Millionen von Lichtern in der Winterdunkelheit, Duft von gebrannten Mandeln in der Luft: Kein anderer Ort putzt sich im Advent so schön heraus wie meine schwedische Lieblingsstadt Göteborg. Die Top Ten für die Winterzeit.

Göteborg ist so entspannt, weltoffen und kreativ wie wohl keine andere Stadt in Skandinavien.

Gut eine halbe Million Einwohner hat Schwedens zweitgrößte Stadt an der Westküste; im Sommer locken Lebenslust und helle Nächte, jetzt im Winter trotzt man der Dunkelheit mit einer fast schon überbordenden Weihnachtsbeleuchtung, leckerem Essen, viel Musik – und dem einem oder anderen Tässchen duftenden, heißen Glögg…

Altstadt Haga

Bummeln und genießen: Die alte Arbeitervorstadt Haga ist für mich ein Muss bei jedem Göteborg-Besuch.

Die kleinen, bunten Holzhäuschen der mittellosen Arbeiter sollten im letzten Jahrhundert abgerissen werden, konnten aber in letzter Sekunde dank einer Initiative gerettet werden.

Gut so – heute reihen sich in der Haga Nygata kleine Boutiquen mit Einrichtungsdesign oder Mode (etwa des Göteborger Modelabels Twist&Tango), Cafés wie das Kringlan oder das Husaren (mit den größten Zimtschnecken in ganz Schweden) und Restaurants wie das beliebte Sjöbaren aneinander.

An den Adventswochenenden füllt sich die kleine Einkaufsstraße mit Weihnachtsmarkt-Verkaufsständen, an denen gut gelaunte Schweden frisches Hefegebäck oder selbstgebastelte Weihnachtswichtel anbieten. Und von irgendwoher klingt eigentlich immer Gesang oder Musik.

Lucia-Tradition am 13. Dezember

Wer es einrichten kann, am 13. Dezember in Schweden zu sein, erlebt eine der schönsten Traditionen des Landes.

Weiß gekleidete, singende Jungen und Mädchen laufen mit einer Kerze in der Hand durch öffentliche Gebäude und die Stadt, die Heilige Lucia mit einem Kranz aus Kerzen auf dem Kopf vorneweg.

Besonders stimmungsvoll ist ein Luciakonzert in einer von Göteborgs Kirchen, etwa der Domkyrkan mitten in der City. Eintrittskarten für die Konzerte werden auch schon im Voraus verkauft und sind sehr begehrt.

Kronhuset und Kronhusbodarna

Nur fünf Minuten zu Fuß liegen zwischen Domkyrkan und dem Kronhuset, Göteborgs ältestem Gebäude aus rotem Backstein.

Im Innenhof haben die Kronhusbodarna, kleine Werkstätten, das ganze Jahr über geöffnet. Hier gibt es handgemachte Schokolade, Bonbons, Glas oder Töpferwaren.

Im Dezember findet zusätzlich im Hauptgebäude ein Kunsthandwerk-Weihnachtsmarkt mit Händlern in traditionellen Gewändern statt, draußen dampft Glögg, der starke, süße Glühwein mit Rosinen und Mandeln, in den Tassen.

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Göteborg im Weihnachtsfieber

Wohin man auch blickt, überall gibt es in Haga Weihnachtsmänner, Leckereien und Festtagslaune.

Restaurant Atelier

Wem nach Abwechslung zum nordisch klaren Stil ist und wer plüschige Atmosphäre mag, bekommt im Restaurant Atelier im luxuriösen Boutique-Hotel Pigalle unweit des Bahnhofs ein leckeres Mittag- oder Abendessen (Tipp: das Mittagsangebot "Lunch" ist in Schweden deutlich günstiger, als abends essen zu gehen, und beinhaltet in der Regel neben Salat und Brot auch ein alkoholfreies Getränk und hinterher Kaffee) zwischen Blümchensofas und Belle Époque-Interieur serviert.

Frisch gestärkt kann es danach mit dem Shopping weitergehen.

Shopping in der beleuchteten Innenstadt

Shoppen in Göteborg ist das ganze Jahr über ein Vergnügen. Die Auswahl ist riesig, alle Wege sind dank der kompakten Innenstadt innerhalb des Wallgrabens relativ kurz.

Doch im Advent ist es einfach etwas Besonderes, denn dann sind die Fußgängerzonen und Gebäude schön festlich geschmückt und stimmungsvoll beleuchtet (vor lauter Spaß an Weihnachten kann es sogar vorkommen, dass sich Hotels eine riesige rote Schleife umbinden und optisch zum gigantischen Geschenk werden).

Bei Regen oder zu großer Kälte bietet das riesige Shoppingcenter Nordstan überdachtes Einkaufsvergnügen. Göteborg zeigt seine Kreativität übrigens nicht nur in der Musik, sondern auch bei Mode und Design.

Zahlreiche Labels kommen von hier, etwa Nudie Jeans, Velour oder KappAhl. Und auch in puncto Nachhaltigkeit spielt Göteborg ganz vorne mit, hier leben und arbeiten Öko-Pioniere wie Annika Axelsson mit ihrem Label DEM Collective.

Stadtmuseum mit Musikausstellung

Göteborgs Stadtmuseum (Stadsmuseum) liegt gleich um die Ecke des Kronhuset und rollt die Geschichte der bald 400 Jahre alten Stadt gut gemacht auf.

Sehr zu empfehlen ist die aktuelle Sonderausstellung "Musiklivet Göteborg 1955-2018", die die kreative Musikstadt und ihre Bands und Clubs zum Thema hat.

Viele national und international bekannte Musiker aus Rock, Pop und Jazz kommen nämlich aus Göteborg, etwa Ace of Base, In Flames oder Håkan Hellström.

Extrem viel Spaß macht die kleine Disco in der Ausstellung, in der man augenzwinkernd – der trockene Göteborger Humor ist legendär – verschiedene Tanzstile von Swing bis Punk lernen kann.

Da Matteo in der Magasinsgatan

Nicht nur richtig gute Musik, auch großartiger Kaffee kommt aus Göteborg. In der Magasinsgatan – nebenbei eine der spannendsten kleinen Einkaufsstraßen – bietet Da Matteo in einem von insgesamt fünf Cafés mit diesem Namen in der Stadt exquisiten Sortenkaffee aus eigener Rösterei an.

Besitzer Matts Johansson hat lange in Italien gelebt und von dort nicht nur seinen Spitznamen Matteo, sondern auch die Kaffeekultur mit nach Göteborg mitgebracht.

Und verbessert – seine Bohnen werden viel schonender geröstet und nach ganz speziellen Vorgaben (etwa mit genau temperiertem Wasser) handgebrüht.

Den Unterschied sieht und schmeckt man: Der Kaffee ist viel heller als gewöhnlich und entfaltet eine Vielzahl an Aromen. Nicht umsonst heißt es, bei Da Matteo gibt es den besten Kaffee Schwedens.

In der dunklen Jahreszeit ist Ungarns Zentrum besonders beeindruckend.

Weihnachtsmarkt Liseberg

Schwedens größter Freizeitpark Liseberg mit Holz-Achterbahn, Riesenrad, Kinderland, mehreren Restaurants und Cafés hat normalerweise nur im Sommer oder an den Wochenenden geöffnet.

Doch im Dezember verwandelt sich das Areal abends in ein strahlendes Weihnachtswunderland.

Fünf Millionen Lichter tauchen die Bäume und Gebäude in magisches Licht, Weihnachtsbuden bieten heiße Schokolade, Glögg oder einen Imbiss an, offene Feuer lodern und echte Rentiere sind zu Besuch.

Wer mag, dreht eine Runde Schlittschuh auf der Eisbahn oder setzt ein paar Kronen beim Schokoladen-Lotto – um mit etwas Glück anschließend wie unzählige andere Liseberg-Besucher glücklich mit einer Riesenpackung Schokolade unter dem Arm herumzulaufen.

Zum Park kommt man übrigens hervorragend mit der himmelblauen Straßenbahn, Göteborgs Wahrzeichen.

Oder exklusiv im Dezember mit dem Paddan-Weihnachtsboot über die Kanäle, Weihnachtsmusik und natürlich auch wieder Glögg inklusive.

Neue Perspektiven mit der Fähre Älvsnabben

Eine ganz besondere Perspektive auf Göteborg bekommt man bei einer Fahrt mit der Flußfähre Älvsnabben (der Name ist Programm: Älv = Fluss, snabb = schnell).

Genau wie einen Besuch in Haga, versuche ich möglichst auch eine Älvsnabben-Tour unterzubringen, wenn ich in Göteborg bin.

Das Boot fährt alle 20 bis 30 Minuten am Hafen neben bei der Oper ab und kreuzt später über den Fluss Göta Älv bis nach Klippan, einem alten Industriegebäudekomplex, das heute ein Kulturreservat ist.

Besonders deutlich wird der Gegensatz der beiden Flussufer bei der Fahrt: Auf der einen Seite das historische Göteborg mit seinen gediegenen Steinhäusern, Kirchen oder dem alten Sjömanstornet, dem Seemannsturm, auf der anderen Seite die erst kürzlich entstandenen neuen Stadtteile dort, wo vorher Werften standen.

Extra stimmungsvoll ist die Fährfahrt abends, wenn sich an beiden Flussufern die Lichter im Wasser spiegeln.

Und das Beste: Die Fahrt kostet nur so viel wie eine Fahrt mit der Straßenbahn (26 SEK, knapp 3 Euro), denn die Fähre ist Teil des Göteborger ÖPNV. Tipp: Richtig guten Fisch und Meeresfrüchte lassen sich bei Sternekoch Ulf Wagner im Sjömagasinet an der Endhaltestelle Klippan schlemmen.

Wer rechtzeitig reserviert, kommt hier im Dezember zudem in den Genuss eines hervorragenden Julbords, dem traditionellen schwedischen Weihnachtsbuffet.

Villa Sjötorp in Ljungskile

Apropos schlemmen: Nicht nur ausgesprochen gemütlich und individuell wohnen lässt es sich in der hundert Jahre alten Villa Sjötorp im Örtchen Ljungskile, eine Autostunde nördlich von Göteborg.

Das kleine Restaurant in der weißen Holzvilla bietet auch hervorragendes Essen.

Der junge, sehr talentierte Koch Jakob Dillner zaubert hier aus lokalen und überwiegend ökologischen Lebensmitteln und natürlich aus frischem Fisch Gerichte, die ganz geradlinig und klar daherkommen und gerade deshalb so unnachahmlich lecker sind.

Tipp: Wer möchte, kann im Dezember einen ganzen Abend mit seinen Köstlichkeiten und dazu passenden Weinen beim 8-gängigen Weihnachtsmenü verbringen.

Andrea Lammert (Bild) gehört wie Anke Benstem, Silke Haas, Sandra Malt, Dörte Saße und Iris Schaper zum Bloggerteam Reisefeder. Die Journalistinnen und Reisebuchautorinnen schreiben über Reisen in alle Welt. Der Schwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeit.