Vor 25 Jahren: Der Angriff auf das Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior II"

Am 1. September 1995 wurde das Greenpeace-Flaggschiff "Rainbow Warrior II" von der französischen Marine geentert. Ein Aufschrei ging durch die Medien und Proteste gegen die Atomtests Frankreichs flammten erneut auf. Ein Überblick über ein Ereignis mit Folgen. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace ließ 1989 das alte Schiff "Grampian Fame" im Hamburger Hafen zum Motorsegler umbauen. Unter dem Namen "Rainbow Warrior II" ging sie am 10. Juli 1989, dem Jahrestag der Versenkung ihrer Vorgängerin, auf Jungfernfahrt.
Ab 1991 war die "Rainbow Warrior II" in der Südsee unterwegs, um gegen Treibnetzfischerei und französische Atomtests auf dem Mururoa-Atoll zu kämpfen.
Mururoa ist ein Atoll im Südpazifik, welches seit 1966 als Atomtestgelände Frankreichs verwendet wurde. Bis heute ist Mururoa Sperrgebiet, da noch immer große Mengen radioaktiven Abfalls in Bohrschächten lagern.
Die Proteste von Greenpeace gegen die Atomtests blieben allerdings nicht ohne Folgen. So kam es bereits 1992 auf dem Schiff zu einer Auseinandersetzung mit der französischen Marine.
1995 wurde es noch dramatischer: Während einer weiteren Protestfahrt gegen die wiederaufgenommenen Atombombentests griff die französische Marine das Schiff an.
Kaum war die "Rainbow Warrior II" in die Zwölf-Seemeilen-Sperrzone um Mururoa eingedrungen, wurde das Schiff von behelmten und maskierten Soldaten am frühen Abend des 1. Septembers von Schlauchbooten aus gestürmt.
Die Besatzung und anwesende Journalisten verbarrikadierten sich im Funkraum. Nach nur zwanzig Minuten befand sich das Schiff unter der Kontrolle der Marine. Ein französisches Kriegsschiff schleppte die "Rainbow Warrior II" fort.
Dem französischen Fernsehen France 3 sagte ein Greenpeace-Sprecher: "Die Marinekommandos haben ein Loch in den Funkraum gebohrt und Tränengas hineingeleitet." Es habe sonst keinen Waffeneinsatz gegeben.
Die Greenpeace-Aktivisten hatten zuvor einige Schlauchboote zu Wasser gelassen. Auch diese wurden wenig später von der französischen Marine aufgegriffen.
Greenpeace wollte mit dieser Aktion die Vorbereitungen für die im September 1995 geplanten Atomwaffenversuche stören. Einige Kriegsschiffe hätten die Umweltschützer auf dem Weg zum Gebiet bereits verfolgt.
Kurz nach Bekanntwerden der Aktion gab es weltweit vermehrt Proteste gegen die Atomtestpläne Frankreichs. Sowohl SPD-Chef Rudolf Scharping als auch FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle kritisierten die Tests aufs Schärfste.
Der öffentliche Druck wurde so massiv, dass Frankreichs Premier Jacques Chirac 1996 beschloss, die Atomversuche einzustellen. Chirac verkündete damals, Frankreich verfüge nun über eine "zuverlässige und moderne Verteidigung".
Es war nicht das erste Mal, dass Greenpeace und die französische Marine aneinandergerieten. Am 10. Juli 1985 hatten Agenten des französischen Auslands-Nachrichtendienstes das Vorgänger-Flaggschiff "Rainbow Warrior" im Hafen von Auckland (Neuseeland) versenkt.
Auch die damalige Besatzung wollte gegen die Kernwaffentests auf dem Mururoa-Atoll protestieren. Das Schiff befand sich auf dem Weg zum Atoll, als es zur Versenkung kam.
Am Abend des 10. Juli befestigten Taucher zwei Bomben am Schiffsrumpf – die erste detonierte um 23:38 Uhr. Kurze Zeit später folgte die zweite Explosion und das Schiff sank. Von den zwölf Besatzungsmitgliedern kam der Fotograf Fernando Pereira ums Leben.
Das Wrack ist mittlerweile ein beliebtes Tauchziel.
Die französische Regierung dementierte zunächst jegliche Beteiligung an dem Vorfall. Doch die Akteure hatten zu viele Spuren hinterlassen, weshalb Premierminister Laurent Fabius am 22. September gestand: "Agenten unseres Geheimdienstes haben dieses Schiff versenkt. Sie handelten befehlsgemäß". Der Geheimdienstchef Pierre Lacoste und der Verteidigungsminister Charles Hernu wurden entlassen.