Das Bündnis aus SPÖ und ÖVP ist seit 1945 dominierend in Österreich. Die beiden Volksparteien kommen auf rund 45 gemeinsame Jahre an der Macht. Die Chronologie einer Problem-Ehe.

Seit 2007 sind SPÖ und ÖVP nach einer Koalitionsphase von ÖVP und FPÖ wieder zusammen, zuletzt mit knapper Mehrheit bei der Parlamentswahl 2013 bestätigt.

Doch gegenseitiges Misstrauen machte Sachpolitik schwer. Das waren die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Jahre:

  • 29. September 2013: Nationalratswahl

Die Nationalratswahl beschert ÖVP und SPÖ historische Tiefstände. Die Partner kommen gemeinsam mit 50,8 Prozent nur noch knapp zu einer Mehrheit.

  • 12. Dezember 2013: Koalition steht

Zehn Wochen nach dem Urnengang einigen sich die beiden Volksparteien auf eine Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit. Die Koalition gilt schnell als "Zwangsehe" zum Zweck des Machterhalts.

  • 26. August 2014: Spindelegger hört auf

Der ÖVP-Parteichef, Vizekanzler und Finanzminister Michael Spindelegger tritt von allen Funktionen zurück. Seine Entscheidung begründet er mit Streit um die Steuerreform und fehlender Loyalität. Sein Nachfolger an der ÖVP-Spitze wird Reinhold Mitterlehner. Die Rochade wird als erhoffter Neubeginn bewertet.

  • 17. März 2015: Steuerreform

Das Kabinett beschließt eine umfassende Steuerreform. Die Einigung gilt als wichtige Voraussetzung für den Fortbestand der im Stimmungstief steckenden Koalition.

  • 5. Juni 2015: Historische Koalition im Burgenland

Die sozialdemokratische SPÖ geht auf Landesebene erstmals eine Koalition mit der rechten FPÖ ein. Die neue rot-blaue Regierung im Burgenland gilt in Teilen der SPÖ als Tabubruch.

  • 24. April 2016: Verheerende Präsidentschaftswahlen

Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen ist eine Ohrfeige für die Volksparteien. Erstmals in der Geschichte der Alpenrepublik schafft es keiner der Kandidaten von SPÖ und ÖVP in die Stichwahl.

  • 9. Mai 2016: Faymann-Rücktritt

Werner Faymann, der seit Langem mit mangelndem Rückhalt in der Partei kämpfen musste, tritt als Regierungschef und SPÖ-Vorsitzender zurück.

  • 17. Mai 2016: Kern wird Kanzler

Bahnchef Christian Kern wird neuer SPÖ-Vorsitzender und Bundeskanzler. Der 50-Jährige gilt als Macher-Typ mit hohen Sympathiewerten. Die Koalition steckt zur Halbzeit der Legislaturperiode weiter im Stimmungstief.

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Österreichs Kanzler: Vom Sonnenkönig bis zum Bahn-Manager

Der Countdown läuft, Österreich wird bald einen neuen Kanzler haben - oder bleibt es Christian Kern? In die Tradition würde es passen: Seit 1970 stellen die Sozialdemokraten den Kanzler - mit einer Ausnahme. Ein Überblick über die Regierungschefs der vergangenen Jahrzehnte.

  • 11. Januar 2017: Kerns Grundsatzrede

Kern stellt seinen "Plan A" für Österreich vor. Die groß inszenierte Grundsatzrede wird vielfach als inoffizieller Wahlkampfauftakt gewertet. Kern arbeitet auch mit dem Bespielen sozialer Medien an seinem Polit-Profil und versucht deutlich mehr Bürgernähe als seine Vorgänger zu zeigen. In den Umfragen lohnt sich das: Die SPÖ überrundet in Umfragen erstmals die FPÖ.

  • 24. Januar 2017: Ultimatum an ÖVP

SPÖ-Chef Kern stellt der ÖVP ein Ultimatum. "Wir müssen Ergebnisse auf den Tisch legen, sonst braucht es diese Regierung nicht mehr." In einer TV-Diskussionssendung bricht er außerdem eine Lanze für die Rechtspopulisten von der FPÖ: "Die Freiheitlichen (FPÖ) und wir sind die einzigen Parteien, die Veränderungen in Österreich wollen."

  • 29. Januar 2017: Zusammenarbeit geht weiter

SPÖ und ÖVP einigen sich auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit samt Arbeits-Pakt mit gemeinsamen Projekten.

  • 8. Mai 2017: "Versagen als Kanzler"

Der konservative Innenminister Wolfgang Sobotka wirft Kern in einem Interview "Versagen als Kanzler" vor.

  • 10. Mai 2017: Mitterlehners Rückzug

Vizekanzler, Wirtschaftsminister und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner tritt zermürbt von Koalitionsquerelen und beschädigt durch parteiinterne Ablöse-Szenarien zurück.

  • 14. Mai 2017: Bündnis vor dem Aus

Außenminister Sebastian Kurz verkündet als neuer designierter ÖVP-Chef praktisch das Ende des Bündnisses.

  • 1. Juli 2017: Kurz neuer ÖVP-Chef

Kurz wird mit 98,7 Prozent zum neuen Chef der ÖVP gewählt. Die Delegierten segneten auch neue Statuten ab, die ihm eine große Machtfülle gewähren. Der Außenminister tritt mit einer eigenen "Liste Sebastian Kurz - die neue Volkspartei" an und hat die Parteifarbe von Schwarz auf Türkis geändert. In den Umfragen zieht die ÖVP an allen Parteien vorbei und liegt nun klar an erster Stelle.

  • 2. August 2017: Wahlkampfprogramm der SPÖ

Die Sozialdemokraten wollen laut ihrem Wahlkampfprogramm mit sicheren Renten, einem gerechteren Lohn und mehr Steuergerechtigkeit bei den Stimmberechtigten punkten.

  • 14. August 2017: Beginn Silberstein-Affäre

Die SPÖ trennt sich von ihrem Berater Tal Silberstein, nachdem er in seiner Heimat Israel wegen des Vorwurfs der Geldwäsche festgenommen wurde. Die Aufdeckungen der Aktivitäten Silbersteins stürzen die Sozialdemokraten in den kommenden Wochen in eine tiefe Krise.

  • 30. September 2017: Ende für Niedermühlbichler

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler tritt wegen einer aus den Reihen der Partei lancierten Schmutzkampagne gegen ÖVP-Chef und Außenminister Sebastian Kurz zurück. Organisiert hat die Schmutzkampagne auf Facebook Tal Silberstein - angeblich ohne Wissen der Parteiführung.

  • 6. Oktober 2017: Schlammschlacht eskaliert

Höhepunkt des gegenseitigen Misstrauens und der Schlammschlacht sind die Anzeigen von ÖVP (wegen Verhetzung) und SPÖ (wegen Bestechung und Spionage) an die Adresse der jeweils anderen Seite.

In einer aktuellen Umfrage von "Meinungsraum.at" exklusiv für GMX.at liefern sich Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Noch immer wissen fast 20 Prozent der Wahlberechtigten, nicht, welcher Partei sie am Sonntag ihre Stimme geben werden.


© dpa