Spaltung auf der einen, Annäherung auf der anderen Seite: Russlands Staatschef Wladimir Putin will möglichst bald mit US-Präsident Donald Trump zusammenkommen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat scharfe Kritik an der G7-Gruppe geübt und ein baldiges bilaterales Treffen mit US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen. Er wolle mit Trump zusammenkommen, sobald Washington dazu bereit sei, sagte Putin am Sonntag.

Die Kritik der G7 an seinem Land tat er als "kreatives Gelaber" ab, das nun aufhören müsse. "Ich glaube, nun müssen wir uns den konkreten Fragen einer realen Zusammenarbeit zuwenden."

US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor aus Verärgerung über Äußerungen des G7-Gastgebers Kanada seine Zustimmung zu der gemeinsamen Abschlusserklärung widerrufen. Nach diesem Fiasko erscheint die G7 so gespalten wie noch nie in ihrer Geschichte.

Putin äußerte sich vor Reportern im chinesischen Qingdao, wo er ein Treffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit besuchte. Er sagte dort laut Nachrichtenagentur AP, mehrere Staaten hätten bereits angeboten, Gastgeber eines Treffen zwischen ihm und Trump zu sein - unter anderem Österreich.

Erst eine direkte Unterredung

Russland war 2014 nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim aus der Staatengruppe ausgeschlossen worden, die damit von der G8 zur G7 wurde. Trump hatte sich zum Auftakt des Gipfels in Kanada überraschend dafür ausgesprochen, Russland wieder aufzunehmen.

Chancen auf Erfolg hat der Vorschlag nicht, weil ein solcher Beschluss nur einstimmig fallen kann. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada haben sich offen dagegen ausgesprochen, sollte es in der Ukraine keine Fortschritte geben.

Sie sind die Hauptakteure beim Treffen der führenden Wirtschaftsmächte.

Ein bilaterales Treffen zwischen Putin und Trump bahnt sich schon länger an. Im April hatte der Kreml mitgeteilt, dass der US-Präsident den russischen Staatschef nach Washington eingeladen habe. Die beiden haben sich erst einmal, am Rande des G20-Gipfels 2017 in Hamburg, zu einer Unterredung getroffen.

Innenpolitisch ist das Verhältnis zwischen den USA und Russland ein heißes Thema. Die US-Geheimdienste sind überzeugt, dass Moskau sich durch Hackerangriffe und Propaganda in den Wahlkampf 2016 einmischte. Die US-Regierung verhängte deshalb im März Sanktionen gegen fünf russische Firmen und Organisationen.

Putin lobt US-Nordkorea-Gipfel

Putin kritisierte am Sonntag in Shanghai den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Washingtons Entscheidung könnte sich "destabilisierend" auf die Situation in der Region auswirken, sagte er. Gleichzeitig bekräftigte er, dass Russland sich an das Abkommen halten werde.

Genau wie Deutschland, Frankreich und andere EU-Staaten hatten Russland und China den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran scharf kritisiert.

Den geplanten Gipfel von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur begrüßte Wladimir Putin. Es sei eine positive Entwicklung, dass Pjöngjang, Seoul und Washington die Absicht hätten, sich um eine umfassende Beilegung der Krise zu bemühen.

Russland und China hätten stets die Wichtigkeit von Gesprächen betont, um die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu verringern. China habe einen großen Beitrag zur Beilegung der Krise geleistet. In Singapur will Trump das abgeschottete kommunistische Regime Nordkoreas dazu bewegen, vollständig atomar abzurüsten.© SPIEGEL ONLINE