Der Krieg im Gazastreifen tobt nach Ende der Feuerpause weiter. Beide Seiten kämpfen unerbittlich. Israel bekommt laut einem Medienbericht militärische Schützenhilfe.

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Das israelische Militär hat auch in der Nacht Medienberichten zufolge Ziele der islamistischen Hamas und anderer Terrorgruppen im südlichen Gazastreifen massiv angegriffen. Aus dem Süden des abgeriegelten Küstengebiets wurden nach Berichten israelischer Medien schwere Kämpfe gemeldet.

Sie konzentrierten sich auf die Gegend um Chan Junis. In der Stadt sollen sich Teile der Hamas-Führung aufgehalten haben, hieß es. Die Hamas hatte nach Ende der einwöchigen Kampfpause am Vortag eigenen Angaben zufolge erstmals wieder Raketen auf das Zentrum Israels abgefeuert. Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs wurden israelischen Angaben zufolge rund 10.000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgeschossen.

Nahostkonflikt
Die israelische Armee hat nach der Feuerpause die Kämpfe im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas wieder aufgenommen. © dpa / Ilia Yefimovich/dpa

Heftige Kämpfe auch im Süden Gazas

Wie die Zeitung "The Times of Israel" in der Nacht unter Berufung auf Bewohner des abgeriegelten Gazastreifens weiter berichtete, habe das israelische Militär in der Stadt Chan Junis Flugblätter abgeworfen, in denen die Bewohner aufgefordert worden seien, nach Rafah im Süden zu fliehen. Israels Armee hat nach eigener Darstellung seit Ende der Feuerpause Hunderte Ziele im Norden und im Süden des Gazastreifens angegriffen.

Nach Angaben der Armee soll auf Gebiete gezielt worden sein, die mit Sprengstofffallen versehen waren, sowie auf Schächte von Tunneln, Abschussrampen und Kommandozentralen der Hamas. Es wurden demnach Ziele im Norden, aber auch Ziele in Rafah im Süden des Gazastreifens attackiert. Die Angaben waren nicht unabhängig zu überprüfen.

Nahostkonflikt- Chan Junis
Palästinenser begutachten die Schäden nach einem israelischen Luftangriff im südlichen Gazastreifen. © dpa / Mohammed Talatene/dpa

Bericht: USA lieferten Israel bunkerbrechende Bomben

Die USA lieferten Israel für den Krieg einem Bericht zufolge 100 Bunkerbrecher-Bomben sowie weitere Zehntausende andere Waffen. Wie die US-Zeitung "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Beamte berichtete, wurden Israel nach dem beispiellosen Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober allein 100 Bunkerbrecher-Bomben bereitgestellt. Die Lieferung von zusätzlichen Waffen und Munition, darunter etwa 15.000 Bomben sowie 57.000 Artilleriegeschosse, habe kurz nach dem Hamas-Angriff auf Israel begonnen und sei in den vergangenen Tagen fortgesetzt worden.

Israels Armee kämpft "so lange wie nötig"

Israels Armee hat sich nach Angaben eines Sprechers keine zeitliche Begrenzung für den Gaza-Krieg gesetzt. "Wir sind entschlossen, die Hamas so lange zu bekämpfen, wie es nötig ist", sagte der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus und fügte hinzu: "Wir haben keine andere Wahl". Conricus bekräftige abermals das Kriegsziel seines Landes, die Terrororganisation vollends zu vernichten, damit sie künftig keine Gefahr mehr für Israel darstelle.

Der Sprecher reagierte damit auf Medienberichte, wonach US-Außenminister Antony Blinken bei seinen jüngsten Gesprächen mit der israelischen Führung angeblich von drei Wochen gesprochen habe, die Israel habe, den Krieg wie im bisherigen Umfang fortzuführen. Er sei sich nicht sicher, ob Israel die internationale Unterstützung haben würde, um länger mit der Intensität wie vor der Feuerpause weiterzukämpfen, wurde Blinken in israelischen Medien wiedergegeben.

Leiche von Geisel geborgen

Israels Militär hat unterdessen nach eigenen Angaben die Leiche eines nach Gaza verschleppten Israelis geborgen. Sie sei vor kurzem entdeckt und zurück nach Israel gebracht worden, teilte die Armee am Freitagabend mit. Der Tote sei am Mittwoch identifiziert worden. Terroristen hatten den 27-Jährigen Medienberichten zufolge am 7. Oktober mit etwa 240 weiteren Menschen in den Gazastreifen entführt. Er hatte demnach mit Freunden das Supernova-Festival besucht.

Ein israelischer Militärsprecher bestätigte zudem den Tod von vier weiteren Geiseln der islamistischen Hamas. Medienberichten zufolge sollen sich die Leichen noch im Gazastreifen befinden. Das Militär bemühe sich weiterhin, mehr Informationen zum Zustand der restlichen im Gazastreifen verbliebenden Geiseln zu erhalten, sagte der Sprecher.

Israel geht von noch 137 Geiseln aus

Ein Sprecher der israelischen Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dass noch 137 Geiseln im Gazastreifen festgehalten würden. Unklar war zunächst, ob die Toten dazu zählen. Er gab die Zahl am Freitagabend mit 136 an, darunter 17 Frauen und Kinder. Seit Beginn des Kriegs gegen die Hamas hatten die israelischen Bodentruppen bereits mehrere israelische Leichen aus dem Gazastreifen geborgen.

Palästinenser: Hilfslieferungen nach Gaza gestoppt

Seit Auslaufen der Feuerpause sind nach palästinensischen und ägyptischen Angaben keine Hilfslieferungen mehr im Gazastreifen angekommen. Ägypten sei bereit, Hilfe zu leisten, hieß es am Freitag aus Sicherheitskreisen. Dies sei aber wegen der israelischen Bombenangriffe im Gazastreifen nicht möglich.

Israel will derweil die Vertreterin des UN-Nothilfebüros Ocha für die Palästinensergebiete, Lynn Hastings, los werden. Man sei von den israelischen Behörden darüber informiert, dass Hastings' im Dezember auslaufendes Visum nicht verlängert würde, sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Freitag.

Im Zuge des Gaza-Krieges hatte Israel wiederholt sein Missfallen über Hastings geäußert. Ocha wiederum hatte immer wieder den mangelhaften Zugang für humanitäre Hilfe in den Gazastreifen kritisiert. Die Vereinten Nationen sind auf die Zusammenarbeit mit Israel angewiesen, um möglichst viele Lieferungen in das Kriegsgebiet bringen zu können.

Was heute wichtig wird

Die heftigen Kämpfe im Gazastreifen gehen ebenso wie die diplomatischen Bemühungen für eine neue Feuerpause weiter. Die islamistische Hamas hat weltweit zu Solidaritäts-Demonstrationen aufgerufen. (dpa/af)

Israelischer Regierungssprecher

Israel macht Hamas für Ende der Feuerpause verantwortlich

Nach dem Ende der Feuerpause im Nahen Osten greifen sich beide Seiten wieder gegenseitig massiv aus der Luft an. Israel machte die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas für das Scheitern weiterer Verhandlungen verantwortlich. Der Hamas werde nun die "Mutter aller Schläge" versetzt, erklärte ein israelischer Regierungssprecher.
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