Große Überraschung bei der SPD: Nicht Sigmar Gabriel geht bei der Bundestagswahl 2017 als Kanzlerkandidat gegen Angela Merkel ins Rennen, sondern Martin Schulz. Die Reaktionen auf Gabriels Verzicht fallen unterschiedlich aus.

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Es ist eine überraschende Entwicklung: Sigmar Gabriel verzichtet bei der Bundestagswahl 2017 auf eine Kanzlerkandidatur, stattdessen soll Martin Schulz versuchen, Angela Merkel abzulösen.

Bayerns Finanzminister Markus Söder bezeichnete die voraussichtliche Kanzlerkandidatur des bisherigen EU-Parlamentspräsidenten als "Paukenschlag". "Es zeigt die große Not der SPD", sagte Söder der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München. Zugleich sieht Söder darin eine größere Herausforderung für die Union. "Natürlich ist Schulz als Parteivorsitzender gefährlicher, da er nicht an die Kabinettsdisziplin gebunden ist", erklärte der CSU-Politiker.

CSU-Chef Horst Seehofer wertet Schulz' voraussichtliche Kanzlerkandidatur als zusätzliche Herausforderung für CDU und CSU. Die Bundestagswahl sei "die Mutter aller Wahlen" und ohnehin schon eine schwierige Wahl. Durch die Personalentscheidungen bei der SPD sei es für die Union "keineswegs leichter geworden", sagte Seehofer der dpa.

Man müsse sich nun mit der neuen Situation ernsthaft auseinandersetzen. Jetzt sei es besonders wichtig, dass die Union keine Fehler mache. "Eigentore dürfen keine passieren, jetzt noch weniger", betonte Seehofer.

Linke sieht Schulz skeptisch - Grüne äußern sich positiv

Die Linke sieht eine SPD-Kanzlerkandidatur Schulz' skeptisch. Die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger äußerten Zweifel, dass die Entscheidung zu einem "Politikwechsel für soziale Gerechtigkeit und weg von der großen Koalition und ihrer verfehlten Politik bedeutet".

Grünen-Chef Cem Özdemir gewann einer Kandidatur des 61-Jährigen dagegen Positives ab. "Martin Schulz steht zweifelsohne für einen proeuropäischen Kurs", sagte er der "Rheinischen Post". Er sei allerdings gespannt, wie Schulz die großen Herausforderungen in der Umwelt- und Klimapolitik und bei der notwendigen ökologischen Modernisierung der Wirtschaft anpacken möchte.

Die europäischen Grünen fordern Schulz auf, sich für ein Ende der Sparpolitik in Europa einzusetzen. Die "Unterwürfigkeit" der SPD gegenüber der Wirtschaftspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse ein Ende haben, erklärte ihr Chef Reinhard Bütikofer in Brüssel.

Schulz müsse dafür sorgen, dass Positionen europäischer Partner wieder Gehör fänden. Und er müsse die SPD "im Konflikt mit den autoritären Staatslenkern in Moskau und Washington eindeutig positionieren", meinte der Europaabgeordnete.

Ausgewählte Twitter-Reaktionen von Politikern und Journalisten

Die wegen ihrer Äußerungen zum Vorgehen der Polizei in der Kölner Silvesternacht kritisierte Simone Peter von den Grünen bedankt sich bei Gabriel:

Katrin Göring-Eckardt, die die Grünen zusammen mit Cem Özdemir in den Wahlkampf führen wird, respektiert Gabriels Entscheidung:

Ähnlich nette Worte gibt es von Familienministerin Manuela Schwesig - kein Wunder, gehört sie derselben Partei wie Gabriel an:

Grünen-Urgestein Jürgen Trittin zollt Gabriel ebenfalls Respekt und wendet sich in seinem Tweet auch den kommenden SPD-Kanzlerkandidaten:

Die Meinung der Grünen scheint einhellig zu sein:

Dass der Tweet von AfD-Chefin Frauke Petry weniger freundlich ausfällt, überrascht nicht:

Auch FDP-Chef Christian Lindner ist von der Entscheidung der SPD nicht angetan:

CDU-Generalsekretär Peter Tauber äußert sich sehr diplomatisch:

Neues Selbstbewusstsein bei der SPD:

Journalist und Buchautor Hugo Müller-Vogg stellt diese provokante Frage in den Raum:

SPD-Vize Ralf Stegner nimmt die ganze Sache mit einer Prise Humor:

Die "Bild" verkündete vor einigen Wochen Gabriel als SPD-Kanzlerkandidaten - dafür gibt es von Online-Chef Julian Reichelt nun die Entschuldigung:

(dpa/tfr)