"Wir schaffen das" und mehr: Sätze, die die Bundesrepublik Deutschland prägten

"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!" Diesen Satz sagte DDR-Staatschef Walter Ulbricht 1961 in einer Pressekonferenz. Nur rund zwei Monate später war die Berliner Mauer gebaut. Welche historischen Sätze prägten das Land noch? © 1&1 Mail & Media/spot on news

"Der Islam gehört zu Deutschland", sagte Christian Wulff 2010 in seiner Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit, um die Vielfalt des Landes zu betonen. Der Satz brachte ihm heftige Abwehrreaktionen ein, vor allem aus der eigenen Partei. Auch Angela Merkel benutzte das Zitat 2015 im Gespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu.
"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!" Diesen Satz sagte DDR-Staatschef Walter Ulbricht 1961 in einer Pressekonferenz. Nur rund zwei Monate später war die Berliner Mauer gebaut.
"Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien. Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt", sagte Berlins erster gewählter Oberbürgermeister Ernst Reuter in seiner Rede 1948 vor den Trümmern des Reichstagsgebäudes - ein Hilferuf an die Siegermächte.
"Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln“, sagte Bundeskanzler Helmut Kohl in einer Fernsehansprache zur Währungsunion zwischen BRD und DDR am 1. Juli 1990.
"Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…" - die restlichen Worte des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher gingen im Jubel der Menge vor der Prager Botschaft unter. Der wohl bekannteste Satz der Wiedervereinigung endete mit "... möglich geworden ist“. Einige der Flüchtlinge hatten seit Wochen darauf gewartet, nach Westdeutschland reisen zu dürfen.
Einen der historischsten Sätze der BRD-Geschichte haben wir einem Amerikaner zu verdanken. US-Präsident John F. Kennedy sagte in seiner Rede anlässlich des 15. Jahrestags der Berliner Luftbrücke in West-Berlin im Juni 1963: "Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können: 'Ich bin ein Berliner'!"
"Mr. Gorbachev, tear down this wall", forderte US-Präsident Ronald Reagan von Michail Gorbatschow, dem Führer der Sowjetunion, in einer Rede in West-Berlin im Jahr 1987.
Eine Stadt, zwei Teile: "Es wächst zusammen, was zusammen gehört", kommentierte Alt-Kanzler Willy Brandt 1989 den Mauerfall.
Am 9. November 1989 verkündete SED-Funktionär Günter Schabowski bei einer Pressekonferenz voreilig die neue Regelung für die Ausreise aus der DDR. Auf die Nachfrage eines Journalisten, ab wann diese Regelung gelte, antwortete Schabowski: "Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich." Dieser Satz war der Auslöser für die Öffnung der Berliner Mauer.
2001 sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit den wahrscheinlich wichtigsten Satz seines Lebens, der auch für viele andere eine hohe Bedeutung hatte. Mit den Worten "Ich bin schwul – und das ist auch gut so!" war Wowereit der erste aktive Politiker, der sein Coming-out hatte.
"Durch Deutschland muss ein Ruck gehen", appellierte Ex-Bundespräsident Roman Herzog 1997 an ein von der Wiedervereinigung überfordertes Deutschland. Die berühmte "Ruck-Rede" hielt er sieben Jahre nach der Wiedervereinigung bei der Wiederöffnung des Hotels Adlon in Berlin. "Wir müssen Abschied nehmen von leibgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen."
1957 beschloss der Bundestag nach einem mehrtägigen Redemarathon die Rentenreform. Obwohl der Beschluss mit einer großen Mehrheit durchging, gab es Bedenken. Die gesetzliche Rentenversicherung würde eine konstant wachsende Bevölkerung voraussetzen. Konrad Adenauer entgegnete: "Kinder kriegen die Leute immer!"
"Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt", beschrieb 2004 der damalige deutsche Verteidigungsminister Peter Struck den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr - obwohl die Bundesregierung behauptete, Deutschland führe keinen Krieg.
"Die Energiewende wird die deutsche Familie nicht mehr als eine Kugel Eis im Monat kosten", versprach Grünen-Chef und Bundesumweltminister Jürgen Trittin 2004. Eine Fehlprognose, die gerade von Energiewende-Gegnern noch heute häufig zitiert wird.
"The games must go on", sagte der damalige IOC-Präsident Avery Brundage (li.) 1972 bei der Trauerfeier nach dem Terroranschlag am 5. September auf die Olympischen Spiele in München.
"Wir schaffen das" war nicht Merkels einziges Zitat, das 2015 prägte. "Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land", sagte die Bundeskanzlerin im September desselben Jahres, ebenfalls im Hinblick auf die Flüchtlingskrise, bei einer Pressekonferenz.