Union und SPD empfehlen die Aufnahme von Koalitionsgesprächen. Das teilten die Parteichefs mit. Was Merkel, Seehofer und Schulz über das Sondierungsergebnis sagen.

Alle Gremien von Union und SPD sowie die große Gruppe der rund 40 Sondierer haben das 28-seitige Sondierungspapier einstimmig abgesegnet.

Zuvor hatten die Partei- und Fraktionschefs in einem nächtlichen Sondierungs-Marathonsitzung die Voraussetzungen für die Aufnahme der Verhandlungen geschaffen und ein Einigungspapier vorgelegt.

Martin Schulz: "Hervorragende Ergebnisse"

Die SPD-Spitze empfiehlt nun Koalitionsverhandlungen mit der Union. "Ich glaube, dass wir hervorragende Ergebnisse erzielt haben", sagte SPD-Chef Martin Schulz.

Der Aufnahme von Koalitionsgesprächen muss ein am 21. Januar geplanter Parteitag der SPD allerdings erst noch zustimmen.

Schulz erklärte weiter, die Parteien hätten "miteinander gerungen" und "turbulente Momente" erlebt, die Verhandlungen hätten aber "zu keiner Zeit auf der Kippe gestanden".

Horst Seehofer: Kein "Weiter so"

CSU-Chef Horst Seehofer wünschte Schulz "ohne Ironie" viel Glück für den Parteitag. Er hoffe, Schulz möge seine Partei von einer Neuauflage der GroKo überzeugen können.

Seehofer strebt eine Regierungsbildung "noch vor Ostern" an.

Er zeigte sich "hochzufrieden" über das Ergebnis der Sondierungen. Damit hätten Union und SPD auch "die richtige Antwort" auf das Ergebnis der Bundestagswahl gegeben, sagte er weiter.

Grundlage der Sondierungsarbeit sei gewesen, dass ein "Weiter so" nicht gehe und den Bürgern ein Signal zu geben sei: "Wir haben verstanden".

Angela Merkel: "Papier des Gebens und Nehmens"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem "Papier des Gebens und des Nehmens, wie es sein muss, das dann für unsere Gesellschaft einen breiten Bogen aufspannt."

Weiter sagte sie, dass es intensive, ernsthafte und tiefgehende Sondierungen gewesen seien.

Die Ergebnisse seien nicht oberflächlich, sie drückten vielmehr aus, "dass wir ernsthaft daran arbeiten, heute und in dieser Legislaturperiode die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir auch in 10 und 15 Jahren gut in Deutschland leben können".

Es gehe um umfassende soziale Sicherheit und Zukunftsinvestitionen in das Land und besonders die Familien und Kinder.

Sie versprach, eine mögliche Große Koalition werde "an vielen Stellen in politischen Entscheidungen schneller werden".

Sie kündigte unter anderem zügige Investitionen in die Energiewende, die Digitalisierung, die Infrastruktur und das Bildungswesen an.

"Die Welt wartet nicht auf uns", sagte Merkel auch mit Blick auf Europa. "Mir ist nicht bange, dass wir Lösungswege gerade auch mit Frankreich finden werden."

Welche Kompromisse Union und SPD getroffen haben, lesen Sie hier.

(mcf/cai/dpa)

Vertreter von Union und SPD haben in den Sondierungsverhandlungen einen Durchbruch erzielt. In einem 28-seitigen Papier wurden maßgebliche Kompromisse getroffen.