• Bundeskanzler Scholz und Frankreichs Präsident Macron haben zu einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg aufgerufen.
  • Ukraine-Präsident Selenskyj schlägt Verhandlungen in Jerusalem vor.
  • Die Menschen in den umkämpften Regionen der Ukraine stehen weiter unter Beschuss.

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Deutschland und Frankreich haben am Samstag zu einem sofortigen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg aufgerufen - aber die Bewohner im Großraum Kiew, in Mariupol und in anderen Städten müssen weiter um ihr Leben bangen. Aus mehreren Regionen wurden heftige Kämpfe gemeldet. Das russische Verteidigungsministerium sprach am 17. Tag des Krieges von Angriffen auf "breiter Front".

Bundeskanzler Olaf Scholz und der französische Präsident Emmanuel Macron setzten sich in einem Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eindringlich für einen Einstieg in eine diplomatische Lösung ein, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit mitteilte. Scholz habe am Samstag auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen.

Scholz und Macron fordern von Putin diplomatische Lösung des Konflikts

Dieser berichtete in mehreren Video-Auftritten und vor Journalisten von erheblichen Verlusten der Angreifer und dem "größten Schlag für die russische Armee seit Jahrzehnten". Inzwischen seien 12.000 russische Soldaten getötet worden. Die Verluste in den eigenen Reihen seit Kriegsbeginn gab er mit etwa 1.300 Soldaten an. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Selenskyj schlug Jerusalem als möglichen Ort für Verhandlungen über ein Kriegsende mit Putin vor. Sowohl Selenskyj als auch Putin hatten zuletzt wiederholt mit dem israelischen Regierungschef Naftali Bennett telefoniert, der vor einer Woche auch in Moskau war.

Evakuierung von Mariupol scheitert erneut

Die russische Armee teilte mit, bei Angriffen am Samstag seien 79 Militäranlagen zerstört worden, darunter vier Kommando- und Kontrollzentren der ukrainischen Streitkräfte. Auch seien ein ukrainischer Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 und drei Drohnen abgeschossen worden. Diese Angaben ließen sich nicht überprüfen. Russland behauptet, nur militärische Ziele und keine zivilen Objekte anzugreifen.

Hingegen erklärte der Gouverneur des Gebiets Mykolajiw, Witalij Kim, dass es in der Nacht zum Samstag Angriffe auf Krankenhäuser und Internate gegeben habe. Die russischen Kräfte hätten ihre Taktik geändert und versteckten sich in Dörfern zwischen Wohnhäusern. Mykolajiw liegt an der Mündung des Südlichen Bugs ins Schwarze Meer. Sollten russische Truppen die Stadt einnehmen oder umgehen, stünde ihnen der Landweg nach Odessa offen.

Weiter östlich zeichnete sich auch am Samstag keinerlei Entspannung für die etwa 400.000 Bewohner der belagerten Hafenstadt Mariupol ab. Dort stießen prorussische Separatisten mit Unterstützung russischer Truppen in östliche Randbezirke vor, wie die ukrainischen Streitkräfte mitteilten. Auch das russische Verteidigungsministerium meldete die Einnahme mehrerer Stadtteile.

Heftige Kämpfe rund um Kiew

Auch der fünfte Versuch eines Fluchtkorridors aus Mariupol blieb am Samstag erfolglos. 50 Busse hätten wegen Beschusses nicht abfahren können, sagte ein hoher Offizier des russischen Verteidigungsministeriums laut Nachrichtenagentur Interfax.

Auf anderen Korridoren kamen Evakuierungen nach Angaben beider Seiten aber zustande. Aus dem Gebiet Sumy mit den Städten Sumy, Lebedyn, Konotop, Trostjanez und mehreren Dörfern wurden laut Angaben der Regionalverwaltung mehr als 10.000 Menschen über den "Grünen Korridor" mit Bussen und Privatautos in Sicherheit gebracht.

Bei der Evakuierung eines Dorfes östlich von Kiew wurden nach Darstellung des ukrainischen Militärgeheimdienstes sieben Bewohner getötet. Die Dorfbewohner hätten Peremoha verlassen wollen, als es zu einem Beschuss gekommen sei, teilte der Geheimdienst am Abend mit. Die Ukraine machte russische Truppen dafür verantwortlich. Diese Angaben ließen sich nicht überprüfen.

Russische Truppen stoßen im Osten vor

Auch in den Ortschaften nordwestlich von Kiew kam es nach Medienberichten weiter zu heftigen Kämpfen, bei denen zumeist Artillerie eingesetzt wurde. Dort hat sich die russische Armee seit Tagen festgesetzt und versucht weiter, die Hauptstadt zu blockieren und in ihre Richtung vorzustoßen.

Im Osten des bedrängten Landes soll die umkämpfte Kleinstadt Isjum an der Grenze zum Donezker Gebiet laut ukrainischen Angaben bereits etwa zur Hälfte unter russischer Kontrolle stehen. Die angreifenden Truppen hätten sich im nördlichen Teil der Stadt verschanzt. Eine unabhängige Bestätigung dafür war nicht möglich.

Rund um die eroberte Stadt Wolnowacha im Donbass versuchten die russischen Truppen nach Kiewer Angaben, eine Offensive zu starten. Heftige Kämpfe habe es zudem um die Ortschaft Rubischne im Luhansker Gebiet gegeben. Ebenfalls im Osten der Ukraine nahmen die Angreifer nach russischen Angaben zahlreiche Ortschaften ein.

Russland warnt Westen vor Waffenlieferungen an Ukraine

Nach ukrainischen Militärangaben versuchen russische Truppen zudem, die nordostukrainische Stadt Tschernihiw aus südwestlicher Richtung zu blockieren. Selenskyj sagte, die Großstadt mit knapp 280.000 Einwohnern sei ohne Wasserversorgung.

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US-Präsident Joe Biden ordnete am Samstag die Freigabe von Waffenlieferungen und Militärhilfe für die Ukraine in Höhe von 200 Millionen Dollar (182 Millionen Euro) an. Biden hatte erst vor zwei Wochen - unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskriegs - Soforthilfen über 350 Millionen Dollar für die ukrainischen Streitkräfte bewilligt. Dem US-Verteidigungsministerium zufolge sind die damit bereitgestellten Waffen, darunter moderne Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ Javelin, inzwischen bereits an die Ukraine geliefert worden.

Russland warnte den Westen erneut vor Waffenlieferungen an die Ukraine. Konvois mit Rüstungsgütern könnten von russischen Streitkräften als militärisches Ziel angesehen werden, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow im Staatsfernsehen.

Internationale Hilfe für Flüchtlinge

Deutschland arbeitet nach Angaben von Außenministerin Annalena Baerbock gemeinsam mit internationalen Partnern an einer Art Luftbrücke für ukrainische Flüchtlinge aus Moldau. Ziel sei es, das Land zu entlasten und die Ankommenden in andere Staaten zu verteilen, sagte die Grünen-Politikerin nach einem Treffen mit ihrem Kollegen Nicu Popescu in der Hauptstadt Chisinau. Zugleich kündigte Baerbock an, die Bundesregierung werde in einem ersten Schritt 2.500 ukrainische Flüchtlinge aus Moldau direkt nach Deutschland holen.

In Polen werden an diesem Wochenende Sonderzüge eingesetzt, um Flüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland zu bringen. Der stellvertretende Innenminister Pawel Szefernaker sprach von jeweils neun Sonderzügen nach Deutschland, zusätzlich zu den acht regulären Zügen, die täglich zwischen Polen und Deutschland unterwegs ist.

In Berlin, Hamburg, Frankfurt und anderen deutschen Großstädten werden am Sonntag Zehntausende Menschen zu Anti-Kriegs-Demonstrationen erwartet. Bereits am 27. Februar, drei Tage nach Kriegsbeginn, hatten mehr als 100.000 Menschen in Berlin gegen den russischen Angriff demonstriert. (mt/dpa)

US-Präsident Biden

US-Präsident Biden: Wir müssen Dritten Weltkrieg verhindern

Eine direkte militärische Konfrontation in der Ukraine zwischen dem US-Militär und den russischen Streitkräften muss nach Ansicht von Präsident Joe Biden verhindert werden, damit es nicht zu einem "dritten Weltkrieg" kommt. Das US-Militär und die Nato-Partner werden "jeden Zentimeter" des Bündnisgebiets geeint und "mit voller Macht" verteidigen, schrieb Biden am Freitag auf Twitter. "Aber wir werden in der Ukraine keinen Krieg mit Russland führen. Eine direkte Konfrontation zwischen der Nato und Russland ist der dritte Weltkrieg - und etwas, das zu verhindern, wir uns bemühen müssen", schrieb der Demokrat. Die Ukraine ist kein Nato-Mitglied.