Armin Wolf wird in sozialen Medien immer stärker angegangen. Vizekanzler Heinz-Christian Strache hob die Kampagne der FPÖ gegen den ORF-Journalisten und seinen Sender auf eine neue Stufe.

Die FPÖ intensiviert ihre Kampagne gegen den ORF.

Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache höchstselbst sorgte in der Nacht auf Dienstag für eine weitere Eskalation: Er postete ein Foto von ORF-Star Armin Wolf, in dem er diesem und dem ORF "Lügen" vorwarf. Dass er das mit einem Smiley als "Satire" servierte, tat der Empörung keinen Abbruch. Der ORF prüft rechtliche Schritte.


Öffentlich sichtbares Posting

Strache teilte den Eintrag auf seiner persönlichen Facebook-Seite, allerdings sichtbar für die Öffentlichkeit. Das sogenannte Meme zeigt ZiB2-Moderator Wolf im Nachrichten-Studio.

Dem ORF-Design und seiner Werbelinie nachempfunden lautet der Text: "Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF."

Im Kleingedruckten steht noch zu lesen: "Das Beste aus Fake News, Lügen und Propaganda, Pseudokultur und Zwangsgebühr. Regional und international. Im Fernsehen, im Radio und auf dem Facebook Profil von Armin Wolf."

Mit "ORF - Wie wirr" wird der aktuelle Slogan des Öffentlich-rechtlichen verballhornt.

Strache stellte das am Dienstag um 0:26 Uhr online. Bis Dienstagmittag war der Post rund 230-mal geteilt worden und hatte 579 Reaktionen von Usern gezeitigt - 69 davon amüsiert.

ORF weist "pauschale Anschuldigungen und Unterstellungen" zurück

Ganz und gar nicht lustig findet man die Sache dagegen im ORF: Der weist die "pauschalen Anschuldigungen und Unterstellungen gegenüber seinen Redaktionen sowie gegen Armin Wolf persönlich auf das schärfste zurück", hieß es gegenüber der APA.

"Der ORF wird unverzüglich bei Facebook die Löschung dieses Postings veranlassen und prüft weitere rechtliche Schritte."


"Ehrlich fassungslos" ist Armin Wolf angesichts des Facebook-Postings von Strache, in dem der FPÖ-Chef dem ORF-Journalisten "Lügen" vorwirft. "Selbstverständlich werde ich das klagen", erklärte Wolf gegenüber der APA.

"In 32 Jahren als Journalist hat mir noch nie jemand vorgeworfen, ich würde in meiner Arbeit lügen", so der "Zeit im Bild 2"-Moderator und stellvertretende TV-Chefredakteur.

Armin Wolf ist "ehrlich fassungslos"

"Ich bin persönlich nicht wehleidig und stelle mich gerne jeder sachlichen Kritik, aber dass der Vizekanzler der Republik ein derartiges Sujet postet, macht mich ehrlich fassungslos."

Die "Attacken der FPÖ - einer Regierungspartei - auf unabhängige Medien und ihre persönlichen Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten erreichen mittlerweile ein demokratiepolitisch wirklich bedenkliches Ausmaß", sagte Wolf weiter. Nachsatz: "Und dabei geht es nicht um diese Rechtsfrage, denn dass Herr Strache für dieses Posting verurteilt werden wird, ist ja überhaupt keine Frage."

Seit Wochen attackieren FPÖ-Politiker den ORF - zuerst überwiegend per Aussendungen, neuerdings verstärkt auf Social Media-Kanälen. Zuletzt hatte den Blauen ein Beitrag in "Tirol Heute" Munition geliefert. Darauf nahm Strache am Dienstag in einem weiteren Facebook-Posting erneut Bezug, dort warf er dem ORF-Landesstudio Tirol "manipulative Methoden" vor.

SPÖ-Mediensprecher Thomas Drozda fand das "satirische" Meme "absolut unlustig", wie er dem "Kurier" sagte. Seinen Ursprung vermutete er "in der FPÖ-Bastelwerkstatt" - "und ich mach' mir um die Frage, wie es mit der Medienpolitik weitergehen soll, mittlerweile ernsthafte Sorgen."

Strache rechtfertigt Posting

Vizekanzler Strache rechtfertigte unterdessen das Facebook-Posting, in dem ORF-Journalist Armin Wolf der "Lügen" bezichtigt wird, als Satire. "Satire ist auch als solche zu bewerten", sagte der FPÖ-Obmann im Gespräch mit der APA. Das Posting sei auch als solche gekennzeichnet gewesen.

Nach den Vorfällen beim ORF Tirol sei Satire auch "besonders notwendig", meinte Strache, der auch darauf verwies, dass er dieses Posting auf seiner privaten Facebook-Seite geteilt habe.

Anwalt: Strache hat keine Chance

Die "Futurezone" fragte bei einem Anwalt nach, wie gut im Fall einer Klage Straches Chancen stehen. "Heinz-Christian Strache hat sich in diesem Fall eindeutig zu weit hinausgelehnt", sagte Rechtsanwalt Michael Borsky dem Portal.

Zwar müssten Journalisten ebenso wie Politiker aufgrund ihrer Tätigkeit und Präsenz in der Öffentlichkeit mehr aushalten als andere Bürger, was auch vor Gericht bei der Einordnung von persönlichen Angriffen berücksichtigt werde.

Wer aber Journalisten oder einem Medium öffentlich unterstelle, bewusst die Unwahrheit zu verbreiten, begehe klar Ruf- bzw. Kreditschädigung.

Borsky sah auch den Tatbestand der üblen Nachrede für erfüllt. Straches Hinweis, dass es sich bei seinem Posting um Satire handle, spiele keine Rolle.

"Es kommt immer auf den Gesamteindruck an", sagte der Anwalt zur "Futurezone". Wenn der Eindruck entsteht, dass Heinz-Christian Strache den Beitrag gepostet hat, weil er diesen ernst nimmt und der Aussage im Kern zustimmt, dann kann er für den Inhalt auch zur Verantwortung gezogen." (APA/ank)

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