US-Präsident Donald Trump ist erneut eines sexuellen Übergriffs beschuldigt worden. Ein ehemaliges Model warf Trump in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Guardian" vor, sie 1997 begrapscht und gewaltsam geküsst zu haben. Es ist ein Vorwurf unter vielen weiteren.

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Das Wahlkampfteam von Donald Trump hat Vorwürfe einer Amerikanerin zurückgewiesen, wonach der heutige US-Präsident sie 1997 beim Tennisturnier US Open in New York gegen ihren Willen geküsst und begrapscht haben soll.

Das frühere Model Amy Dorris äußerte ihre Vorwürfe in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der britischen Zeitung "The Guardian". Die Rechtsberaterin von Trumps Wahlkampfteam, Jenna Ellis, erklärte auf Anfrage: "Die Anschuldigungen sind völlig falsch." Es handele sich um einen weiteren "erbärmlichen Versuch", Trump kurz vor der Wahl am 3. November anzugreifen.

Dorris' Angaben zufolge verbrachten sie und ihr damaliger Freund im September 1997 mehrere Tage mit Trump in New York. Dieser habe von Beginn an mit ihr geflirtet. Als sie zusammen die US Open besuchten, soll Trump die damals 24-Jährige förmlich abgefangen haben, nachdem sie auf die Toilette gegangen war.

"Er schob mir einfach seine Zunge in den Hals und ich stieß ihn weg", sagte Dorris. Dann habe der damalige Immobilien-Mogul sie fester umgriffen, so dass sie sich nicht mehr befreien konnte. "Seine Hände waren überall. Auf meinem Hintern, meinen Brüsten, meinem Rücken, überall", berichtete die 48-Jährige. Sie habe ihn aufgefordert aufzuhören, aber "das war ihm egal".

Dorris: "Das passiert, wenn etwas Traumatisches passiert - man erstarrt"

Das Ex-Model war zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Übergriffs 24 Jahre alt. Trump war damals 51 und mit seiner zweiten Frau Marla Maples verheiratet.

Auf die Frage, warum sie sich in den Tagen danach weiterhin in Trumps Nähe aufhielt, antwortete Dorris: "Das passiert, wenn etwas Traumatisches passiert - man erstarrt."

Die heute 48-Jährige erklärte, sie wolle nicht länger schweigen. Lange Zeit habe sie die Episode verdrängt. Nun wolle sie ein Vorbild für ihre Töchter sein, die bald 13 Jahre alt würden, und ihnen zeigen, dass sie nichts mit sich machen lassen dürften, was sie nicht wollten. "Ich habe nichts getan, das ihn ermutigt hätte, mich zu berühren." Dorris stellte dem "Guardian" Fotos zur Verfügung, die Trump und sie in unverfänglichen Posen und unter anderem mit ihrem damaligen Freund zeigen.

27 Frauen haben Trump öffentlich sexuelle Übergriffe vorgeworfen

Das Wahlkampfteam des Präsidenten will rechtlich gegen die Veröffentlichung des "Guardian" vorgehen. Wie die "SZ" auflistet, haben nun 27 Frauen dem Republikaner öffentlich sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Sie hatten unter anderem berichtet, dass Trump ihnen in der Vergangenheit Küsse aufgezwungen oder sie begrapscht habe.

Die Autorin E. Jean Carroll wirft Trump vor, sie Mitte der 90er Jahre vergewaltigt zu haben. Andere Frauen berichteten von vergangenen Affären mit dem heutigen Präsidenten. Trump hat die Vorwürfe stets bestritten.

Weltweit Schlagzeilen hatte die ehemalige Pornodarstellerin Stormy Daniels gemacht, die nach ihren Angaben eine Affäre mit Trump hatte. Trump soll ihr und einer weiteren Geliebten im Wahlkampf 2016 Schweigegeld gezahlt haben. Vor Gericht wollte Daniels durchsetzen, über die geheime Beziehung sprechen zu dürfen. Doch ein Richter in Los Angeles wies ihre Klage im März 2019 ab.

Seiner Wahl zum US-Präsidenten im Jahr 2016 hat die Geschichte nicht geschadet. Die bisherigen Vorfälle lassen vermuten, dass auch die aktuellen Vorwürfe von Amy Dorris keinen Einfluss auf die Wahl nehmen werden. (dpa/AFP/lh)

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