Viele Kinder gehen nachts in das Schlafzimmer ihrer Eltern und machen es sich dort bequem, anstatt in ihrem eigenen Bett im Kinderzimmer zu schlafen. Trägt man das Kind anfangs noch zurück, wird irgendwann aus dem Elternbett ein Familienbett – obwohl das Kind schon lange kein Baby mehr ist. Oft reagieren ältere Generationen darauf mit Unverständnis. Der Anklagepunkt lautet, dass das Kind übermäßig verwöhnt und dadurch nicht zur Selbstständigkeit erzogen wird. Aber ist diese Behauptung wahr?

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"Nein", sagt Barbara Weber-Eisenmann, Diplompädagogin, Bloggerin und Buchautorin von "Ich kann das schon" gegenüber dem Online-Portal leben-und-erziehen.de. Es habe nichts mit Selbstständigkeit zu tun, in welchem Bett das Kind schlafe – sondern nur mit seinem Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. "Das eigenständige Schlafen kommt irgendwann dazu, hat aber nichts mit der grundsätzlichen Eigenschaft eigenständig sein zu tun", erklärt Weber-Eisenmann.

Selbstständigkeit bei Kindern: Tipps für Eltern

Im täglichen Leben könnten sowohl Kinder, die alleine schlafen als auch solche, die das Bett der Eltern bevorzugen, genauso unabhängig oder unselbstständig sein wie ihre jeweiligen Gegenstücke. Kinder folgen hier immer ihrem eigenen Rhythmus. Selbstverständlich spiele da auch die Persönlichkeit eine Rolle. "Eltern können aber die Selbstständigkeit in vielen Bereichen fördern und unterstützen, indem sie ihrem Kind so viel wie möglich zutrauen und selbst machen lassen", empfiehlt die Expertin. Ein spielerischer Ansatz könne dabei helfen, Kinder zur Eigenständigkeit zu motivieren.

Wenn ein Kind sich etwa nicht alleine anziehen möchte, könnte dies daran liegen, dass es am Morgen noch zu erschöpft ist oder den körperlichen Kontakt mit seinen Eltern vermisst. Manchmal helfe in so einem Fall eine Kleiderstraße, in der die Kleidungsstücke schon in der richtigen Reihenfolge auf dem Boden liegen und das Kind nur noch in diese hineinschlüpfen muss, so die Pädagogin. Die Ankleidezeit werde dadurch spielerischer gestaltet und wenn die Nähe zu den Eltern trotzdem erhalten bleibe, führe das dazu, dass das Anziehen immer besser funktioniere.   © dpa/bearbeitet durch ella

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