Im Interview mit einer rechten Website singt Richard Grenell, US-Botschafter in Deutschland, ein Loblied auf konservative Politiker in Europa. Besonders einer hat es ihm angetan: Sebastian Kurz. Kritik für die Aussagen des Diplomaten lässt nicht lange auf sich warten.

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Richard Grenell ist seit nicht einmal vier Wochen als neuer US-Botschafter in Deutschland tätig und schon schlägt ein Interview des 51-Jährigen hohe Wellen.

Im Gespräch mit der rechten US-Website "Breitbart" überrascht Grenell mit der für einen Diplomaten sehr ungewöhnlichen Ankündigung, sich in die politischen Angelegenheiten Europas einmischen zu wollen.

Außenpolitischer Hardliner und Trump-Unterstützer

Vor allem auf den Umgang mit konservativen Politikern will sich der Botschafter in Zukunft konzentrieren. Er möchte "andere Konservative in Europa, andere Anführer, definitiv stärken", sagte Grenell.

Der Republikaner gilt als treuer Anhänger von US-Präsident Donald Trump und unterstützt diesen vor allem in Bezug auf seinen außenpolitischen Kurs konsequent.

Seinen Fokus auf konservative Belange begründet Grenell gegenüber "Breitbart" damit, dass so das Leben für Arbeiter verbessert werden könne.

Folglich dürften Politiker, die sich "konsistent konservativ" zu Themen wie Einwanderung oder Steuern äußerten, mit "massiver Unterstützung" seinerseits rechnen.

Generell gebe es keine Zweifel am Vormarsch der Konservativen in Europa, sagte Grenell - und das sei eine "spannende Zeit" für ihn.

Einen europäischen Politiker nannte Richard Grenell im "Breitbart"-Interview explizit: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz.

Grenell: "Sebastian Kurz ist ein Rockstar"

Er halte den ÖVP-Chef und überzeugten Kritiker von Angela Merkels Flüchtlingspolitik für einen "Rockstar". "Ich bin großer Fan", erklärte der 51-Jährige.

Auch die Situation Deutschlands wurde in dem Gespräch thematisiert. Für Grenell steht das Thema des Familiennachzugs für Flüchtlinge momentan im Vordergrund.

Er nutzte hierfür die Bezeichnung "chain migration", also "Kettenmigration" - ein Ausdruck der in den Vereinigten Staaten sehr negativ konnotiert ist.

Scharfe Kritik an Grenells Aussagen

Scharfe Kritik am Interview des Botschafters ließ nicht lange auf sich warten. US-Senator und Demokrat Chris Murphy bezeichnete es als "furchtbar".

Für Grenells Verhalten zeigte er kein Verständnis. Diplomaten dürfen im Ausland überhaupt keine Partei "stärken", so Murphy. (fte)

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