Alexander Van der Bellen hat die Bundespräsidenten-Stichwahl deutlich vor dem FPÖ-Bewerber Norbert Hofer gewonnen. So kommentieren österreichische und internationale Medien den Sieg des Grünen-nahen Präsidenten:

  • "Die Presse": "Hofer war zu wenig seriös"

    "Norbert Hofer erwies sich als fairer Verlierer, er rief seine Fans auf, das Ergebnis zu akzeptieren und Ruhe zu bewahren. Man fragt sich einmal mehr, wie es sein konnte, dass der biedere Burgenländer – Typ: besserer Landespolitiker – zum europäischen Dämon hochstilisiert werden konnte. Wobei er schon einiges selbst dazu beigetragen hat. (...) Norbert Hofer hat aus sich und seiner Partei das Optimum herausgeholt. Letztlich war er im Vergleich zum Konkurrenten mit dem Habitus des Universitätsprofessors zu wenig seriös. Ein Befund, der auf die FPÖ in ihrer Gesamtheit zutrifft." Hier geht's zum Artikel.
  • "Kronen Zeitung": "Van der Bellen muss ehrliche Aussöhnung bieten"

    "Die Strategie der Angst vor jeder Veränderung ging auf. Norbert Hofer war als Gegenkandidat zu unösterreichisch, einfach zu Trump. Alexander Van der Bellen wird in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft jetzt aber Hunderttausenden Hofer-Wählern beweisen müssen, dass er ein Bundespräsident für alle Österreicher sein kann. Seine erste Aufgabe muss sein, diesem starken Lager eine ehrliche Aussöhnung anzubieten. Alles andere wäre katastrophal für unser Land. Wir Österreicher haben nach drei erbitterten Wahlschlachten eine Erholungsphase dringend nötig."

Nach elf Monaten Wahlkampf nähert sich die Bundespräsidentenwahl ihrem Ende: Am 4. Dezember treten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer in der verschobenen Wiederholung der Stichwahl erneut gegeneinander an. Alle Informationen, aktuelle News, Hochrechnungen und Ergebnisse hier live im Ticker.

In Österreich hat am Montagmorgen die Auszählung der Briefwahlstimmen begonnen. Diesmal haben die Behörden aber weniger Stress als bei der vergangenen Stichwahl im Mai.

  • "Der Standard": "Verankerung Österreichs in EU nicht infrage gestellt"

    "Mit Alexander Van der Bellen ist auch die Verankerung Österreichs in der EU nicht infrage gestellt. Denn Norbert Hofer hat nicht nur Aussagen zu einem möglichen Austrittsreferendum getroffen, sondern ist auch für eine Annäherung Österreichs an die sogenannten Visegrád-Staaten eingetreten, deren Vertreter wie Ungarns Regierungschef Viktor Orbán für einen autoritären Politikstil und eine Einschränkung demokratischer Rechte, wie sie die polnische Regierung vornimmt, stehen." Hier geht's zum Artikel.
  • "Kurier": "Populismus wird entzaubert"

    "Schließlich ist interessant, dass sich Österreich von dem Populismus-Trend vieler anderer Länder abgekoppelt hat. Der Brexit hat gezeigt, dass es einem Land schadet, wenn Politiker eine wunderbare Zukunft versprechen und kurz darauf eingestehen müssen, dass sie mit erlogenen Zahlen und Argumenten aufgetreten sind. Und die ersten Entscheidungen von Donald Trump zeigen, dass er sich um seine Wähler einen feuchten Kehricht schert und nur an seine superreichen Buddies denkt. Außerdem suchen die Menschen Stabilität, die bringt weder der Brexit noch Trump, Van der Bellen hat sie signalisiert. Der Populismus ist damit noch nicht vorbei, aber er wird entzaubert."

Deutschland

  • "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "FPÖ ist immer noch stärkste Kraft"

    "Die Niederlage ihres Kandidaten bedeutet sicher nicht, dass die FPÖ und ihre Themen in absehbarer Zeit aus der österreichischen Politik verschwinden werden. In Umfragen ist sie immer noch die stärkste Kraft. Man sollte Van der Bellens Wahlsieg als Entscheidung gegen Hofer verstehen, aber nicht als Rückbesinnung einer ganzen Nation auf die Ideale des linksliberalen 'juste milieu'." Hier geht's zum Artikel.
  • "Münchner Merkur": "Wenn es hart-auf-hart geht, halten Ösis zusammen"

    "Was die Amerikaner bei ihrer letzten Präsidentschaftswahl im November nicht geschafft haben, scheinen die Österreicher nun bewiesen zu haben. Man kann zwar unzufrieden mit der gesamten Politik sein, doch wenn es hart-auf-hart geht, dann halten die Ösis zusammen und wählen offenbar lieber den positiven, den besonnenen Kandidaten, anstelle des Dramatisierers und Egomanen, der mehr verspricht, als er zu halten vermag."
  • "Süddeutsche Zeitung": "Person mit glaubhaften Werten kann überzeugen"

    "Hofers Niederlage hat nun sicher nicht der populistischen Welle zwischen den Rocky Mountains und den Karpaten die Kraft genommen. Aber Van der Bellens Sieg hat gezeigt, dass eine Person, die Werte glaubhaft verkörpert, die gegen den neuen Nationalismus und die damit verbundene Anmaßung beharrlich Stellung bezieht, überzeugen kann." Hier geht's zum Artikel.

Großbritannien

  • "The Guardian": "Rechtspopulistischer Politiker eindeutig abgelehnt"

    "Österreich hat es eindeutig abgelehnt, dass erstmals ein rechtspopulistischer Politiker Bundespräsident wird - stattdessen wurde ein ehemaliger Parteichef der Grünen der offen, liberal ist und sich für die EU ausspricht, zum Staatsoberhaupt gewählt." Hier geht's zum Artikel.

USA

  • "New York Times": "Österreich widerspricht dem Trend"

    "Österreich scheint dem Trend zu widersprechen, dass Trumps Sieg eine populistische Haltung, die sich gegen das Establishment richtet, salonfähig gemacht hat. [...] Norbert Hofer hatte zuletzt gesagt, dass die US-Wahl der freiheitlichen Partei Auftrieb gegeben hätte." Hier geht's zum Artikel.
  • "Washington Post": "Schub für EU"

    "Die Niederlage des österreichischen Rechtsaußen-Kandidaten bei den Präsidentenwahlen ist ein unerwarteter Schub für die EU."

Schweiz

  • "NZZ": "Resultat zeigt Freiheitlichen Grenzen auf"

    "Das Wahlresultat zeigte den Freiheitlichen, die einer Mehrheitsfähigkeit so nahe kamen wie nie zuvor, ihre Grenzen auf. Das ist auch für Europa ein gutes Zeichen, wo der Aufstieg der Rechtspopulisten in den letzten Monaten geradezu als Naturgesetz erschien."

Frankreich

  • "Le Figaro": "Risse wieder schließen"

    "Auch wenn sein Amt symbolisch ist, der neue Präsident wird die Aufgabe haben, die Risse, die sich innerhalb der traditionellen politischen Parteien aufgetan haben, wieder zu schließen." (Sonntagabend)
  • "Les Echos": Keine Fortsetzung von Brexit und Trump

    Die österreichischen Wähler haben die Vorhersagen Lügen gestraft, die prophezeiten, dass sich nach der radikalen Wahl der Briten für einen Brexit und der Wahl von Donald Trump in den USA die populistische Welle in Europa fortsetzen würde."

Spanien

  • "El País": Aufatmen - aber Weckruf für ganz Europa

    "Der Sieg des progressiven Alexander Van der Bellen über den Kandidaten der extremen Rechten, Norbert Hofer, (...) lädt zum Aufatmen ein, aber er ist auch ein ernsthafter Weckruf für ganz Europa, das nun einige wichtige Lehren aus der Wahl ziehen sollte....In diesem Schicksalsjahr, in dem der Sieg der Demagogie des Brexit auf dem ganzen Kontinent extremistischen und ausländerfeindlichen Reden Flügel verliehen hat, ist die Entscheidung der Österreicher, Van der Bellen zu wählen - vor allem aber, Hofer nicht zu wählen - eine exzellente Nachricht für Europa und für alles, wofür es steht."

(rs/af/dpa)

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