Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen hat ein Videostatement einer 89 Jahre alten Wienerin veröffentlicht. Die Frau warnt vor Rechtspopulisten – und erzählt, dass sie mit Schrecken beobachtet, wie "das Niedrigste" aus dem Volk herausgeholt werde.

Die Geschichte von Gertrude aus Wien bewegt ganz Österreich. Die 89-Jährige berichtet, wie sie den Wahlkampf erlebt – die aktuelle Rhetorik der Rechtspopulisten erinnere sie stark an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Wie stehen die beiden Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer (FPÖ) und Alexander Van der Bellen (Grüne) zu den Themen dieser Tage – aus Sicht eines potenziellen Bundespräsidenten? Der ORF-Report hat beide Kandidaten zu einem Interview geladen.

Es werde "das Niedrigste" aus dem Volk herausgeholt, berichtet sie in dem Video, das Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen auf Facebook veröffentlicht hat. Besonders störe sie, dass Menschen bloßgestellt würden. "Als die Juden damals die Straßen reinigen mussten, haben sich Frauen und Männer hingestellt und gesagt: Schaut euch das an, wie lustig. Und das versucht man wieder rauszuholen aus den Menschen und das schmerzt."

Wie die "Welt" berichtet, war Gertrude 16, als sie mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren Brüdern nach Auschwitz deportiert wurde. Ihre gesamte Familie wurde getötet, die heute 89 Jahre alte Frau war die einzige Überlebende.

"Vernünftig" wählen

Als Heinz-Christian Strache vom Bürgerkrieg gesprochen habe, sei es ihr kalt über den Rücken gelaufen. Sie habe als Kind einen Bürgerkrieg erlebt. "Da habe ich meine ersten Toten gesehen – leider nicht die letzten. Und dann sagt ein Politiker, ein Bürgerkrieg sei möglich." Das gehe nicht.

Am Ende des Videos ruft Gertrude die jungen Menschen dazu auf, "vernünftig" zu wählen. Nur so könne man sicherstellen, dass es den Leuten in Zukunft gut gehe. (rs)