Spielfeld als Spielball zwischen Links und Rechts? Seit einigen Wochen ist die steirische Gemeinde Mittelpunkt der Asyldiskussion. Die ORF-Sendung "Am Schauplatz" ermöglichte gestern Blicke mitten in das derzeitige Seelenleben Spielfelds.

Seit Oktober sind über 100.000 Menschen über die Österreichisch-Slowenische Grenze gekommen. Gerüchte über Plünderungen und mutwillige Zerstörungen durch Flüchtlinge und Vorwürfe der Nachrichtenmanipulation durch Medien machen in sozialen Netzwerken die Runde.

Während sich Politiker vor Ort inszenieren, müssen die knapp 1.000 Einwohner ihren Alltag meistern. "Am Schauplatz"-Reporter Alfred Schwarzenberger war für den ORF mehrere Wochen vor Ort unter Demonstranten, Flüchtlingen und Bewohnern. In seinem Beitrag "Spielfeld" gelingt ihm eine ausgewogene Reportage zu einem heiklen Thema.

Wenige Spielfelder äußern sich kritisch

"Es geht nicht um Spielfeld, es geht um die Welt", sagt ein 42-jähriger Familienvater, der vor der Übermacht der Muslime warnen will. Einer der wenigen, die sich im Beitrag kritisch äußern. Offenbar nicht, weil die Gesprächspartner danach ausgewählt wurden - denn viele geben zu, dass die Angst da sei und was passieren müsse - sondern, weil es nichts Dramatisches zu erzählen gibt. Lediglich die so genannten "Durchbrüche" seien unangenehm gewesen. Jene drei Tage Ende Oktober, als 1.500 Flüchtlinge die Sperren durchbrachen. Die Polizei ließ sie gewähren, aus Sicherheitsgründen, wie Sprecher Leo Josefus bestätigt: "Damit niemand zertrampelt wird."

"Zentrum der Flüchtlingskrise" wird der österreichisch-slowenischen Grenzübergang Spielfeld seit einigen Tagen genannt, nachdem sich dort in den vergangenen Tagen immer wieder chaotische Szenen abgespielt hatten. Dass es ein "Durchwinken" von Flüchtlingen nie gegeben habe, betonte man am Dienstag bei der Landespolizeidirektion Steiermark.

Das war es dann auch schon, beteuern die Bewohner. Selbst die Kassiererin jenes angeblich ausgeraubten Supermarktes, weiß nur Positives zu berichten: "Wir hatten keine Probleme. Wir hatten nur ein paar Stunden zu. Sonst waren alle sehr umgänglich und haben alles bezahlt."

Eine heile Welt zeichnet der Beitrag dennoch nicht. Eine Rangelei unter Asylwerbern, bei der ein Polizist einen Faustschlag einstecken musste, wird ebenso von Polizeisprechern bestätigt, wie Einzelfälle, wonach Flüchtlinge aus spitzen Zaundrähten Waffen bauten. Abgesehen davon scheint Spielfeld aber nicht der schreckliche Schau- und Tummelplatz zu sein, für dem es manche halten. Die Bilder zeigen eine weitgehend leere Ortschaft, schwer bewacht von gut verpflegten Soldaten und Polizisten.

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Das Problem: Im Internet werden die bereits erwähnten Tage der Durchbrüche als Dauerzustand in der kleinen Gemeinde dargestellt. Sie sind Nährboden für Geschichten über Massenausschreitungen, Überfälle und Vergewaltigungen, und sie schaden der örtlichen Wirtschaft. Geschäfte und Gasthöfe stehen leer. Selbst der Bordellbesitzer klagt über Besuchermangel.

Man kann dem Schauplatz-Team nicht vorwerfen, sie hätten nicht nach einem Skandal gesucht. Allein, gefunden haben sie keinen.

Trauriges Ende: Österreicher gegen Österreicher

Selbst kritische Geister entpuppen sich eher noch als Helfer denn als erbitterte Gegner. In den 50 Minuten der Doku kommt jeder zu Wort, der mit dem Team sprechen möchte, hat man den Eindruck: Auch viele ORF-kritische Töne sind zu hören. Interessant ist allerdings, dass sich genau jene die Präsenz der Journalisten zu Nutze machen, die sie am stärksten kritisieren: die Demonstranten.

Besonders spannend dabei ist die Tatsache, dass die linken Aktivisten eine Stellungnahme generell von vornherein verweigern. Im Lager gegenüber, das so sehr auf die Wahrheit und Meinungsfreiheit pocht, erschwert ein junger Ordner die Interviews, der seinen Gesinnungsgenossen ein Redeverbot auferlegt. Das bringt Unmut in den eigenen Reihen. Doch ein Schuldiger ist schnell gefunden: Ein linker Aktivist sei es gewesen, der die Demo unterwandern wollte, so der Veranstalter. Dass dieser linke Aktivist später als Mitglied der Identitären-Bewegung ausgemacht wurde, tut dabei nichts weiter zur Sache. Ein Demonstrant, dem zunächst das Wort verboten wurde, bringt die ganze Angelegenheit später auf den Punkt: "Wir dürfen uns nicht mehr aufregen? Wozu sind wir dann da?"

Eine Antwort darauf liefert vielleicht die Schlussszene, die mit den Worten endet: "Nach Ende der Dreharbeiten gingen Rechte und Linke mit Zaunlatten aufeinander los. Österreicher gegen Österreicher. Wenn es Ziel der Terroristen war Hass zu säen, waren sie hier ein Stück weit erfolgreich."