Nach dem Wetter kommt im französischen Fernsehen offenbar bald ein Strom-Wetterbericht. Die französische Regierung will mit der Methode eine Überlastung des Stromnetzes verhindern.

Mehr Ratgeber-Themen finden Sie hier

Strom zu sparen ist aus Umweltschutzgründen wichtig und lohnt sich auch finanziell. Diesen Winter kommt noch ein wichtiger Grund hinzu: Ein sparsamer Umgang mit Energie trägt dazu bei, Stromnetze vor der zeitweisen Überlastung zu schützen. Um eine stabile Stromversorgung zu gewährleisten und Engpässen in der Energieversorgung vorzubeugen, will die französische Regierung eine außergewöhnliche Methode vorstellen: einen "Strom-Wetterbericht".

Französischer Strom-Wetterbericht sagt Netzbelastung voraus

Der Strom-Wetterbericht ist Teil des nationalen Energiesparplans Frankreichs. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die französische Zeitung "Le Parisien" berichtet, soll der Strom-Wetterbericht im Fernsehen ausgestrahlt werden – nach dem gewöhnlichen Wetterbericht und zwischen anderen Sendungen. Der Bericht informiert mittels grüner, gelber und roter Symbole über die aktuelle Auslastung des Stromnetzes. Ein grünes Signal signalisiert, dass der Stromkonsum im Rahmen ist, Gelb deutet eine Überlastung an und bei Rot kann es zu Versorgungsunterbrechungen kommen.

Im letzten Fall wird die Bevölkerung aufgefordert, ihren Verbrauch zwischen 08:00 und 12:00 Uhr sowie zwischen 18:00 und 20:00 Uhr zu senken. Beispielsweise sollten dann energieintensive Elektrogeräte wie die Waschmaschine und der Backofen eher nicht betätigt werden. Die Regierung hofft, auf diesem Weg vier von fünf Menschen zu erreichen.

Wer nicht auf den nächsten Strom-Wetterbericht warten will, kann den Status zur Auslastung des Netzes auch sofort einsehen. Der nationale Netzversorger RTE stellt die Informationen zur voraussichtlichen Belastung auch online zur Verfügung – als Teil eines Warnsystems namens "écoWatt".

Drohen in Deutschland Stromausfälle im Winter?

Auch in Deutschland ist man wegen Energieengpässen im Winter besorgt. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt wegen der Energiekrise sogar vor flächendeckenden Stromausfällen. Doch es gibt zahlreiche Gegenstimmen.

Expert:innen wie Strommarktexperte Christian Rehtanz gehen nicht von einer größeren Stromausfall-Gefahr in Deutschland aus. "Das Stromsystem wird in der Spitze durch Gaskraftwerke abgesichert, um die benötigte Leistung zu decken", sagt der Professor für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der Technischen Universität Dortmund. Daher seien Gas- und Stromsektor gekoppelt. "Aufgrund der immensen Wichtigkeit des Stromsektors wird man alles tun, um dieses lauffähig zu halten." Er geht davon aus, dass sogar im Fall einer Gasknappheit Gas vorrangig zur Stromerzeugung eingesetzt wird und eher Industriekunden nicht mehr mit Gas versorgt werden.

Auch Strommarktexperte Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool befürchtet in diesem Winter in Deutschland keinen Blackout, also einen unkontrollierten Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung. "Möglich ist allenfalls ein sogenannter Brownout, bei dem die Übertragungsnetzbetreiber einzelne Großverbraucher oder Regionen stundenweise vom Netz nehmen müssten", sagt Huneke. Dies könne bei großer Kälte etwa am frühen Abend geschehen, wenn der Haushaltsstromverbrauch stark zunehme.

Mehr Inhalte von Utopia.de
News, Tipps, Rezepte und Kaufberatung für eine nachhaltigere Welt.

Nur knapp die Hälfte der französischen Atomkraftwerke am Netz

Frankreich produziert circa 70 Prozent seines Stromes mit Atomkraftwerken und heizt auch überwiegend mit Strom. Laut Huneke ist derzeit allerdings knapp die Hälfte der 56 Atomkraftwerke Frankreichs nicht am Netz. Grund sind Instandsetzungsarbeiten sowie das Auftreten von Rissen in Notkühlkreisläufen. Frankreichs Energiewende-Ministerin Agnès Pannier-Runacher hatte Anfang September gesagt, dass der Stromkonzern EDF sich verpflichtet habe, alle Atomkraftwerke für diesen Winter wieder in Betrieb zu nehmen. Deutschland und Frankreich haben sich derweil gegenseitig solidarische Lieferungen zugesagt: Deutschland soll Strom nach Frankreich liefern und dafür Gas erhalten.  © UTOPIA