Erstmals treffen sich US-Präsident Donald Trump und Kanzlerin Angela Merkel. Gebannt beobachtete die internationale Presse dieses Zusammentreffen im Weißen Haus. Die Gespräche verliefen ohne große Zwischenfälle. So reagierten die Medien.

Deutschland

  • Spiegel Online: "Das erste Treffen ist kein Husch-Husch Termin"

    "Es ist kein Husch-Husch-Termin. Die beiden sprechen unter vier Augen, sie haben ein Treffen mit Wirtschaftsgrößen organisiert, es gibt eine Pressekonferenz und ein gemeinsames Mittagessen. Beiden merkt man an, dass sie gewillt sind, sich einmal kennenzulernen. Es geht ums Abtasten.Wirklich herzlich geht es nicht zu, aber das tut es selten bei der Kanzlerin. Merkel ist vorsichtig. Als sie nach Trumps Stil gefragt wird, scheut sie sich, ihn direkt zu kommentieren, sagt nur, dass Politiker "eben unterschiedlich" seien. Ihr geht es in erster Linie darum, zu Trump eine solide Arbeitsbeziehung aufzubauen. Das zumindest scheint gelungen. Trump sagt zu, zum G-20-Gipfel nach Hamburg zu kommen. Und bei einer Reihe von Themen vereinbaren die beiden eine enge Abstimmung - etwa beim Kampf gegen den Terror oder bei der Suche nach einer Lösung für die weiter schwelende Ukrainekrise." (Zum Artikel)
  • Süddeutsche.de: "Was waren die Erwartungen?"

    "Bei jedem ersten Treffen geht es um Erwartungen. Das ist bei Vorstellungsgesprächen nicht anders als bei Dates oder Begegnungen von Spitzenpolitikern. Als die Kolonne an schwarzen Geländewagen um 11:39 Uhr vor dem Weißen Haus ankommt, sagt eine US-Reporterin: "Warum ist Merkel zu spät? Ihr Deutschen seid doch immer pünktlich." Vorurteile sind hartnäckig und die Spannung vor dem ersten Gespräch von Kanzlerin Merkel mit dem neuen US-Präsidenten ist hoch. (...)Wer ernsthaft von diesem ersten Kennenlernen erwartet hatte, dass Angela Merkel den dritten US-Präsidenten ihrer Amtszeit sofort für sich einnehmen kann, der dürfte wohl enttäuscht werden. Während sich die Bundeskanzlerin auf den Rückweg nach Berlin vorbereitet, steigt auch Donald Trump in ein Flugzeug: Die Air Force One bringt ihn in seinen Privatklub Mar-A-Lago in Florida, von wo aus Trump am allerliebsten und aus der Hüfte heraus twittert." (Zum Artikel)
  • Welt.de: "Trump und Merkel wirken nicht wie Freunde"

    "Sie wirkten ganz und gar nicht wie Freunde, die Kanzlerin und der Präsident, als sie am Freitag im Weißen Haus erstmals zusammen trafen. Oder wie Fremde, deren Chemie auf Anhieb stimmte. Aber, und das ist entscheidend, sie wirkten, trotz ihrer gänzlich unterschiedlichen Charaktere, nicht wie Feinde oder wie Menschen, die miteinander stumm würden. (...) Merkel strich die Bedeutung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses heraus, empfahl Deutschland weiter als Partner für die USA und bedankte sich beim Präsidenten für den Empfang im Weißen Haus. Nichts davon war sensationell, nichts ungewöhnlich. Aber in Zeiten eines so außergewöhnlichen Präsidenten wie es Donald Trump ist, wird mitunter die Normalität zur Sensation. Man ist nett zueinander, man behandelt sich wechselseitig passabel." (Zum Artikel)
  • FAZ.net: "Ein 'awkward' Moment"

    " 'Awkward' ist ein Wort, das Amerikaner oft und gerne verwenden. Es kann "peinlich", aber auch "unangenehm" oder "ungeschickt" bedeuten. Viele amerikanische Journalisten waren sich einig: Der erste gemeinsame Auftritt von Donald Trump und Angela Merkel im Oval Office sei ein "awkward moment" gewesen." (Zum Artikel)

Um die deutsch-amerikanischen Beziehungen steht es nicht zum Besten. Das erste Treffen zwischen den so unterschiedlichen Politikern Merkel und Trump kann nicht alle Spannungen beseitigen. Der Versuch eines Neustarts ist erkennbar - aber auch die künftigen Konfliktfelder.

Österreich

  • Die Presse: "Es geht nicht um Freundschaft sondern um Marktdominanz"

    "Leider geht es in der Wirtschaftspolitik aber nicht um Freundschaft, sondern um Marktdominanz, die Verteidigung von politischen Machtpositionen und wohl auch um Populismus für die Galerie. Trump beispielsweise würde seinen Wählern einen Schwenk von "America first" zu "Machen wir gemeinsam vernünftige Politik" wohl nur schwer verkaufen können.Wir steuern also wohl auf einen unschönen wirtschaftlichen Machtkampf der unterindustrialisierten USA mit ihren wichtigsten Lieferanten von Industriegütern zu. Ein Kampf, bei dem alle verlieren werden. Hoffen wir, dass offene Gesprächskanäle zwischen den wichtigsten Akteuren wenigstens die größten Kollateralschäden verhindern."

Schweiz

  • NZZ: "Eklat zwischen Merkel und Trump ist ausgeblieben"

    "Der Eklat ist - natürlich - ausgeblieben. Dies, obschon Präsident Trump im Wahlkampf über seinen Gast einige üble Dinge gesagt hatte und die deutsche Kanzlerin vor den Bundestagswahlen sicherlich noch einige weitere Bemerkungen über den amerikanischen Präsidenten wird machen müssen, wenn sie das Feld der in Deutschland verbreiteten Abneigung gegenüber Trump nicht ihrem Widersacher von der SPD überlassen will.Bundeskanzlerin Merkel und ihr Gastgeber im Weißen Haus versuchten aber auch nicht, Nähe vorzutäuschen. Man blieb im Ton und in der Körpersprache vielmehr auf respektvoller Distanz. Merkel rief den oft vergessenen Grundsatz in Erinnerung, dass gewählte Staats- und Regierungschefs vor allem die Interessen ihrer Staaten zu vertreten hätten, womit sie sich selber und auch Präsident Trump erlaubte, den Willen zu unterstreichen, diese Interessen wo immer möglich in einem Rahmen zu vertreten, der beiden, in vielem eng verbundenen Ländern Vorteile bringen würde."

USA

  • New York Times: "Trump gegen die letzte Bastion der liberalen Weltordnung"

    "Ms. Merkel stutzte kaum merklich, beschäftigte sich damit, ihre Unterlagen zu ordnen. Sie lächelte dünn und sagte nichts, als ob sie beschlossen hätte, sich nicht in Mr. Trumps politische Dramen hineinziehen zu lassen.So war es während Mr. Trumps gesamtem ersten Treffen mit Ms. Merkel, eine unbehagliche Begegnung, die die am genauesten beobachtete in seiner jungen Präsidentschaft war und einen übergroßen Symbolismus bekam: Der große Zerstörer tritt der letzten Verteidigerin der liberalen Weltordnung gegenüber.Welten trennen sie in Stil und Politik, doch Mr. Trump und Ms. Merkel wollten zeigen, dass sie zusammenarbeiten, als sie Seite an Seite im East Room des Weißen Hauses standen. Aber sie konnten den Graben, der sie beim Thema Handel, Einwanderung und einer Reihe anderer heikler Fragen trennt, nicht verbergen."
  • The Atlantic: "Merkels versteckte Schelte für Trump"

    "Was Merkel angeht, nutzte sie ihr eigenes Statement für eine versteckte Schelte für Trump, der in der Vergangenheit gesagt hatte, sie "ruiniere" Deutschland mit dem "katastrophalen Fehler" von einer Politik der offenen Tür für Flüchtlinge. "Ich habe im Vorfeld dieses Aufenthalts immer gesagt, es ist sehr viel besser, miteinander zu reden als übereinander. Und ich glaube, das hat unser Gespräch auch gezeigt", sagte Merkel.Das mag so sein, aber während der Pressekonferenz wurde wenig miteinander gesprochen; stattdessen schoss Trump aus der Hüfte und Merkel versuchte entweder, die Dinge zu glätten, oder sich herauszuhalten. Es war keine einfache Aufgabe."
  • "Politico": "Ignoriert Trump Merkels Aufforderung zum Händedruck?"

    "Präsident Donald Trump, der damit Schlagzeilen gemacht hat, als er mit Japans Ministerpräsident vor Reportern ganze 19 Sekunden lang die Hände geschüttelt hat, schien die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zu ignorieren, als sie einen Händedruck während ihres Besuches im Weißen Haus am Freitag vorschlug.In einem auf Video festgehaltenen Austausch sammeln sich Fotografen um Trump und Merkel im Oval Office (...) und schlugen vor, dass die beiden für die Kameras die Hände schütteln. Merkel, eine vom früheren Präsidenten Barack Obama hoch geschätzte Verbündete der USA, wandte sich an Trump und fragte: "Wollen Sie einen Handshake?". Trump, der das Gesicht zu verziehen schien, als er neben Merkel saß, antwortete nicht. Er blickte weiterhin geradeaus, als die Kameras liefen.Es ist unklar, ob Trump die Kanzlerin gehört hat, aber Videos von dem Austausch machten unmittelbar danach die Runde auf Twitter. Reporter bezeichneten es als 'peinlich'."

Das erste Treffen von US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel: Am Freitagabend haben die beiden erstmals gemeinsam eine Pressekonferenz gegeben. Hier einige zentrale Aussagen.

Großbritannien

  • The Times: "Das unbehagliche Treffen im Oval Office"

    "Die Körpersprache der zwei Spitzenpolitiker während einer unbehaglichen Begegnung im Oval Office sprach Bände. Sie fragte, ob er den Bitten von Fotografen um einen Händedruck nachkommen wolle, aber er hat sie entweder nicht gehört oder einfach ignoriert."
  • The Guardian: "Trumps bodenlose Unwissenheit über Außenpolitik"

    "Was direkte Begegnungen angeht, war es vorprogrammiert, dass diese entscheidend sein würde. Angela Merkel, Europas mächtigste, wertebezogene, Flüchtlinge willkommen heißende und Putin widerstehende Spitzenpolitikerin traf endlich Donald Trump, den potenziellen Zerstörer des Westens und der liberalen Demokratie. Merkels Ziel für das Treffen mit Trump: deutsche Autos verkaufen und nicht die Weltordnung retten. Der Unterschied hätte kaum krasser sein können, oder weniger auf dem Spiel stehen.Hier stieß eine ruhige, bedächtige und passionierte Europäerin mit einem Mann zusammen, dessen Unwissenheit über Außenpolitik bodenlos zu sein scheint und dessen Gehirn in 140 Zeichen langen Ergüssen von Vulgarität und Provokation zu funktionieren scheint. Die Fronten waren natürlich schon lange vor dem Besuch abgesteckt."

Belgien

  • De Standaard: "Besuch bei Trump ist für Merkel besondere Herausforderung"

    "Die Temperamente der beiden sind derart unterschiedlich, dass diese Beziehung für Merkel eine besondere Herausforderung darstellt. Wie soll die besonnene, kühl und schlicht wirkende Bundeskanzlerin mit dem impulsiven, selbstverliebten und oft exzentrischen Milliardär-Präsidenten umgehen? Und vor allem: Können die beiden überhaupt inhaltliche Übereinstimmungen finden? Es gibt unzählige Probleme, bei denen sie unterschiedlicher Auffassung sind. Migration und Flüchtlinge ist nur eines davon. Bei den Themen Russland, Nato, Europäische Union - Trump hat den Brexit bejubelt - sowie beim Klimawandel und beim Welthandel sieht das nicht anders aus."

Spanien

  • El País: "Merkel durfte bei Trump keine Schwäche zeigen"

    "Der Präsident der Vereinigten Staaten träumt davon, Mauern zu bauen. Die deutsche Kanzlerin hat am eigenen Körper die Diktatur hinter einer solchen Mauer erlebt. Aus dieser Distanz heraus haben beide versucht, eine Beziehung wieder herzustellen, die sich auf einem historischen Tiefpunkt befindet. (...) Merkel hatte auch die Wahl im September im Blick, wo jedes Ungleichgewicht tödliche Folgen für sie haben kann. Denn Trump ist in Deutschland höchst unbeliebt. (...)
  • Vor dem US-Präsidenten Schwäche zu zeigen, könnte viele Wählerstimmen kosten, aber sich zu weit zu entfernen ebenso. Darunter würde die Wirtschaft leiden. Deshalb hat Merkel einen Kurs der Äquidistanz (gleich großer Abstand) eingeschlagen."

Italien

  • Il Messaggero: "Ein frostiges Treffen von Merkel und Trump"

    "Ein erstes frostiges Treffen war das zwischen Angela Merkel und Donald Trump. Der Ton vor den Medien war höflich, aber nie enthusiastisch. Die Kommentare waren taktisch geeicht, aber nie warmherzig. Die beiden Führungsfiguren könnten keine unterschiedlichere persönliche und politische Geschichte haben. Das einzige, was sie zusammengeführt hat, sind die Interessen ihrer jeweiligen Länder."
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So lief das Treffen von Trump und Merkel ab

Kanzlerin Angela Merkel traf am Freitag zum ersten Staatsbesuch bei US-Präsident Donald Trump in den USA ein. Hier die Bilder der Begegnung.