Eine Verschiebung des Brexits, nur um Zeit zu gewinnen? Das scheint mit der EU nicht so einfach zu machen. Luxemburg-Premier Xavier Bettel hat triftige Gründe eingefordert, um die Frist bis zum Austritt tatsächlich zu verlängern.

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Luxemburg hält eine Verschiebung des für 29. März geplanten Brexits nur für möglich, falls die britische Regierung einen solchen Wunsch gut begründet. "Zeit für Zeit zu haben, ist für mich kein Plan", sagte Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in Luxemburg.

"Das Einfachste wäre doch, sie würden ein neues Referendum organisieren oder (den Austrittsantrag gemäß) Artikel 50 zurückziehen."

"Es muss irgendeinen Grund geben, warum wir diese neue Frist geben sollten", sagte der Regierungschef. "Es wird keine Zustimmung geben, wenn es nur um Zeit für Zeit geht."

Das britische Unterhaus hat zum zweiten Mal das Brexit-Abkommen für einen geregelten EU-Austritt abgelehnt. Angesichts eines drohenden Chaos-Brexit bot die EU London umgehend an, einen "begründeten Antrag" auf Verschiebung des Austrittsdatums am 29. März zu prüfen. Doch was würde das bringen? Wäre fast drei Jahre nach dem Brexit-Referendum ein Ende mit Schrecken nicht besser als ein Schrecken ohne Ende?

Ein möglicher Grund könnten auch Neuwahlen in Großbritannien sein. Bettel verwies darauf, dass eine Fristverlängerung über den 29. März hinaus von seinen 26 EU-Kollegen und ihm nur einstimmig beschlossen werden könnte. "Die Briten haben selbst die Frist gesetzt, die haben wir nicht fixiert."

Etwas versöhnlicher hatte sich zuvor EU-Ratspräsident Donald Tusk geäußert. Er kündigte via Twitter an, er werde vor dem EU-Gipfel in der nächsten Woche die 27 anderen Staats- und Regierungschefs der EU darum bitten, "offen für eine lange Fristverlängerung zu sein, wenn Großbritannien es als notwendig erachtet, seine Brexit-Strategie zu überdenken und einen Konsens dazu zu erzielen".

Bettel: "Entweder man ist drin oder man ist draußen"

Sollte London eine Verlängerung beantragen, die über den 23. Mai - den ersten Tag der Europawahl - hinausreicht, müsse in Großbritannien die Europawahl stattfinden, fordert Bettel.

Es sei nicht möglich, dass Großbritannien noch Mitglied in der EU sei, es dort aber keine Wahl zum Europäischen Parlament gebe. "Entweder man ist drin oder man ist draußen." Anderenfalls drohe eine Anfechtung der Europawahl-Ergebnisse.

Ohne eine klare Begründung "gehen wir zum harten Brexit", fügte Bettel hinzu, also einem ungeregelten Ausscheiden Großbritanniens aus der EU.

Er wünsche, dass Premierministerin Theresa May noch vor Ende des Monats eine Mehrheit für den Austrittsvertrag mit der EU bekomme. Luxemburgs Regierung arbeite aber weiter an der Vorbereitung auf einen harten Brexit. "Wir können jetzt nicht abwarten und Tee trinken." (hub/dpa)

Britisches Parlament stimmt gegen ungeregelten Brexit

Die Abstimmung am Mittwochabend endete mit 321 gegen 278 Stimmen.
Teaserbild: © imago images / ZUMA Press