Der Fernverkehr der Deutschen Bahn lag vor rund zwei Wochen in Norddeutschland komplett still. Der Grund: durchtrennte Kommunikationskabel. Jüngste Recherchen legen nahe, dass die Täter:innen sicherheitsrelevante Informationen aus dem Internet hatten – bereitgestellt auf Websites der DB.

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Vor gut zwei Wochen wurden bei der Deutschen Bahn wichtige Kommunikationskabel durchtrennt. Die Folge: An einem Samstag stand der Fernverkehr der Bahn in Norddeutschland zeitweilig komplett still. Es soll sich um Sabotage gehandelt haben. Laut einem Bericht könnten die Verantwortlichen wichtige Informationen in Vorbereitung auf den mutmaßlichen Angriff frei zugänglich aus dem Internet haben.

Unbekannte hatten wichtige Kommunikationskabel der DB in Berlin und auch in Nordrhein-Westfalen zerstört. Der mutmaßliche Angriff beschäftigt derzeit den Generalbundesanwalt. Wie der Spiegelberichtet, gehen Sicherheitsexpert:innen davon aus, dass die Täter:innen umfangreiches technisches Wissen gehabt haben müssen. Es bleibt die Frage: woher?

Massenhaft sicherheitsrelevante Informationen frei verfügbar?

Der Spiegel hat nach eigenen Angaben Bahn-interne Weisungen, Konzepte und Produktfreigaben ausgewertet – sie alle sollen frei zugänglich im Internet zugänglich gewesen sein. "Mutmaßliche Saboteure können dort massenhaft sicherheitsrelevante Informationen über die Deutsche Bahn finden", heißt es in der Recherche.

Demnach bedarf es nur wenige Klicks, um auf den Internetseiten des Konzerns an Hunderte Seiten zu Themen wie "Elektro- und maschinentechnische Anlagen", "Leit- und Sicherungstechnik" sowie "Telekommunikation" zu gelangen. Das betreffende Portal wird laut Spiegel von der DB Kommunikationstechnik GmbH betrieben. Es ist sowohl im Intranet für private Eisenbahnverkehrsunternehmen als auch im Internet aufrufbar.

"Aus diesen Informationen kann man schließen, welches Werkzeug man braucht, um das Kabel zu beschädigen"

Ein ehemaliger Mitarbeiter der DB Netz AG sagt: "Laut Bahn-internem Regelwerk müssen alle eingesetzten Komponenten freigegeben und in diesen Listen aufgeführt sein".

Tatsächlich findet sich unter den öffentlich verfügbaren Dokumenten auch ein Papier, dass due Glasfaserkabel der Deutschen Bahn detailliert beschreibt. Darunter finden sich Namen, Adressen und Fertigungsstätten der Lieferanten. Ein weiteres Dokument soll dem Spiegel zufolge den Aufbau der Glasfaserkabel beschreiben: die verwendeten Werkstoffe und die Kriterien, die ein Kabel bei der Werkabnahmeprüfung erfüllen muss. Das heißt: die Anzahl der Schläge, die es ohne Aufplatzen des Mantels aushalten muss, oder welchem Temperaturwechsel es ohne Beschädigung standzuhalten hat.

Der ehemalige DB-Netz-Mitarbeiter sagt dazu: "Aus diesen Informationen kann man schließen, welches Werkzeug man braucht, um das Kabel zu beschädigen." Für eine Sabotage reichten sie alleine jedoch nicht aus; die Informationen würden aber für eine mögliche Vorbereitung helfen.

Kabel, die verhindern, dass Züge kollidieren

Laut Bericht sind solche Kabel sowohl für die Kommunikation wichtig, als auch für die Sicherheitssysteme, die verhindern, dass Züge kollidieren.

Warum die DB Netz AG, die Infrastrukturtochter der Deutschen Bahn, derart sensible Daten ins Internet stellt, ergründet sich der Spiegel wie folgt: "Die staatseigene DB Netz AG soll deshalb laut Gesetz dafür sorgen, dass alle Teilnehmer das über 33.000 Kilometer große Schienennetz nutzen können. Dazu gehört, die notwendigen Informationen bereitzustellen, zum großen Teil online."

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Deutsche Bahn weist Vorwürfe zurück

Die DB selbst wiegelt die Recherchen ab. "Einzelne Detailinformationen" seien zur "grundsätzlichen Informationen und Abnahmeprüfungen" da – und "bei Weitem nicht ausreichend" für Angriffe wie den vom 8. Oktober.

Man wolle aber gemeinsam mit der Bundespolizei verstärkt an "technischen und konzeptionellen Maßnahmen" zur Erhöhung der Sicherheit arbeiten.  © UTOPIA