Die Dresdner Seenotrettungsmission "Lifeline" hat in einem Offenen Brief schwere Vorwürfe gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erhoben. Der deutsche Kapitän ist indes nach der Ankunft in Malta von der Polizei befragt worden.

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"Es fühlt sich beschämend an, dass die Bundesregierung durch die Behinderung der Seenotrettung dazu beiträgt, dass mehr Menschen im Mittelmeer sterben", heißt es darin.

Die Organisation rief den Minister auf, sich in die Lage der Flüchtlinge zu versetzen, und lud ihn ein, sich bei einer Rettungsmission anzuschauen, wie verzweifelt die Menschen seien.

Rettungsschiff in Malta eingelaufen

Das Rettungsschiff "Lifeline" lief am Mittwochabend nach sechstägiger Blockade im Mittelmeer mit 230 Flüchtlingen und 17 deutschen Besatzungsmitgliedern in den Hafen von Valletta in Malta ein.

In einer nicht-öffentlichen Sitzung des Bundestagsinnenausschusses hatte Seehofer nach Angaben von Ausschussmitgliedern gesagt, die deutsche Crew müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Dazu fragte die Organisation: "Welcher Straftatbestand soll uns vorgeworfen werden? Ist es Ihrer Meinung nach ein Verbrechen, Menschen aus Lebensgefahr zu retten?".

CDU: "Deutschland hat keinen Nachholbedarf"

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer teilt indes die Zurückhaltung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bezüglich einer Aufnahme von Flüchtlingen des Rettungsschiffes "Lifeline" in Deutschland. Sie sei froh, dass sich mehrere europäische Staaten bereit erklärt haben, diese Menschen aufzunehmen, sagte die Politikerin am Mittwoch dem Nachrichtensender "Welt". "Ich glaube, dass Deutschland keinen Nachholbedarf an humanitärer Bereitschaft hat. Insofern sehe ich uns hier nicht an allererster Stelle gefordert."

Kapitän von Polizei befragt

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs ist nach der Ankunft in Malta von der Polizei befragt worden. Während die anderen Crewmitglieder das Schiff verlassen durften, werde der Kapitän Claus-Peter Reisch danach wieder an Bord gebracht, teilte die maltesische Regierung mit.

234 Migranten seien im Hafen in Senglea vor Valletta an Land gebracht worden. Sechs Menschen, darunter drei Babys, kamen in ein Krankenhaus auf der Mittelmeerinsel.

Dem Kapitän wird vorgeworfen, die Anweisungen der italienischen Behörden bei der Rettung der Migranten vor Libyen ignoriert zu haben. (mg / dpa)

Teaserbild: © Mission Lifeline/dpa