Drei Stunden tuckert der Zug vor sich hin – das Tal verengt sich immer mehr, bis nur noch Fluss, Schienen und Straße übrig bleiben, von denen Berghänge steil aufragen.

Eine Zugfahrt von Oslo nach Otta ist schon der perfekte Einstieg, um vom stressigen Alltag runterzukommen. Wen es in das zentral gelegene Nationalparkgebiet Norwegens, ins Nasjionalparkriket, zieht, der sucht gewiss Ruhe. Den stört es sicherlich nicht einmal, wenn der Regen auf das Autodach niederprasselt.

UN-Studie zeigt, in welchen Ländern ein Lächeln wirklich angebracht ist.

Von Otta fahren wir zunächst den Nationalpark Jotunheimen an. Kleine Holzhütten mit Blick über einen See und dahinter steigen die Berge auf – das ist Norwegen. "Habt Ihr Lust auf eine Elchsafari?" fragt uns die Hausherrin um 23 Uhr, als es an diesem Julitag draußen noch immer taghell ist.

Trotz Müdigkeit, die die Anreise mit sich brachte, haben wir Lust. Wo sehe ich denn sonst so schnell wieder einmal einen Elch. Obwohl, eine Garantie darauf verspricht uns Marie nicht. Sie weiß nur, wo sie in der Regel grasen. Ich schraube meine Erwartungen herunter und freue mich, tatsächlich nur wenige Minuten nach dem Start in der Ferne auf einer Wiese einen Elch auszumachen.

Vier weitere sollen noch dazu kommen. Nur für ein Foto sind sie dann doch zu weit entfernt.

Am nächsten Morgen starten wir von der Lemonsjø Fjellstue og Hyttegrend mit einer kleinen halbtägigen Wanderung. Im Nationalpark Jotunheimen befinden sich die höchsten Gipfel Norwegens.

Eine Bilderreise voll magischer Momente rund um die Welt.

Doch wir wollen nicht ganz so hoch hinaus. So besteigen wir hinter dem hübschen Bergcafé Kalven Seter den 1.370 m hohen Trollhø, der zwischen Lemonsjøen und Tesse liegt. Nach einem ersten steilen, atemraubenden Stück, genießen wir von der abgeflachten Ebene einen 360 Grad-Ausblick. Und hier bleibt uns auch der 2.452 m hohe Glittertind nicht mehr verborgen. Wir kämpfen gegen den stürmischen Wind, doch der Blick über den Nationalpark Jotunheimen entschädigt.

Nach dem sieben Kilometer langen Rundweg am Morgen wechseln wir die Szenerie und fahren nach Lom, um dort das Norsk Fjellsenter zu besuchen.

Dieses gibt einen Einblick in die archäologischen Funde, die das schmelzende Eis auf den Gletschern der Nationalparks Jotunheimen, Reinheimen und Breheimen nun freigibt. Nicht weit davon entfernt findet der Besucher eine der größten erhaltenen Stabkirchen. Hier schauen wir noch kurz rein, bevor wir weiterfahren.

Wir verbringen unsere nächste Nacht am Rande des Reinheimen Nationalparks und lauschen dem Rauschen des Flusses Torda, dessen geräuschvolle Kraft selbst durch geschlossene Fenster an meine Ohren dringt. Doch was gibt es Schöneres, als in der Monotonie dieser natürlichen Geräuschkulisse in den Schlaf gewogen zu werden?

Arnstein, der Hausherr des Billingen Seterpensjonat, führt uns am nächsten Morgen auf einer kurzen Wanderung zur markanten Steinbrücke "Steinbrua", die szenisch schön über Felsen liegt. Sagen nach soll ein Troll diese Steinbrücke dort hingesetzt haben. Schneekuppen der hohen Berge, sattgrüne Birken- und Kiefernwälder und traditionelle Holzhäuser fügen sich in die Landschaft ein.

Unsere Bloggerin ist im wunderschönen Nationalparkgebiet unterwegs.

Wo im Reinheimen Nationalpark noch die satte Natur mit Kontrasten aufwartet, verlieren sich am nächsten Tag bei der Fahrt in den Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark die klaren Konturen und Farben. Graues Geröll und Gestein ergießt sich auf einer Hochebene. Das trübe Wetter tut sein übriges. Und dann erhebt sich einmal in Hjerkinn angekommen vor unseren Augen der majestätische 2.286 m hohe Snøhetta, der höchste Berg außerhalb von Jotunheimen.

Doch der schneebedeckte Gipfel will sich uns genauso wie die vielseitige Fauna mit ihren Rentieren, Wölfen und Polarfüchsen noch nicht zeigen. Auf unserem Weg zur Snøheim Turisthytte machen wir dann Moschusochsen in der Weite der steinigen Hochebene aus. Im Dovrefjell lebt die einzige Population in Norwegen, die in Europa bereits ausgestorben war. Die bis zu 500 kg schweren Tiere, die genau genommen keine Ochsen, sondern Ziegen sind, wurden zwischen 1932 und 1959 aus Grönland wieder eingeführt und im Dovrefjell ausgewildert. Heute leben um die 400-500 Tiere im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark.

Am nächsten Morgen starten wir dann mit Handschuhen, Mütze, warmer Kleidung und dem obligatorischen Wanderkeks Kvikk-Lunsj im Rucksack unseren Aufstieg auf den Snøhetta.

Geröll mit mattem Moos- und Flechtenbewuchs prägt hier die Landschaft. Nach ca. 20 Minuten erreichen wir zwei kleine Altschneefelder, in die unsere Schritte einsacken. Weitere 20 Minuten vergehen, bis wir den einzigen Fluss auf der Wanderung erreichen. Er dient nicht nur zur Auffrischung der Getränkevorräte, sondern auch der Übung unserer Balance. Mit großen Schritten und Sprüngen überqueren wir ihn über die größeren Steine im Flussbett.

Früher wollte Madlen Brückner nach Berlin, heute in die Welt. Sie sehnt sich immer nach dem, was sie nicht hat. Das lernte sie bereits in ihrer Kindheit östlich der Mauer. Sehnsüchte wurden zur Sucht. Ihr Blog "puriy unterwegs" soll den Blick für das Andere öffnen, um die Welt bewusst zu erleben.

Dann wartet der Anstieg durch großes Blockgestein, das die eigentliche Herausforderung beim Aufstieg und noch vielmehr beim Abstieg darstellt. Nieselregen setzt ein, die Steine verlieren an Rutschfestigkeit. Manchmal lugt die Sonne durch das Wolkenfeld hindurch und gibt den Blick auf die Hochebene mit ihren türkis leuchtenden Gletscherseen wie den Istjørni und rauschenden Flüssen frei.

Nebel hüllt am Ende unseres Aufstiegs den Gipfel ein. Unter der Dunstglocke lässt sich unser Ziel nur erahnen. Noch einmal müssen wir durch ein Neuschneefeld stapfen, bevor wie eine Fata-Morgana im Nebel die Umrisse eines Turms erkennbar sind. Der muss wohl zur Radiostation der Norwegischen Armee gehören. Nach 2,5 Stunden haben wir früher als erwartet den höchsten der vier Gipfel des Snøhetta erreicht. Wir stehen im Hochsommer eingeschneit im Nebel auf einem der höchsten Berge Norwegens und haben alle ein Strahlen im Gesicht, das jeden Sonnenschein ersetzt.

Teaserbild: © Madlen Brückner