Der Spielzeughersteller Mattel ruft Millionen von Babywiegen zurück. Der Hintergrund: In dem Modell sollen binnen zehn Jahren mehr als 30 Säuglinge gestorben sein. Dennoch reagierte der Hersteller offenbar zögerlich auf die Forderung, das Produkt vom Markt zu nehmen.

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Der US-Spielzeughersteller Mattel ruft weltweit Millionen von Babywiegen der Marke Fisher-Price zurück. Betroffen seien die 4,7 Millionen im Umlauf befindlichen Exemplare der Babywiege "Rock 'n Play Sleeper", teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Der Hintergrund: Die amerikanische Verbraucherorganisation Consumer Reports (CPSC) hatte zuvor berichtet, dass nach ihren Untersuchungen seit 2009 mindestens 32 Kinder durch die "Rock 'n Play Sleepers" ums Leben kamen.

"Dieses Produkt ist tödlich"

Die Organisation beschrieb Fälle aus den USA, bei denen Säuglinge in ihren Wiegen erstickten. Die Amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) forderte schon am vergangenen Dienstag den sofortigen Rückruf. "Dieses Produkt ist tödlich", sagte AAP-Präsident Kyle Yasuda.

"Es gab Todesfälle von Säuglingen in "Rock 'n Play Sleepers", nachdem sich die Säuglinge vom Rücken auf den Bauch oder auf die Seite drehten und nicht festgeschnallt waren, oder unter anderen Umständen", schrieb die CPSC. Verbraucher sollten die Wiegen ab sofort nicht mehr benutzen.

Einer der traurigen Fälle ist jener von Ezra Overton. Der fünf Monate alte Junge war im Dezember 2017 erstickt, nachdem er sich in der Baby-Wiege umgedreht hatte. Vater Keenan Overton schilderte vor wenigen Tagen im Fernsehsender CNN die Ereignisse. Die Wiege habe im Wohnzimmer gestanden, er habe direkt daneben auf dem Sofa geschlafen. "Als ich aufwachte, hatte er sich schon in dem Sitz umgedreht und war tot."

Fisher-Price spricht von freiwilligem Rückruf

Fisher-Price - Tochterunternehmen von Mattel - betonte gleichwohl, dass das Produkt sicher sei. Es handle sich um "einen freiwilligen Rückruf aller Exemplare" der Babywiege nach den Berichten, wonach Säuglinge in der Wiege ums Leben kamen, als sie nicht mit den Sicherheitsgurten angeschnallt gewesen seien, schrieb das Unternehmen bei Twitter.

Man habe gemeinsam mit der Verbraucherschutzkommission entschieden, dass der freiwillige Rückruf die beste Vorgehensweise sei.

Keenan Overton und seine Frau Evan empfanden diese Stellungnahme als Schlag ins Gesicht. "Es fühlt sich an, als würden die Eltern missachtet", sagte Evan Overton dem Sender CNN bei dem Interview vor wenigen Tagen. Ihr Mann Keenan klagte: "Es ist so frustrierend zu sehen, dass die Schuld auf die Eltern abgewälzt wird." Es sei verrückt und mache ihn wütend, dass der Sitz für sicher erklärt werde, obwohl er das nicht sei.

Auch Consumer Reports kritisiert das zögerliche Verhalten des Herstellers. "Es bedurfte zäher Untersuchungen und der Stimmen von Ärzten, Opferfamilien und Anwälten im ganzen Land, um diesen Rückruf Wirklichkeit werden zu lassen. Der Kongress muss der CPSC genauer auf die Finger schauen und sicherstellen, dass sie die Aufpasserin ist, auf die sich die Verbraucher verlassen können", sagte die Präsidentin von Consumer Reports, Marta Tellado.

Auch Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz betroffen

Die "Rock'n Play"-Wiege lässt sich über verschiedene Anbieter aus den USA importieren. Vergleichbare Modelle werden auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt.

Auf Anfrage der Redaktion teilte Mattel mit, Kunden, die ihre Wiege zurückgeben möchten, könnten die Firma über die Mailadresse service.de@mattel.com kontaktieren.

Der Kundenservice (0800/7898797 aus Deutschland; 0800/102307 aus Österreich; 0800/282846 aus der Schweiz) ist werktags zwischen 8.30 Uhr und 13 Uhr besetzt.

(mcf/afp/dpa)

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