• Mit der russischen Offensive im Osten der Ukraine wurde seit Tagen gerechnet.
  • Der ukrainische Präsident Selenskyj bestätigte nun, dass die russischen Truppen den Kampf um den Donbass begonnen haben.

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Die seit Wochen erwartete russische Großoffensive im Osten der Ukraine hat begonnen: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Montagabend, die Regierung in Kiew könne "nun bestätigen, dass die russischen Truppen den Kampf um den Donbass begonnen haben, auf den sie sich seit langem vorbereiten". "Ein sehr großer Teil der ganzen russischen Armee wird nun für diese Offensive verwendet", sagte Selenskyj im Messengerdienst Telegram.

Zuvor hatte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, im Online-Dienst Facebook erklärt, die seit Wochen erwartete Offensive habe begonnen. "Es ist die Hölle. Die Offensive, von der wir seit Wochen sprechen, hat begonnen". Es gebe Kämpfe in Rubischne und Popasna und "unaufhörlich Kämpfe in anderen friedlichen Städten", fügte der Gouverneur hinzu.

Russische Armee hat wohl Kleinstadt Kreminna eingenommen

Kurz zuvor hatte der Gouverneur mitgeteilt, die russische Armee habe die Kleinstadt Kreminna eingenommen. In Kreminna habe es einen großen Angriff in der Nacht zum Montag gegeben, teilte Hajdaj in Online-Netzwerken mit. Die russische Armee sei dort "mit einer riesigen Menge an Kriegsmaterial einmarschiert", "Unsere Verteidiger haben sich auf neue Positionen zurückgezogen", fügte er hinzu.

Bei dem Versuch, in einem Auto aus Kreminna zu fliehen, wurden seinen Angaben zufolge vier Zivilisten von russischen Soldaten getötet. Ein weiterer Mensch sei verletzt worden.

Vier weitere Zivilisten starben rund 20 Kilometer östlich von Kreminna in der Region Donezk, wie der Regionalgouverneur Pawlo Kyrylenko auf Telegram mitteilte. Fünf weitere Menschen wurden demnach verletzt.

Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Oleksij Danilow, bestätigte die russische Offensive im Osten. "Fast an der ganzen Frontlinie im Gebiet der Regionen Donezk, Luhansk und Charkiw haben die Invasoren versucht, unsere Verteidigung zu durchbrechen", sagte er. "Zum Glück hält unsere Armee."

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Heftige Explosionen in Rubischne

An zwei Stellen habe die russische Armee die Verteidigung durchbrochen, fügte er hinzu: "Kreminna und eine andere kleine Stadt. Aber die Kämpfe dauern an. Wir geben unsere Gebiete nicht auf."

Die Kleinstadt Kreminna, die vor dem Krieg fast 20.000 Einwohner zählte, liegt rund 50 Kilometer nordöstlich der Großstadt Kramatorsk und ist von strategischer Bedeutung für die russischen Truppen. Kreminna liegt zudem in der Nähe der heftig umkämpften Stadt Rubischne, die sich derzeit unter russischer Kontrolle befindet.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten am Montag von heftigen Explosionen in Rubischne, die zum Teil Brände auslösten. Über der Stadt stiegen riesige Rauchwolken auf. Ukrainische Soldaten beschossen russische Stellungen in Rubischne vom etwa drei Kilometer entfernten Ort Nowodruschesk aus mit Artillerie und Mörsergranaten.

Ukrainisches Regiment in Mariupol fordert Korridor für Zivilisten

In der belagerten Hafenstadt Mariupol hat das Regiment "Asow" die Einrichtung eines eigenen Korridors für die Evakuierung von Zivilisten gefordert. Kommandeur Denys Prokopenko sagte in einer am Montag veröffentlichten Videobotschaft, das Gelände des Stahlwerks Asovstal werde von russischen Truppen mit Artillerie, bunkerbrechenden Bomben und Raketen angegriffen. Dazu wurden Bilder gezeigt - anscheinend aus einem Bombenschutzkeller auf dem Werksgelände mit Frauen und Kindern neben aufgehängter Wäsche zwischen Doppelstockbetten.

In dem Video sagt ein Junge: "Wenn geschossen wird, dann wackelt alles bei uns." Eine Frau spricht in die Kamera: "Uns wurde alles genommen. Lasst uns wenigstens noch etwas am Leben." Prokopenko forderte alle "zivilisierten Länder" auf, für die sofortige Evakuierung und den Schutz von Zivilisten und verwundeten Soldaten zu sorgen. Auch die Leichen von Soldaten sollten aus dem Werk herausgebracht werden.

Mariupol ist seit dem 1. März vollständig von russischen Truppen eingeschlossen und beinahe komplett erobert. In der weitgehend zerstörten Stadt sollen noch mehr als 100.000 Zivilisten ausharren. Mehrere Versuche der ukrainischen Regierung, eine organisierte Evakuierung aus der Stadt zu vereinbaren, scheiterten. (afp/dpa/fra)