• 13 Kinder in einem russischen SOS-Kinderdorf sind möglicherweise aus der Ukraine dorthin verschleppt worden.
  • Die Organisation geht deshalb nun gegen den russischen Mitgliedsverein vor.
  • Immer wieder gibt es seit Beginn des Ukraine-Kriegs Berichte von Zwangsumsiedlungen.

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Die Organisation SOS-Kinderdorf geht wegen Verschleppungsvorwürfen gegen ihren russischen Mitgliedsverein vor und hat alle internationalen Geldflüsse dorthin vorerst gestoppt.

Es gebe zwar keine Hinweise darauf, dass der örtliche Ableger SOS-Kinderdorf Russland selbst in die Zwangsumsiedlung von Kindern aus der Ukraine involviert sei, teilte die Organisation am Freitag in Innsbruck mit. "Gleichzeitig müssen wir nach wie vor davon ausgehen, dass 13 Kinder, die in einem russischen SOS-Kinderdorf betreut werden, Opfer von Zwangsumsiedlungen geworden sind."

Dachorganisation prüft Aberkennung der Marke

Es sei ein Prozess zur Suspendierung des russischen Vereins aus der internationalen Föderation von SOS-Kinderdorf eingeleitet worden. Als Gründungsland und weltweiter Markeninhaber habe SOS-Kinderdorf Österreich außerdem ein Markenprüfverfahren angestoßen, hieß es.

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gibt es immer wieder Berichte über die systematische Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland, die Moskau als Falschmeldungen zurückweist.

Ende Februar hatte das ZDF-Magazin "frontal" berichtet: Dem Magazin liegen demnach Bilder vor, die zeigen, wie ukrainische Kinder in die Siedlung Tomilino in der Nähe von Moskau gebracht werden. Dort seien sie offenbar russischen Pflegeeltern übergeben worden.

Die Siedlung Tomilino gehört seit 1990 zu den SOS-Kinderdörfern. Dieser Fall ist es nun auch, der die Dachorganisation in Österreich zum Handeln veranlasst hat. "SOS-Kinderdorf Russland kann keine Auskunft darüber geben, wie die Kinder nach Russland kamen und wie sie die russische Staatsbürgerschaft erlangten", teilte die Organisation im Februar mit.

Nach Recherchen von "frontal" besuchte die russische Kinderrechtsbeauftragte Maria Lvova-Belova im Dezember 2022 das SOS-Kinderdorf Tomilino. Ihre Behörde organisiere Zwangsadoptionen ukrainischer Kinder mit dem Ziel der Russifizierung, hieß es in dem Bericht. Während ihres Besuches seien Propagandabilder mit verschleppten ukrainischen Kindern entstanden. (dpa/afp/fab)

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • afp
  • sos-kinderdorf.at: Maßnahmen gegen russischen Mitgliedsverein eingeleitet
  • zdf.de: Die verschwundenen Kinder von Cherson
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