebracht haben.

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Im Fall eines zweifachen Tötungsdeliktes in Wien-Mariahilf ist am gestrigen Dienstag in Frankreich ein Verdächtiger festgenommen worden. Der 49-Jährige soll in der Nacht auf den 4. August seine Lebensgefährtin (32) und deren 15-jährige Tochter getötet haben. Die beiden anderen Kinder der Frau - zwei Buben - hatten in einer Arztpraxis um Hilfe gebeten. Landes- und Bundeskriminalamt konnten die Fluchtroute nachzeichnen und den Mann nun ausforschen.

Am 4. August verständigte eine Ärztin die Polizei, da die zwei Buben im Alter von sieben und neun Jahren allein in ihre Ordination gekommen waren. Zunächst hatte sie versucht, die Mutter zu erreichen, was nicht gelang. Die Polizisten holten daraufhin die Kinder ab und fuhren sie nach Hause. Dort wurden die Leichen entdeckt. Die Obduktion ergab, dass beide durch Fremdeinwirkung gegen den Hals getötet wurden.

Die Staatsanwaltschaft Wien erließ daraufhin einen weltweiten Haftbefehl gegen den Lebensgefährten, da angenommen wurde, dass sich der 49-jährige Tunesier bereits ins Ausland abgesetzt habe. Auch Zielfahnder des Bundeskriminalamtes wurden eingeschaltet.

Tatverdächtiger in Asylbewerberheim in Brest festgenommen

Die Ermittler fanden heraus, dass der Mann kurz nach der Tat mit dem Zug nach Frankreich geflüchtet war, wo er in einer arabischen Kommune untertauchen konnte, berichtete das Bundeskriminalamt am Mittwoch. In Zusammenarbeit mit dem europäischen Zielfahndungsnetzwerk (ENFAST) wurde der Mann vorerst im Raum Paris lokalisiert. Ende August dürfte er dann nach Brest in der Bretagne weitergereist sein, wo er am gestrigen Dienstag nach insgesamt 39 Fahndungstagen bei der Ausspeisung in einem Asylbewerberheim verhaftet wurde. Der Verdächtige wird nun dem zuständigen Ermittlungsrichter vorgeführt, wo über die Verhängung der Auslieferungshaft entschieden wird.

Bei diesem internationalen Erfolg federführend beteiligt waren das Bundeskriminalamt (Zielfahndung), das Landeskriminalamt Wien (Ermittlungsbereich Leib/Leben), die ermittlungsführende Staatsanwaltschaft Wien, der Verbindungsbeamte des Innenministeriums in Großbritannien sowie verschiedene französische Polizei- und Justizbehörden. Alle durchgeführten Ermittlungsschritte der Zielfahndung erfolgten in enger Zusammenarbeit mit den Wiener Behörden.

Das Netzwerk ENFAST verbindet Zielfahnder europaweit

Seit dem Jahr 2003 spüren Zielfahnder des Bundeskriminalamtes weltweit flüchtige Täter auf. Mehr als 270 Zielpersonen konnte das Ermittlerteam seit ihrem Bestehen erfolgreich festnehmen. Im Vorjahr wurden 17 weltweit gesuchte schwere Straftäter vom derzeit fünfköpfigen Ermittlerteam festgenommen. Es waren laut BK 16 Männer und eine Frau. Die europäischen Zielfahnder arbeiten über das Netzwerk ENFAST eng zusammen und helfen bei grenzübergreifenden Ermittlungen, wie in diesem Fall nun auch.

"Die Zielfahnder des Bundeskriminalamtes sind eine Spezialeinheit mit hochprofessionellen Experten und zugleich ein Aushängeschild der österreichischen Polizei. Sie sind international bestens vernetzt, haben Fingerspitzengefühl und Know-how", sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). "Nicht zuletzt durch ihren persönlichen Einsatz gelingt es ihnen - wie der aktuelle Fall zeigt - im In- und Ausland geflüchtete Täter zu fassen. Diese Spezialisten tragen wesentlich dazu bei, dass sich auch im Ausland kein geflüchteter Täter sicher fühlen kann."

Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes, hob die Wichtigkeit der internationalen Zusammenarbeit hervor. "Kein Straftäter soll sich der Strafverfolgung entziehen können. Internationale Kooperation und ein Netz aus hoch spezialisierten Kriminalisten führen einmal mehr zum Erfolg. Wieder einmal zeigt sich, wie wichtig die globale Polizeiarbeit in einer globalisierten Gesellschaft sind", sagte Holzer. (APA/hau)  © APA