Reaktionen auf den Sturm auf das US-Kapitol: "Moment großer Ehrlosigkeit"

Auf der ganzen Welt haben sich Politiker und Prominente geschockt über den Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol in Washington gezeigt. Auch Trumps Vorgänger sind entsetzt. Viele sehen einen Angriff auf die Demokratie. Ein Überblick.

Der gewählte US-Präsident Joe Biden: "Das Kapitol zu stürmen, Fenster einzuschlagen, Büros zu besetzen, den Senat der Vereinigten Staaten zu besetzen, durch die Schreibtische des Repräsentantenhauses im Kapitol zu stöbern und die Sicherheit ordnungsgemäß gewählter Beamter zu bedrohen, ist kein Protest. Es ist Aufruhr".
Wie Biden weiter sagte sei er "schockiert und traurig, dass unsere Nation - so lange Leuchtfeuer und Hoffnung für Demokratie - an so einem dunklen Moment angekommen ist."
Der republikanische Senator Mitt Romney: "Was hier heute passiert ist, war Aufruhr, angestiftet vom Präsidenten der Vereinigten Staaten". Romney bezeichnete Trump als selbstsüchtigen Mann mit verletztem Stolz. "Diejenigen, die sich dafür entscheiden, seinen gefährlichen Schachzug weiter zu unterstützen, indem sie die Ergebnisse einer legitimen, demokratischen Wahl anfechten, werden für immer als Komplizen bei einem beispiellosen Angriff auf unsere Demokratie angesehen werden".
Ivanka Trump bezeichnete die Teilnehmer der Proteste in Washington auf Twitter zunächst als "Patrioten". Nach kritischen Kommentaren löschte sie den Tweet allerdings wieder und schrieb: "Friedlicher Protest ist patriotisch. Gewalt ist inakzeptabel und muss aufs Schärfste verurteilt werden."
Der frühere US-Präsident George W. Bush zeigte sich Entsetzt von den Szenen im US-Kapitol. "So werden Wahlergebnisse in einer Bananenrepublik angefochten - nicht in unserer demokratischen Republik." Den Sitz des US-Parlaments hätten Menschen gestürmt, die durch "Unwahrheiten und falsche Hoffnung" aufgestachelt worden seien. "Ich bin entsetzt über das rücksichtlose Verhalten einiger politischer Anführer seit der Wahl", so Bush.
Der deutsche Außenminister Heiko Maas schrieb am Mittwochabend auf Twitter: "Trump und seine Unterstützer sollten endlich die Entscheidung der amerikanischen Wähler*Innen akzeptieren und aufhören, die Demokratie mit Füßen zu treten."
Die Feinde der Demokratie würden sich über die "unfassbaren Bilder" aus Washington freuen. Aus aufrührerischen Worten würden gewaltsame Taten - auf den Stufen des Reichstages, und nun im Capitol. "Die Verachtung demokratischer Institutionen hat verheerende Auswirkungen."
Bundesfinanzminister Olaf Scholz beklagte den "unerträglicher Anschlag auf die Demokratie". "Präsident Trump hat das Land tief gespalten - nun zeigt sich, wie sehr", so Scholz.
"Wenn in einer der ältesten Demokratien der Welt die Anhänger eines scheidenden Präsidenten mit Waffeneinsatz die legitimen Ergebnisse einer Wahl in Frage stellen, dann wird das universelle Prinzip ´ein Mensch, eine Stimme` attackiert“, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einer Video-Botschaft. "Heute stellt sich Frankreich mit Kraft, Inbrunst und Entschlossenheit an die Seite des amerikanischen Volkes."
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz: "Wir müssen dies als das bezeichnen, was es ist: ein absichtlicher Angriff eines amtierenden Präsidenten und seiner Anhänger auf die Demokratie, die versuchen, eine freie und faire Wahl zu stürzen!"
Der britische Regierungschef Boris Johnson verurteilte die Proteste auf Twitter. "Schändliche Szenen im US-Kongress. Die Vereinigten Staaten stehen in aller Welt für Demokratie, und nun ist entscheidend, dass es zu einer friedlichen und geordneten Machtübertragung kommt."
EU-Ratschef Charles Michel schrieb auf Twitter: "Die Szenen von heute Nacht in Washington, D.C. zu beobachten, ist ein Schock." Der US-Kongress sei "ein Tempel der Demokratie". "Wir vertrauen den USA, dass sie eine friedliche Machtübergabe zu Joe Biden sicherstellen."
Auch Josep Borrell, Außenbeauftragter der EU, verurteilte die Unruhen in Washington. "In den Augen der Welt erscheint die amerikanische Demokratie heute Abend unter Belagerung", schrieb er auf Twitter. Er sprach von einem "beispiellosen Angriff auf die US-Demokratie, ihre Institutionen und den Rechtsstaat".
"Ich hoffe, dass alle unsere Politiker heute auf der Seite der Wähler stehen", mahnte Hollywood-Star und Ex-Gouverneur von Kalifornien Arnold Schwarzenegger. "Ich werde das überwachen", schrieb er auf Twitter.
"Wo ist die Nationalgarde? Wo sind die Gummigeschosse? Warum wird diese Meute nicht verhaftet", kritisiert Filmemacher Michael Moore, während Trump-Anhänger für Chaos und Verwüstung im Herzen der US-Demokratie verursachen.
"Dies ist ein Staatsstreichversuch, um einen Reality-TV-Star an der Macht zu halten", schrieb Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter. Niemand solle sich jetzt wundern, denn schon seit Monaten würden sie davor warnen, dass der scheidende US-Präsident Donald Trump zur Gewalt anstifte.
"Stellt euch vor, das wären unsere Leute gewesen", so Schauspieler und Trump-Kritiker Mark Ruffalo auf Twitter: "Dann würden Bäche von Blut durch die Straßen fließen und keiner von uns wäre bewaffnet." Der Schauspieler äußerte unter dem Hashtag #Staatsstreich die Vermutung, dass die Protestierenden freie Hand gehabt hätten.
Trump hatte seine Anhänger bei einem Auftritt kurz vor dem Marsch auf das Kapitol mit Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug angeheizt. Er behauptet seit zwei Monaten entgegen allen Fakten, dass er die Präsidentenwahl am 3. November gewonnen habe.
Der amtierende US-Präsident Donald Trump: "Das sind Dinge und Ereignisse, die passieren, wenn ein heiliger Erdrutschsieg so unvermittelt und gemein entrissen" werde, schrieb Trump auf Twitter. Opfer des Wahlbetrugs seien die "großartigen Patrioten", die seit langem unfair behandelt würden, klagte er. (Mit Material der dpa)