Die SPD verteidigt bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ihren Status als stärkste Partei, muss aber Verluste hinnehmen. Die rechtspopulistische AfD zieht erstmals in den Landtag ein und überholt sogar die CDU. Die Linke schafft es ebenfalls in den Schweriner Landtag, die Grünen müssen noch zittern. So reagieren Vertreter der jeweiligen Parteien auf die Landtagswahl.

  • SPD-Generalsekretärin Katarina Barley hat das Wahlergebnis ihrer Partei in Mecklenburg-Vorpommern als großen Erfolg von Ministerpräsident Erwin Sellering gewürdigt. "Er hat das auch verdient", sagte sie am Sonntagabend in Berlin. Der Sieg werde "Schwung für die Berlin-Wahl in zwei Wochen und für Michael Müller" geben. Die Entscheidung über eine mögliche Koalition mit der CDU oder aber über Rot-Rot-Grün werde nun in Schwerin getroffen, betonte Barley.
  • Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel will mit einem "Solidarpakt" für mehr soziale Sicherheit Wähler wieder für die SPD gewinnen. Die Kernfrage nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sei: "Wie sorgen wir dafür, dass der Ärger von Menschen, die Verunsicherung, dass der nicht bei der AfD landet?", sagte Gabriel am Sonntag in der ARD. Es gehe darum, wieder mehr Sicherheit zu schaffen, und zwar nicht nur innere Sicherheit - Schutz vor Kriminalität und Terror -, sondern auch soziale Sicherheit. Als Beispiel nannte er die Altersversorgung: "Es ist mühsam mit der CDU, aber wir werden die Mindestrente in dieser Periode auf der Tagesordnung haben."
  • Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat nach dem Sieg der SPD bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern die künftige Koalition offen gelassen. "Wir wollen eine stabile Regierung bilden, die auf sozialen Zusammenhalt setzt", sagte die SPD-Bundesvize am Sonntagabend. Ihre Partei sei offen für verschiedene Bündnisse, erklärte die in Schwerin lebende Politikerin.
  • Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner führt den Wahlerfolg der AfD auf politische Fehler der Bundeskanzlerin zurück. Er sprach von einer "schweren persönlichen Niederlage" von Angela Merkel.
  • Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry sieht im Erfolg ihrer Partei bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern vor allem ein Signal gegen die bisherigen Landtagsparteien. Die AfD habe aus allen Parteien Wähler für sich gewinnen können, sagte Petry am Sonntag. "Das liegt daran, dass sie die Wähler zu lange nicht gehört haben", sagte sie. Dass ein Teil der Wähler von der NPD zur AfD gewandert ist, wollte sie nicht als Problem sehen.

    Leif-Erik Holm: "Anfang vom Ende Angela Merkels"

  • Der AfD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, hält den Wahlerfolg seiner Partei für historisch. "Wir schreiben hier in Mecklenburg-Vorpommern Geschichte", sagte der frühere Radiomoderator am Sonntagabend in Schwerin. "Es ist das Sahnehäubchen, die CDU von Platz zwei zu verdrängen." Die AfD liegt nach den ersten Hochrechnungen bei über 21 Prozent, die CDU bei gut 19 Prozent. "Vielleicht ist das heute der Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels", sagte Holm. "Das muss unser Ziel sein." Mecklenburg-Vorpommern sei das neunte Bundesland mit einer AfD-Fraktion im Landtag. Holm kündigte eine konstruktive Mitarbeit im Parlament an, "in welcher Konstellation auch immer".
  • CDU-Generalsekretär Peter Tauber führt die schwere Schlappe seiner Partei bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf weit verbreiteten "Unmut und Protest" in der Bevölkerung zurück. Dies habe offensichtlich zu großen Teilen "mit der Diskussion über die Flüchtlinge" zu tun, sagte er am Sonntagabend in Berlin. "Dieses Ergebnis und das starke Abschneiden der AfD ist bitter", sagte Tauber.
  • Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wurde nach Aussage des parlamentarischen Geschäftsführers der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer (CDU), auch mit der Politik im Bund abgerechnet. "Die große Koalition sollte ein Stück weit auch abgestraft werden", sagte Grosse-Brömer am Sonntagabend im ZDF. "Das haben wir auch zur Kenntnis genommen." Neben landespolitischen Themen habe sicherlich auch ein Stück weit die Berliner Politik eine Rolle gespielt.
  • Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat das Wahlergebnis der Liberalen in Mecklenburg-Vorpommern als Rückschlag auf dem Weg in die Parlamente bezeichnet. "Das ist eine Niederlage heute, ganz klar", sagte der Chef der seit 2013 auch nicht mehr im Bundestag vertretenen Partei am Sonntagabend in Berlin. Die FDP war im Nordosten erneut an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Immerhin habe man "nicht an die AfD verloren", allerdings auch nicht die klare Abgrenzung von der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung vermitteln können, sagte Lindner.
  • Der baden-württembergische FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Schuld am Erfolg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Das Wahlergebnis sei vollständig von ihrer Flüchtlingspolitik überlagert. "Frau Merkel schickt sich mit ihren Fehlern und ihrer Sturheit an, die Radikalen immer stärker zu machen. Nun hat sie es offensichtlich geschafft, dass im ersten Bundesland die AFD sogar die CDU überholt", sagte Rülke am Sonntagabend in Stuttgart