Bier auf Wein? Nie durcheinander trinken? Alkoholmythen auf dem Prüfstand: Was stimmt wirklich?

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Wenn man einen Cocktail mit einem Strohhalm trinkt, wird man viel schneller betrunken. Aber warum ist das so? Oder stimmt das etwa gar nicht? Wir haben uns einige Mythen über Alkohol und den Konsum vorgenommen und gefragt: Welche stimmen wirklich?

Wir alle kennen diesen Spruch: "Bier auf Wein, das lass sein. Wein auf Bier, das rat' ich dir!" Doch bisher konnte noch niemand nachweisen, dass daran wirklich ein Fünkchen Wahrheit steckt. Es ist vollkommen egal, in welcher Reihenfolge Sie trinken - am Ende zählt nur der Alkoholgehalt.
Gleiches gilt für den Spruch: "Wer durcheinander trinkt, wird schneller betrunken." Das ist Unsinn. Es kommt nicht auf die Reihenfolge der Getränke an, sondern auf die Menge, die insgesamt konsumiert wird. Sie sorgt für den Kater am nächsten Morgen.
Werden Frauen schneller betrunken als Männer? Das ist tatsächlich so. Grund dafür ist die weibliche Leber, die den Alkohol langsamer abbaut als die männliche. Außerdem ist der Flüssigkeitsgehalt im Körper einer Frau geringer als bei einem Mann. Dadurch verteilt sich der Alkohol auf weniger Flüssigkeit. Bei gleicher getrunkener Menge ist die Blutalkohol-Konzentration in Promille folglich höher als bei Männern.
Alkohol hilft beim Einschlafen. Wirklich? Einerseits ja, denn ein Schlummertrunk beruhigt tatsächlich das Nervensystem, und man schläft schneller ein. Doch Alkohol zu später Stunde hat auch Nachteile: Der Schlaf ist unruhiger. Da der Körper den Alkohol wieder abbauen muss, kann man schlechter durchschlafen. Ein Schlummertrunk geht auf Kosten der Schlafqualität.
Trinkt man seinen Drink durch einen Strohhalm, wird man schneller betrunken - kann das stimmen? Longdrinks oder Cocktails genießt man gerne mit Strohhalm - und ruckzuck ist der Drink weg. Faktisch wird man aber nicht schneller betrunken, denn der Alkoholgehalt im Glas bleibt gleich. Das Tempo macht den Unterschied: Wer einen Strohhalm im Drink hat, läuft Gefahr, schneller zu trinken - und wird deswegen schneller betrunken.
Nach dem Essen ein Schnaps - das hilft der Verdauung und lindert das Völlegefühl, heißt es. Aber stimmt das wirklich? Ja und nein. Alkohol verlangsamt nämlich eher die Verdauung, als dass er sie unterstützt. Allerdings hat der Schnaps eine entspannende Wirkung auf die Muskulatur, also auch den Magen, ein angenehmeres Gefühl stellt sich ein.
Alkohol wärmt von innen - ein weit verbreiteter Irrglaube. Durch den Konsum alkoholischer Getränke weiten sich die Blutgefäße, die Haut wird besser durchblutet. Die so entstehende Wärme wird nach außen abgegeben, die Körpertemperatur verringert sich. Man hat zwar das Gefühl, der Alkohol würde wärmen, in Wirklichkeit kühlt der Körper allerdings aus.
Grundlage schaffen - also vor dem Trinken viel und fett essen, dann bleibt man länger nüchtern - stimmt das? Es stimmt! Bei vollem Magen dauert es länger, bis der Alkohol ins Blut gelangt. Das Essen verhindert allerdings nicht, dass der Alkohol überhaupt aufgenommen wird. Das fette Essen hilft nur, nicht so schnell betrunken zu werden.
Nach dem Feiern schnell einen Kaffee trinken und dann ans Steuer setzen? Auf keinen Fall! Kaffee oder eine kalte Dusche machen uns vielleicht frischer, beim Alkoholabbau helfen sie allerdings nicht. Der Körper braucht trotzdem seine Zeit, um den Alkohol wieder abzubauen.
Geübte Trinker vertragen mehr? Es stimmt, dass Menschen, die regelmäßig trinken, sich weniger betrunken fühlen, als andere, die Alkohol nicht gewohnt sind. Das bedeutet, dass die Toleranz zunimmt. Allerdings ist das keinesfalls etwas Gutes - im Gegenteil, es ist ein Warnsignal des Körpers. Und auch wenn das Gehirn sich gewöhnt und das Betrunkenheitsgefühl später einsetzt - die Leber gewöhnt sich nicht und baut den Alkohol immer im selben Tempo ab.
Weißwein ins Risotto, Rotwein ins Gulasch - Alkohol ist oft Bestandteil beim Kochen. Aber der Alkoholgehalt verdunstet sowieso - oder etwa nicht? Tatsächlich verdampft er, da sein Siedepunkt bereits bei circa 80 Grad Celsius liegt. Wie viel Alkohol wirklich verkocht, hängt von der Kochzeit ab - je länger, umso geringer der Restalkoholgehalt. Doch selbst nach zweieinhalb Stunden Kochzeit kann das Essen immer noch bis zu fünf Prozent Alkohol enthalten.