• Der Kampf um den Umgang mit dem gemeinsamen Sohn endete in einer Entführung nach Panama.
  • Per internationalem Haftbefehl wurde der Vater gesucht.
  • Nun ist er zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

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Wegen der Entführung seines Sohnes nach Panama ist ein Vater am Dienstag in Pforzheim zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Amtsgericht befand den wegen Entziehung Minderjähriger angeklagten Mann für schuldig, den Elfjährigen entführt und ohne Einverständnis der Mutter ins Ausland gebracht zu haben. Der 50-jährige Vater des Jungen hatte die Vorwürfe eingeräumt und die Tat als Verzweiflungstat bezeichnet. Das Kind ist seit den Ereignissen schwer traumatisiert, wie ein Sachverständiger sagte. Im Prozess kamen zahlreiche gerichtliche Streitereien um Umgang und Sorgerecht in den Jahren vor der Entführung zur Sprache.

Die Staatsanwältin hatte zuvor auf eine Strafe von drei Jahren und drei Monaten plädiert. Die Anwältin der Kindsmutter, die als Nebenklägerin auftrat, forderte vier Jahre. Der Verteidiger des Mannes hielt eine Bewährungsstrafe für angemessen.

Im Gericht entfaltete sich ein Drama um die Entführung nach Panama

"Es war die Hölle", sagte die Mutter. "Ich wollte ihn beschützen", sagte der Vater - vor dem Amtsgericht Pforzheim hatte sich am Dienstag ein Drama rund um die Entführung eines Kindes nach Panama entfaltet. Der 50-jährige Vater des Jungen war angeklagt, den inzwischen Elfjährigen nach Panama gebracht zu haben. Eigentlich hätte er ihn nach einem Weihnachtsurlaub der Mutter übergeben müssen. Sie wartete vergeblich am vereinbarten Treffpunkt.

Den Vorwurf der Kindesentziehung räumte der Vater kurz nach Prozessbeginn ein. Er habe keine Wahl gehabt, sagte er. Seine Stimme brach, wenn die Sprache auf den Sohn kam. "Mir tut das alles so leid, vor allem für meinen Sohn", sagte er unter Tränen. "Das war nicht optimal, das weiß ich."

Sohn leidet laut Anklage unter Albträumen

Die Mutter des Kindes war beim Prozess als Nebenklägerin dabei. "Unser Leben wird nie mehr dasselbe sein", sagte sie vor Verhandlungsbeginn. "Niemand kann sich vorstellen, was wir durchgemacht haben." Es habe immer wieder Streit gegeben um den Umgang, ihr Ex-Partner sei ständig vor Gericht gezogen und werde das weiter tun. "Ich kenne ihn", sagte sie. Laut Anklage ist der Sohn durch die Ereignisse traumatisiert, hat Albträume, will den Namen seines Vaters nicht mal mehr hören. Er lebt seit der Festnahme des Vaters in Panama im Februar wieder bei seiner Mutter.

Vater nannte die Entführung eine "Verzweiflungstat"

Der in Nordrhein-Westfalen lebende Angeklagte nannte die Tat eine Verzweiflungstat. Nach der Trennung habe er sechs Jahre lang versucht, eine normale Beziehung zu seinem Kind aufrechtzuerhalten. Die Mutter aber sei mit ihm siebenmal umgezogen, "jedes Mal weiter weg". Die gemeinsame Zeit sei immer mehr beschnitten worden. Ein als Zeuge vernommener langjähriger Freund des Angeklagten verteidigte ihn engagiert. "Er war der beste Vater, den man sich vorstellen kann." Als er aber den Sohn nur noch alle vier Wochen habe sehen dürfen, sei er verstummt und habe nicht mehr viel darüber gesprochen.

Von einer nach Panama geplanten Reise waren der Freund ebenso wie die derzeitige Lebensgefährtin des 50-Jährigen überrascht gewesen, wie sie vor Gericht sagte. Sie hatten geglaubt, der Mann befinde sich mit seinem Sohn bei dessen Oma in Belgien, dem Heimatland des Vaters. "Das mit Panama hat er nie im Leben von langer Hand geplant", sagte die Freundin des Angeklagten.

Vater per internationalem Haftbefehl gesucht

Der 50-Jährige war von Belgien aus über Amsterdam nach Panama gereist, lebte dort in verschiedenen Hotels mit dem Kind. Mit internationalem Haftbefehl war er gesucht und schließlich festgenommen worden. Seit seiner Auslieferung nach Deutschland sitzt er in Untersuchungshaft.

Spekulationen, er sei Impfgegner gewesen und habe seinen Sohn deshalb entführt, bestätigen sich vor Gericht eher nicht. Ihr Freund sei "impfkritisch", sagte seine Freundin. "Aber kein Querdenker." Auch die Ex-Partnerin und Kindsmutter sah das so. Er selbst ist nach eigener Aussage zweimal gegen Corona geimpft.

Auf die Fragen des Sachverständigen, was denn die Entführung bei dem Elfjährigen ausgelöst habe, wusste der Mann keine rechte Antwort. Es fiel ihm sichtlich schwer, Verantwortung zu übernehmen und die Perspektive des Kindes zu sehen. Sein Anwalt schaltete sich immer wieder ein, um dem Gericht zu vermitteln, dass sein Mandant den größten Fehler seines Lebens gemacht habe. "Das würde ich gerne von Ihnen hören", sagte der Richter zum Angeklagten.  © dpa