Bio kaufen, das Auto stehen lassen, weniger Fleisch essen – theoretisch wissen wir, dass und wie wir unser Leben ändern müssen, um uns und unseren Planeten zu retten. Aber irgendwie klappt es nicht. Mit diesen Tipps gelingt der Anfang und sie kosten noch nicht einmal Geld. Denn die Welt zu retten beginnt im Kopf.

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Artensterben, Plastik im Meer, Abholzung der Regenwälder, Klimakrise, steigende soziale Ungerechtigkeit – langsam aber sicher scheinen uns die Probleme über den Kopf zu wachsen. Damit 2020 endlich das Jahr wird, in dem wir unseren Planeten retten, gibt es hier sechs einfache Tipps, wie der Anfang gelingt.

1. Machen Sie sich erst einmal einen Tee!

Natürlich muss es kein Tee sein, wichtig ist lediglich, dass Sie sich einmal eine ruhige Stunde gönnen und über Ihre Art zu leben nachdenken. Fragen Sie sich: Was macht Sie denn wirklich glücklich? Was gehört zu einem guten Leben? Ist es wirklich das neueste Smartphone, das dicke Auto, die angesagtesten Klamotten? Glücklicher wird unser Leben dadurch oft nicht, nur voller.

Versuchen Sie einmal, sich und die Mechanismen hinter Ihrem Handeln zu verstehen. Warum will ich denn eigentlich wirklich den riesigen Geländewagen, wenn es doch nur darum geht, von A nach B zu kommen? Vergessen Sie dabei nicht, dass Firmen Millionen in Marketing investieren, damit wir wollen, was sie haben.

Das Gute ist: Wir können das, was vermeintlich so wichtig, cool und begehrenswert ist, auch umdeuten, denn die meisten Wünsche sind nur Kopfsache. Heute ist es der SUV, den alle (vermeintlich) toll finden, morgen ist es nachhaltige Mobilität wie Carsharing oder das Fahrrad. Lassen Sie lieber Nachhaltigkeit cool sein und seien Sie wieder Herr über Ihre eigenen Wünsche!

CO2-Vergleiche, die verblüffen

Wo verbirgt sich die größte CO2-Schleuder? Die Antwort ist wohl für jeden ernüchternd, der gerne im Netz surft - denn allein der Stromverbrauch des Internets verursacht so viel Kohlendioxid wie der weltweite Flugverkehr.

2. Fürchten Sie sich vor dem Richtigen!

Das Artensterben, die Klimakrise oder die Vermüllung der Meere sind sehr abstrakt, uns geht es ja (noch) gut. Wie viel näher scheinen da ganz andere Sorgen? Laut einer aktuellen Studie über die Ängste der Deutschen belegen "Überforderung des Staates durch Flüchtlinge", "Spannungen durch Zuzug von Ausländern" und "Gefährlichere Welt durch Trump-Politik" die ersten drei Plätze. Die Klimakrise kommt erst auf Platz zwölf.

Machen Sie sich klar, dass die Klimakrise eine elementare Bedrohung der Menschheit ist. Es geht nicht darum, Sorgen kleinzureden, sondern Risiken objektiv einzuordnen, echte von unbegründeten und vor allem kurzfristige von langfristigen Ängsten zu trennen. Wenn der Dachstuhl brennt, fängt man ja auch nicht an, die alten Wände zu tapezieren, sondern holt den Schlauch, denn sonst ist irgendwann das Haus niedergebrannt. Und gerade sind wir durch unseren Lebensstil dabei, unser eigenes Haus zu verlieren – der Dachstuhl lodert schon.

3. Akzeptieren Sie es!

Wenn Sie unseren Planeten retten wollen, dann akzeptieren Sie, dass manches nicht mehr geht. Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir alles machen können, an die unendliche Freiheit: Essen, wann, was und wo immer wir wollen, zum Sommerurlaub nach Griechenland fliegen, Klamotten zum Billigstpreis kaufen.

Aber: Wir haben uns von den Folgen unseres Handelns entkoppelt. Dabei hat all unser Tun Konsequenzen, den Preis zahlen wir früher oder später. Gratiskäse gibt es nur in der Mausefalle.

Natürlich fällt es schwer, Gewohntes nicht mehr oder anders zu machen, aber es ist kein schlechteres Leben, wenn wir alles ein bisschen weniger machen können. Denken Sie langfristig: Noch haben wir einen kleinen Spielraum, unser Verhalten zu ändern, aber er wird immer kleiner. Irgendwann werden wir uns sowieso einschränken müssen, weil es gar nicht mehr anders geht. Je länger wir warten, umso radikaler werden die Verbote ausfallen müssen.

Apropos Verbote: Verbote waren schon immer ein Mittel der Politik und an den richtigen Stellen helfen sie uns bei Dingen, die wir offenbar freiwillig nicht selbst hinbekommen. Heute redet ja auch kein Mensch mehr über den Sinn einer Gurtpflicht.

4. Halten Sie durch!

Wir leben in einem System, das es uns unglaublich schwermacht, nachhaltiger zu leben. Der Bioladen ist zu weit weg, die Familie will nicht mitziehen, die Zeit sitzt uns im Nacken, kurz: Es ist furchtbar anstrengend, sein Verhalten zu ändern.

Hinzu kommt, dass wir in Automatismen leben. Das ist einerseits gut, denn ohne Automatismen, also Handlungen, über die wir nicht mehr nachdenken müssen, wäre unser Leben schrecklich anstrengend. Gleichzeitig fällt es uns dadurch auch schwer, automatisiertes Verhalten zu ändern. Das Gute ist: Wir können uns auch umprogrammieren.

Fangen Sie mit kleinen Schritten an und wiederholen Sie Ihr neues Verhalten so lange, bis es zur neuen Routine wird. Machen Sie erst dann den nächsten Schritt, so überfordern Sie sich nicht und bleiben motiviert. Und die Familie? Sie muss ja nicht gleich mitmachen, aber sie kann Ihnen dabei helfen. Suchen Sie sich also Verbündete!

5. Nutzen Sie Ihre Macht!

Sie fühlen sich angesichts der Klimakrise klein und glauben, dass Sie alleine ja doch nichts ausrichten können? Das ist verständlich, aber: Sie sind nicht alleine! Es gibt viele, viele andere Menschen, die auch etwas tun möchten und bereits tun: in Vereinen, Bürgerinitiativen oder anderen NGOs. Suchen Sie sich das aus, was Ihnen am Herzen liegt und engagieren Sie sich – und sei es nur eine Stunde im Monat. So viel Sie eben können.

Vergessen Sie dabei nicht, welche Macht Sie außerdem noch haben. Politik und Unternehmen haben den weitaus größeren Hebel für Veränderungen, tun sich aber schwer mit der Umsetzung. Zeigen Sie Politik und Wirtschaft, dass Sie bereit für Veränderungen sind, ja sogar vorangehen. Gehen Sie wählen, demonstrieren Sie auf der Straße, erheben Sie Ihre Stimme – nutzen Sie Ihre Macht.

6. Seien Sie der Anfang!

Wir müssen uns ändern. Besser also, wir gestalten die Veränderung mit, bevor wir keine Alternative mehr haben. Jeder für sich und alle zusammen. Betrachten Sie nachhaltiger zu leben daher nicht als Verzicht – das ist es nicht. Sehen Sie sich lieber als Teil einer neuen Generation des Aufbruchs.

Die ersten eigenen Schritte mögen klein sein, aber erstens helfen auch die und zweitens wird aus ein bisschen langsam immer mehr. Denn Ihr Handeln dient als Vorbild. Jede Veränderung braucht ein paar Mutige, die vorangehen, der Rest wird folgen.

Sie müssen dabei nicht perfekt sein, das geht ohnehin nicht. Lassen Sie sich also nicht von der Größe der Aufgabe abschrecken, sondern fangen Sie mit dem ersten Schritt an. Außerdem: Was ist denn die Alternative? Nichtstun? Das haben wir schon lange genug gemacht. Also los jetzt! Ab heute wird die Welt gerettet.