Österreichs Kanzler: Vom Sonnenkönig bis zum Bahn-Manager

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Der Countdown läuft, Österreich wird bald einen neuen Kanzler haben - oder bleibt es Christian Kern? In die Tradition würde es passen: Seit 1970 stellen die Sozialdemokraten den Kanzler - mit einer Ausnahme. Ein Überblick über die Regierungschefs der vergangenen Jahrzehnte. © dpa

Fred Sinowatz (1983-1986): Der SPÖ-Chef regierte mit der FPÖ in einer Koalition.
Franz Vranitzky (1986-1997), der "Sir", regierte kurz mit der FPÖ weiter, bis es zum Bruch kam und die große Koalition mit der ÖVP begann. Die SPÖ kam 1990 noch auf 42,8 Prozent, die ÖVP wählten 32,1 Prozent. Die Zustimmung sank bei der nächsten Wahl auf 34,9 Prozent für die SPÖ und auf 27,7 Prozent für die ÖVP.
Viktor Klima (1997-2000): Der ehemalige Manager übernahm die Partei und regierte mit der ÖVP bis 1999. Damals blieb die SPÖ mit schweren Verlusten knapp an erster Stelle. Kurz vor der Jahrtausendwende erhielt die SPÖ 33,2 Prozent aller Stimmen, die FPÖ und die ÖVP jeweils 26,9 Prozent.
Wolfgang Schüssel (2000-2007): Der erste konservative Kanzler seit Jahrzehnten kam nach dem dritten Platz bei den Wahlen mit Hilfe der FPÖ an die Macht. Die Koalition löste international Empörung aus. 2006 kam die SPÖ mit 35,3 Prozent wieder an die Macht, vor der ÖVP mit 34,3 Prozent. Die nach öffentlich ausgetragenen Querelen und einer Parteiabspaltung geschwächte FPÖ erreichte nur noch 11 Prozent. Schüssel wurde auch der "Schweigekanzler" genannt, was zum "Wort des Jahres" 2005 gekürt wurde.
Alfred Gusenbauer (2007-2008) zog sich nach seiner kurzen Zeit als SPÖ-Chef und vorzeitig ausgerufenen Neuwahlen aus der Politik zurück. Die SPÖ gewann den Urnengang mit 29,3 Prozent vor der ÖVP mit fast 26 Prozent. Die FPÖ erstarkte wieder mit 17,5 Prozent.
Werner Faymann (2008-2016): Der SPÖ-Chef stand einer erneuten großen Koalition mit der ÖVP vor - die Regierung galt als antriebslose Zwangsehe. Faymann musste schließlich wegen parteiinternen Drucks zurücktreten. Die Volksparteien fuhren bei der Wahl 2013 ihre bisher schlechtesten Ergebnisse ein: Die SPÖ lag bei 26,8 Prozent, die ÖVP bei 24 Prozent. Die FPÖ erzielte 20,5 Prozent.
Christian Kern (seit 2016): Der smarte Bahn-Manager wurde am Beginn als Retter der Sozialdemokratie und der politischen Kultur des Landes gepriesen. Kern kämpfte aber zunehmend mit dem politischen Alltag, stolperte über interne Probleme und trägt eine Mitverantwortung an der Schmutzkampagne im Wahlkampf.
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