Wenige Tage vor der Parlamentswahl im Irak hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach eigenen Angaben einen Kandidaten getötet. Im Kurzbotschaftendienst Telegram erklärte die IS-Miliz am Montag, sie habe den 45 Jahre alten Faruk Sarsur al-Dschuburi getötet. Er sei ein "Ungläubiger" gewesen, weil er bei der Parlamentswahl angetreten sei. Der Sunnit Dschuburi war für die Liste von Vize-Präsident Ijad Allawi angetreten.

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Ein Behördenvertreter bestätigte den Tod Dschuburis. Er sei in seinem Haus in der Region Mossul erschossen worden. Das nordirakische Mossul war von 2014 bis 2017 die "Hauptstadt" des vom IS ausgerufenen Kalifats. Die mittlerweile in abgelegene Wüstenregionen abgedrängte IS-Miliz hatte im April mit Anschlägen bei der Parlamentswahl am 12. Mai gedroht und alle Sunniten zum Boykott der Abstimmung aufgerufen.

Schiiten dominieren

Seit der Einführung demokratischer Wahlen nach dem Sturz des autoritären Machthabers Saddam Hussein im Jahr 2003 dominieren schiitische Parteien die Politik im Irak. Die Minderheit der Sunniten klagt seitdem regelmäßig über Benachteiligung. Verschiedene sunnitische Extremistengruppen haben im Kampf gegen die Regierung in Bagdad zu den Waffen gegriffen.

Seit 2003 gab es bei allen Wahlen im Irak Anschläge radikaler Sunniten. Auch die letzte Parlamentswahl im April 2014 wurde von Anschlägen während des Wahlkampfs und am Tag der Abstimmung überschattet.© AFP