Die Verhandlungen von ÖVP und FPÖ gehen eine Woche vor der Konstituierung des niederösterreichischen Landtags in eine heiße Phase. Einige Themen sind noch offen. Ein großer Knackpunkt ist die Aufarbeitung der Corona-Pandemie.

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Der Verhandlungsmarathon von Volkspartei und FPÖ ist eine Woche vor der konstituierenden Sitzung des niederösterreichischen Landtags in die nächste Runde gegangen. Geplant waren am Donnerstag Gespräche bis in die Abendstunden. Aus ÖVP-Kreisen hieß es, dass "noch einige Themen abzuarbeiten" seien. Man hoffe auf eine Einigung in den kommenden Tagen. Zuletzt hatte sich medial vor allem die Aufarbeitung der Corona-Pandemie als Schlüsselfaktor herauskristallisiert.

Atmosphärisch und in Sachen Inhalten wurde seit dem bisher letzten Pressetermin vom Montag generell sehr wenig bekannt. Etwas aus dem Nähkästchen plauderte ÖVP-Verhandler Klaus Schneeberger im Interview mit dem "Kurier" (Donnerstagsausgabe). Demnach laufen die Gespräche mit den Freiheitlichen professioneller als jene, die bis zum Stopp in der Vorwoche mit der SPÖ geführt worden sind.

Aufarbeitung der Corona-Pandemie sorgt für Diskussionsstoff

Einer der Knackpunkte für ein Bündnis ist weiter die Aufarbeitung der Corona-Pandemie. Udo Landbauer, Landespartei- und Klubchef der Freiheitlichen, forderte hier zuletzt auch Entschädigungen bis hin zu einer "Generalamnestie" für CoV-Strafen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) räumte daraufhin ein, dass die Corona-Impfpflicht aus jetziger Sicht "natürlich ein Fehler" gewesen sei - eine Aussage, die Landbauer wiederum am Dienstag noch zu wenig war.

Einen Mittelweg könnte es bei der Wahl der Landeshauptfrau geben. Die Freiheitlichen haben stets betont, bei der konstituierenden Landtagssitzung am 23. März nicht für Mikl-Leitner, der indes von Schneeberger dezidiert der Rücken gestärkt wurde, zu votieren. Spekuliert wird, dass die 14 FPÖ-Abgeordneten ungültig wählen könnten. Damit wäre mit den 23 ÖVP-Vertretern bei insgesamt 56 Mandataren die erforderliche Mehrheit erreicht. Es zählen nur gültige Stimmen. Landbauer betonte dazu am Mittwoch, dass seine Partei - eine inhaltliche Einigung vorausgesetzt - "eine Wahl der Landeshauptfrau nicht verhindern wird".

Der Widerstand gegen ein schwarz-blaues Bündnis ist groß

Widerstand gegen das mögliche schwarz-blaue Bündnis gab es auch am Donnerstag von außen. Der Verein "Willkommen - zum Finden einer neuen Heimat" sieht Medienberichten zufolge in einem Offenen Brief gemeinsam mit acht weiteren Organisationen die Demokratie in Gefahr und fordert einen Verhandlungsstopp. Am kommenden Donnerstag, dem Tag der konstituierenden Landtagssitzung, plant zudem SOS Mitmensch eine Kundgebung auf dem Landhausplatz, wie der ORF Niederösterreich berichtete. Bereits am Mittwoch sprachen sich mehrere niederösterreichische Künstler und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Oskar Deutsch, offen gegen ein Bündnis von Volkspartei und Freiheitlichen aus.

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Für Samstag plant die "Plattform für eine menschliche Asylpolitik" laut einer Aussendung ab 15.00 Uhr am Wiener Karlsplatz eine Kundgebung samt Konzerten, die auch gegen die "Beteiligung der neonazistischen FPÖ an der niederösterreichischen Landesregierung" gerichtet ist. Angesagt haben sich demnach u.a. Cornelius Obonya und Marco Pogo.

Die FPÖ erreichte bei der Landtagswahl ein Rekordergebnis

Die ÖVP hat bei der Landtagswahl am 29. Jänner 39,93 Prozent (minus 9,70 Prozentpunkte) erreicht und damit die absolute Mehrheit im Landtag und erstmals auch in der Landesregierung verloren. Die FPÖ erzielte mit 24,19 Prozent ein Rekordergebnis und löste die Sozialdemokraten auf Platz zwei ab. Wie die Schwarzen fuhren auch die Roten (20,65 Prozent) ihr schlechtestes Resultat im Bundesland seit 1945 ein. Die Volkspartei stellt vier, die FPÖ drei und die SPÖ zwei Mitglieder in der nach dem Proporzsystem gebildeten Landesregierung. Die Grünen erreichten mit 7,59 Prozent wieder Klubstärke, die NEOS kamen auf 6,67 Prozent.(APA/jst)