Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch führen die Linke in die Bundestagswahl 2017 und haben die Rollen klar verteilt: Sie sorgt für die Abgrenzung zur SPD, er für die Nähe.

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Beide sind in der DDR groß geworden, beide wollen "Die Linke" bei der Bundestagswahl mit einem klaren sozialen Profil erneut zur drittgrößten politischen Kraft in Deutschland machen.

Aber eigentlich war es das dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten: Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch sind ein ungleiches Duo. Zusammengerauft haben sie sich trotzdem.

Er managte den Studentenfasching, sie vergrub sich in Büchern

Dietmar Bartsch wuchs in Mecklenburg-Vorpommern auf, der Staat legte ihm keine Steine in den Weg. Schon ein Jahr nach dem Abitur trat er in die SED ein, legte seinen Grundwehrdienst ab und studierte Politische Ökonomie.

An der Uni war er offensichtlich ein geselliger Mensch, spielte Volleyball und "managte den Studentenfasching", wie der Vater von zwei Kindern auf seiner Homepage berichtet.

Bundestagswahl 2017: Die Spitzenkandidaten im Porträt

Sahra Wagenknecht fiel auf in dem Dorf bei Jena, in dem die Tochter eines Iraners aufwuchs. In Kindheit und Jugend war sie eine Einzelgängerin.

"Mit vier habe ich angefangen zu lesen, Kinderbibliotheken waren für mich wie Süßwarenläden", erzählte sie einmal in einem Interview mit der "Zeit".

Trotz ihres Wissensdurstes durfte sie später nicht studieren: Als die "militärische Vorausbildung" in der DDR sie krank machte, wurde ihr das als Protestaktion ausgelegt.

Die Strafe: Sie bekam einen Posten als Universitätssekretärin statt eines Studienplatzes.

Vor diesem Hintergrund ist es eher verwunderlich, wie die beiden Spitzenkandidaten heute zur DDR stehen: Dietmar Bartsch legte Linke-Mitgliedern, die sich nicht vom Mauerbau distanzieren wollen, 2011 den Parteiaustritt nahe.

Wagenknecht dagegen verteidigt Frauenförderung und Kinderbetreuung im sozialistischen Deutschland, sie war kurz vor dem Mauerfall noch in die SED eingetreten.

Sie als Anhängerin der DDR zu bezeichnen, würde trotzdem zu weit führen: Wagenknecht hat die Wende auf gewisse Weise als ihre "Rettung" bezeichnet. Nach dem Fall der Mauer konnte sie nämlich doch noch studieren.

An der Fraktionsspitze zusammengerauft

In der zweiten Reihe – erst der PDS, danach der Linkspartei – bereiteten sich die beiden auf ihren Sprung an die Spitze vor: Bartsch gab als Bundesgeschäftsführer den verlässlichen Verwalter, Wagenknecht als Europa- und später Bundestagsabgeordnete die Vertreterin der reinen sozialistischen Lehre.

Darauf müssen Sie bei der Abgabe Ihrer Stimme achten.

Dass die beiden eines Tages ein Team bilden würden, hätten die meisten Mitglieder und Beobachter vor fünf, sechs Jahren wohl noch für ausgeschlossen gehalten.

Realo Bartsch galt als Intimfeind des früheren Co-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, über den er gezielt Indiskretionen an den "Spiegel" lanciert haben soll.

Die stramme Linke Wagenknecht machte dagegen im Herbst 2011 ihre Beziehung zu Lafontaine öffentlich.

Als Bartsch und Wagenknecht im Oktober 2015 gemeinsam den Vorsitz der Bundestagsfraktion übernahmen, galt das als Wagnis. Doch die beiden rauften sich zusammen. Es gebe ein "Vertrauensverhältnis", so Wagenknecht.

Im Dezember 2016 überrumpelte das ungleiche Duo dann die eigene Partei, als die beiden ankündigten, nur gemeinsam als Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl antreten zu wollen.

Diskussionen über Wagenknechts Aussagen

Trotzdem stehen beide für unterschiedliche Strömungen in der Partei. Wagenknecht hat ihrem aktuellen Buch den Untertitel "Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten" gegeben.

Die europäische Einigung bezeichnet die 47-Jährige zwar als "großartige Idee", die EU aber hält sie für alles andere als erfolgreich.

Pazifismus, Asyl ohne wenn und aber, Reichensteuer - Ziele der Linkspartei.

"Wer ein geeintes Europa will, der darf es nicht zum Lohndrückerladen und zur Sozialkürzungsmaschine verkommen lassen", sagte sie vor kurzem im Bundestag.

Am umstrittensten in der Linken sind aber ihre Äußerungen zur Flüchtlingspolitik. Bei Angela Merkel sah sie eine "vielschichtige Mitverantwortung" für den Berliner Terroranschlag.

Nach den Silvesterereignissen in Köln sagte sie: "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht dann eben auch verwirkt."

In ihrer eigenen Partei sind viele der Meinung, dass sie AfD-Aussagen kopiert – bei einem Parteitag im Mai 2016 pfefferten ihr Vertreter einer "Antifaschistischen Initiative" eine Torte ins Gesicht.

Wagenknecht arbeitet sich aber vor allem an der SPD ab. Eine rot-rot-grüne Koalition schließt sie zwar nicht aus. Über SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagt sie aber: "Seine Vorschläge stellen den Kern der Agenda 2010 nicht in Frage und würden weder die Altersarmut noch den großen Niedriglohnsektor eindämmen."

Dietmar Bartsch dagegen fordert lieber "mehr Steuergerechtigkeit" als Steuererhöhungen. Er wurde vom "Tagesspiegel" schon als "Lieblingslinker der deutschen Sozialdemokratie" bezeichnet, zu Sigmar Gabriel wie zu Martin Schulz hat der 59-Jährige dem eigenen Bekunden nach ein gutes Verhältnis.

Während Wagenknecht also dafür zuständig ist, die Linke zum SPD-Menschenfischer Schulz abzugrenzen, will Bartsch dafür sorgen, dass eine rot-rot-grüne Koalition trotzdem möglich bleibt.